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Unvergängliche Schönheit

Vor genau 250 Jahren bekam die Kirch­gemeinde Langnau ihre erste Orgel geschenkt. Das Instrument gibt es längst nicht mehr, der Blumenschmuck hat überlebt.

Unten Holz, oben Keramik: Diese Vasen zierten die älteste Orgel in Langnau.
Unten Holz, oben Keramik: Diese Vasen zierten die älteste Orgel in Langnau.
Bernisches Historisches Museum

Die Beziehungen der Hafnerfamilie Herrmann zur Langnauer Orgel und dem Orgelbau sind vielfältig. 1767 schenkte der Langnauer Kaufmann Michel Lüthi der Kirchgemeinde eine Orgel. Der Schaffhauser Orgelbauer Johann Conrad Speisegger stellte sie im Chor der Kirche auf. In ­diesem Zusammenhang wurde Daniel Herrmann (1736–1798) als Maler für Tagelöhne und Material mit der erstaunlichen Summe von 58 Kronen, 8 Batzen und 2 Kreuzern bezahlt. Vermutlich sah die Orgel etwa so aus wie jene in der Kirche von Lenzburg, die Speis­egger 1761/1762 gebaut hatte.

1793 musste die Orgel von Langnau umfangreicher repariert werden; eventuell wurde sie sogar versetzt. Der Orgelbauer Peter Schärer zu Kneubühl bei Sumiswald richtete die Orgel neu ein und vermehrte die Register. Auch in diesem Zusammenhang erscheint Daniel Herrmann. Er erhielt für den Neuanstrich der Orgel 7 Kronen. 1828 finden wir Daniel Herrmann, den Sohn, der schon 1804 als Organist erscheint, als Maler und Vergolder im Zusammenhang mit einer weiteren kostenträchtigen Re­paratur der Langnauer Kirchenorgel. 1881 wurde die Langnauer Orgel erneut umgebaut und 1885 endgültig ersetzt. Das barocke Originalgehäuse wurde als «Orgelholz» für 34.70 Franken verkauft.

Auf den Orgeltürmen

Vermutlich gelangten Teile der Orgel bei einer dieser beiden letzten Renovationen in das Bernische Historische Museum. Dabei handelt es sich um zwei hölzerne Vasen. In diesen stecken Stäbe mit keramischen Blüten und Blättern, die mittels Draht zu einem Blumenstrauss arrangiert sind. Sie sind nachträglich bemalt worden. Ursprünglich standen sie wohl auf den beiden seit­lichen Orgeltürmen. Vier weitere Teile aus Keramik können als Schmuck vor einem Orgelpfeifenregister, das heisst das Gesprenge über den Pfeifen, angesprochen werden.

Ob der keramische Ofenschmuck zur ursprünglichen Orgelausstattung von 1767/1768 gehörte, also zu einer Zeit entstand, als Daniel Herrmann in Bern die Frischingsche Fayencemanufaktur leitete, oder erst zum Umbau von 1793, ist unklar. Stilistisch wäre beides möglich.

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor. Mehr lesen? Kürzlich ist sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit Andreas Kistler verfasst hat, erschienen.

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