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Suppe gegen saubere Fenster

Eine gemein­nützige Wohngenossenschaft möchte an der Mooseggstrasse ein Generationenhaus realisieren und eine neue Wohnform testen. Alt und Jung würden sich helfen, bezahlt würde statt in Franken in Stunden.

Paul Christ möchte an der Mooseggstrasse eine vor Jahren entstandene Vision verwirklichen. Bald wird die Gemeinde das ehemalige Kindergartenareal zum Kauf im Baurecht ausschreiben.
Paul Christ möchte an der Mooseggstrasse eine vor Jahren entstandene Vision verwirklichen. Bald wird die Gemeinde das ehemalige Kindergartenareal zum Kauf im Baurecht ausschreiben.
Thomas Peter

Einst gingen auf dem Areal an der Mooseggstrasse Kinder ein und aus. Inzwischen steht der Kindergarten leer. Wäre alles nach den ursprünglichen Plänen des Gemeinderates gegangen, wäre die 2000 Quadratmeter umfassende Parzelle wohl längst verkauft. Aber der Unterdorfleist erwirkte mit einer Initiative, dass der Grosse Gemeinderat (GGR) beschloss, der 300 Quadratmeter umfassende öffentliche Kinderspielplatz sei vom Verkauf auszunehmen.

Hinzu kam ein Vorstoss, den der SVP-Parlamentarier Beat Gerber mit der Grünen Elsi ­Reimann gemeinsam eingereicht hatte. Sie wollten den Gemeinderat verpflichten, «die Parzelle im Baurecht und nach Möglichkeit einer gemeinnützigen Organisation abzugeben». Ihr Antrag wurde am 21. März an der GGR-Sitzung einstimmig angenommen.

Noch hat die Gemeinde die Parzelle nicht ausgeschrieben. Inzwischen habe der Gemein­derat die dazu notwendigen ­Kriterien aber definiert und ­verabschiedet, sagt Gemeindeschreiber Samuel Buri. Die Ausschreibung werde in einem der nächsten Anzeiger erfolgen.

Genossenschafter gesucht

Bereits bringt sich eine gemeinnützige Wohngenossenschaft als mögliche Käuferin in Position. Nächste Woche will sie an einer öffentlichen Informationsveranstaltung zeigen, welches Projekt sie an der Mooseggstrasse realisieren möchte. «Im Moment sind wir zu acht», sagt Paul Christ.

Er ist Präsident der Genossenschaft, deren Statuten beim Bundesamt für Wohnungswesen schon ab­gesegnet worden seien. Somit sei die Gemeinnützigkeit bereits ­anerkannt. Die Genossenschaft würde an der Stelle des Kindergartens ein Wohnhaus mit «15 bis 16 Wohnungen» bauen. Die Mietzinse müssten die Kosten decken, Gewinne dürfe die Genossenschaft aber keine erzielen.

Die künftigen Mieter müssten sich mit der Zeichnung von Anteilscheinen in die Genossenschaft einkaufen. Nun ist die Gruppe um Christ daran, genügend Interessenten zu suchen. Denn davon hängt es ab, ob sich die Vision des Generationenhauses verwirklichen lässt.

Viel miteinander

Noch ist nicht definiert, wie gross die Wohnungen sein werden, die in dem Haus entstehen sollen. Nebst «ganz normalen» Logis könnten auch sogenannte Clusterwohnungen gebaut werden. Paul Christ erklärt: Jeder Mieter hätte sein eigenes Zimmer mit Nasszelle, Küche und Aufenthaltsraum jedoch würden gemeinsam genutzt.

Im Erdgeschoss des Hauses würden zudem Räume entstehen, die für die Öffentlichkeit zugänglich wären. Christ denkt etwa an eine Art Aufenthaltsraum mit einfacher Küche, in der sich Quartierbewohner zum Tee oder Kaffee treffen könnten, während sich ihre Kinder auf dem Spielplatz tummeln. Auch Mittags­tische, Filmabende oder Jassturniere wären für ihn denkbar.

«So könnten wir auch gleich Erfahrungen sammeln mit einer komplett neuen Währung.»

Paul Christ, Präsident Gemeinnützige Wohngenossenschaft

Ziel der Genossenschaft ist es, ein Haus zu bauen, in dem junge Familien und ältere Menschen nicht bloss unter dem gleichen Dach leben, sondern sich auch gegenseitig unterstützen würden. Paul Christ denkt etwa an eine ältere Person, die Gemüse rüstet und Suppe kocht, sodass die berufstätige Mutter mit ihren Kindern gleich an den Tisch sitzen kann.

Im Gegenzug würde die junge Familie dem älteren Nachbarn vielleicht die Fenster putzen, Einkäufe erledigen oder anderweitig helfen, damit er länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnte und nicht in ein Heim eintreten müsste. Bezahlt würden die Dienstleistungen nicht in Franken, sondern in Hours (Stunden).

Rüstige Rentner mit Elan

«So könnten wir auch gleich Erfahrungen sammeln mit einer komplett neuen Währung und könnten innerhalb des Hauses eine grosse Solidarität aufbauen», sagt Paul Christ. Er hat Rechtswissenschaften studiert, war Schauspieler, Regisseur, Theaterpädagoge und engagierte sich im Rainbow-Projekt, dank dem heute in so manchem Garten eine schmale, vielfarbige Fahne flattert.

Seit gut zwei Jahren ist Paul Christ nun Rentner. Im Moment seien er und seine Mitinitianten «noch gesund und haben dank AHV und Pensionskassen Freiräume, die wir gerne mit anderen teilen würden», schreibt er in der Einladung zur Informationsversammlung.

Orientierung:Die Gemeinnützige Wohngenossenschaft Langnau i. E. präsentiert ihre Vision am Mittwoch, 25. Januar, um 20 Uhr im Langnauer Kellertheater.

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