Zum Hauptinhalt springen

Kostspielige Überraschungen im Schloss Burgdorf

Die Umnutzung des Schlosses Burgdorf wird 2,3 Millionen Franken teurer als geplant. Vor allem Asbestrückstände und die entdeckten Wand- und Deckenmalereien treiben die Kosten in die Höhe.

Ein widerspenstiges Projekt: Altlasten und schwierige Bauverhältnisse lassen die Kosten für den Umbau und Betrieb des Schlosses steigen.
Ein widerspenstiges Projekt: Altlasten und schwierige Bauverhältnisse lassen die Kosten für den Umbau und Betrieb des Schlosses steigen.
Thomas Peter

Nicht nur der Weg zum Schloss hinauf ist steil und steinig, auch die Realisierung der geplanten Umnutzung zu einer Jugendherberge mit Museumsbetrieb. Und wenn von steinigen Wegen die Rede ist, ist meist auch die Finanzierung gemeint. Die Suche nach Geldgebern ging von Anfang an harzig voran, sodass bis zum Schluss für das 14,2 Millionen Franken teure Projekt noch 800'000 Franken fehlten.

Und jetzt sind noch mehr finanzielle Hürden aufgetaucht. Wie der Stiftungsrat am Montag mitteilte, wird das Projekt rund 2,3 Millionen teurer, als in der Vorstudie errechnet worden war. Altlasten und zusätzliche Grundleistungen seien aufgetaucht. Und so fehlen nun 3,1 Millionen Franken, die der Stiftungsrat irgendwie auftreiben muss.

Teurer Gastrobetrieb

Bei jedem grösseren Bauprojekt ist mit Überraschungen zu rechnen. Und wenn es sich bei dem Objekt noch um ein über 1000 Jahre altes Gebäude handelt, sowieso. Nur gibt es eben positive und negative Überraschungen. Zu Letzteren gehören sicher die aufgefundenen Asbestrückstände. Zu den positiven die 330 Jahre alten Wandgemälde und Deckenmalereien, auf die die Restauratoren gestossen sind.

Ob die historischen Malereien ganz restauriert oder gar nur konserviert werden können, ist nicht klar. Bild: Thomas Peter
Ob die historischen Malereien ganz restauriert oder gar nur konserviert werden können, ist nicht klar. Bild: Thomas Peter

Ob gut oder schlecht. Beides kostet Geld. Das erklärt auch Stiftungsratspräsident Markus Meyer. Der Asbest muss weg, das ist klar. Nur was mit den Malereien geschehen soll, gibt zu reden. Meyer sagt es so: «Es stellen sich mehrere Fragen. Sollen sie ganz oder nur zum Teil restauriert oder gar nur konserviert werden? Und wer zahlt das?»

Aber nicht nur die beiden Funde trieben die Kosten in die Höhe. Auch mussten die Verantwortlichen beim konkreten Umbauprojekt feststellen, dass der Gastro- und Museumsbetrieb teurer kommt als geplant. Ganz einfach, weil die altehrwürdigen Räumlichkeiten andere Rahmenbedingungen bieten. Dazu kommt, dass ein Teil der Struktur den Belastungen nicht standhalten würde und daher an einem Ort der Boden zusätzlich verstärkt werden muss. Was sich wie genau zu Buche schlägt, kann Meyer derzeit noch nicht sagen. Allein bei den Altlasten rechnet er mit Kosten von rund einer Million Franken.

Keine Reserven eingeplant

Bei Planungen gehören Reserveposten für Unvorhergesehenes eigentlich dazu. Dass das bei der Schlossumnutzung nicht wirklich der Fall war, hat laut Meyer seinen guten Grund. Schliesslich ist das ganze Projekt von etlichen Seiten her finanziert. So übernimmt der Kanton Bern als Eigentümer gut 9 Millionen Franken, und die Stadt Burgdorf wirft rund 2 Millionen ein. Der Rest soll mittels Gönnern und Spenden gestemmt werden. «Wenn man ein Projekt Stadt- und Kantonsräten vorlegen muss, kann man nicht mit 3 Millionen Franken Reserven operieren», sagt Meyer.

Deshalb muss jetzt nach Lösungen gesucht werden. Für Meyer ist klar, dass nicht einfach die Stiftung in die Verantwortung gezogen werden kann. So etwa die Sache mit dem Asbest. «Es kann ja nicht sein, dass der Kanton als Eigentümer des Schlosses diese Altlast auf die Stiftung abwälzt», sagt er. Und was die Malereien angeht, erhofft sich der Stiftungsratspräsident eine finanzielle Unterstützung durch die Denkmalpflege.

Der Kanton, namentlich das Amt für Grundstücke und Gebäude, kann noch nichts dazu sagen. Man höre heute zum ersten Mal von diesen Altlasten, heisst es dort. Wie dem auch sei, mit einer Kostenverteilung ist der Karren jedenfalls noch nicht aus dem Dreck gezogen. «Wir werden wohl zusätzlich den Standard etwas herunterfahren müssen», sagt Markus Meyer weiter. So werde grundsätzlich auf Luxus verzichtet und etwa bei der Haustechnik so viel eingespart wie möglich. Ähnlich einem Hauskäufer, der aus Kostengründen von Parkett auf Laminat wechseln müsse.

Möglich sei auch, dass gewisse Räume des Schlosses gar nicht oder erst später restauriert würden. Aber spruchreif sei noch nichts, so Meyer. Klar ist, dass die Stiftung auch weiterhin nach Gönnern und Sponsoren suchen muss. Auch Publikumsaktionen sind bereits angedacht. Der Weg bleibt also steinig.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch