Utzenstorf

Schaufahren auf dem Pausenplatz

UtzenstorfDie grösste Elektro-Mobil-Rallye der Welt machte vor dem Gotthelfschulhaus in Utzenstorf halt. Die Fahrer erteilten Unterricht in Sachen ­Umwelt­bewusstsein.

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Es herrscht viel Verkehr auf dem Parkplatz vor dem Gotthelfschulhaus in Utzenstorf. Doch sind es nicht überfürsorgliche Papis und Mamis, die ihre Sprösslinge geschützt vor Regen und sonstigen Umwelteinflüssen zur Schule fahren. Für Elterntaxis hat es keinen Platz.

Recht aussergewöhnliche Mo­bile fahren stattdessen auf: vom dreirädrigen Twike bis zum offenen Roadster im Rennautostil. Eines aber ist allen gemein: Sie haben einen Elektromotor. Denn das ist die Teilnahmebedingung für die Wave-Tour. Quer durch die Schweiz fahren die 100 Elek­troautos, legen 1200 Kilometer zurück, überwinden 8700 Hö­henmeter, machen an 40 Orten halt.

«Der ist so klein und herzig.»Sina und Alissa

Vor acht Jahren hat der Luzerner Louis Palmer die weltgrösste Elektro-Rallye ins Leben gerufen. Einen Namen hatte sich der Umweltaktivist allerdings bereits davor gemacht, als er von 2007 bis 2008 die Welt in einem Solartaxi umrundete. Dass die Wave-Tour nebst Firmen und öffentlichen Plätzen 19 Schulen besucht, kommt nicht von ungefähr. Denn Palmer war einst selbst Lehrer.

«Das wird den Schülern auch in zehn Jahren noch in Erinnerung bleiben», ist Schulleiter Andreas Hachen überzeugt. Nicht die Theorie, sondern das Erlebnis stehe hier im Zentrum. Unterricht zum Anfassen also – das lassen sich die Schüler nicht zweimal sagen. Schon sitzen die ersten in den Autos, testen die Federung der Sitze, drehen vorsichtig am Steuerrad.

Die Jungs zieht es zum Tesla Model X. In drei Sekunden beschleunigt er von null auf hundert. Auch im Stillstand vermag der schnelle Schlitten zu beeindrucken. Immer wieder fährt der Besitzer die Flügeltüren hoch und runter, aus der Soundanlage dröhnt Popmusik in voller Lautstärke. Die Show wirkt. «Mir gefällt vor allem das Design», sagt der 14-jährige Lukas. Sein Kollege Fabian pflichtet ihm bei.

Von der Optik beeindruckt sind auch die Mädchen. Allerdings haben sie einen etwas anderen Geschmack. Sina und Alissa nehmen den Hotzenblitz unter die Lupe. «Der ist so klein und herzig», finden die beiden 11-Jährigen. Und die Sitze seien so schön. Knallrot wie sie sind, stechen sie ins Auge. Aufgemöbelt haben ihn Lehrlinge aus dem deutschen Welzheim.

Das Gefährt hat nämlich schon einige Jahre auf dem Buckel. Gebaut in den 90er-Jahren, sei es das erste rein elektrisch betriebene Auto Deutschlands gewesen, berichtet sein Fahrer Antonio Glasnovic.

Dann zerreisst ein lautes Quäken die Luft. Nicht die Hupe eines Elektromobils, sondern jene von Schulleiter Hachen verursacht den Lärm. Er trommelt alle zusammen. Nun steht das Schaufahren auf dem Programm. Mit einer 500-köpfigen Jury stellt der Wettbewerb jede Misswahl in den Schatten.

Alle Schüler bewerten nämlich die Fahrzeuge nach Leistung und Optik. Um die Gunst der Jury werben die 20 Fahrzeuge und ihre Fahrer mit unterschiedlichen Mitteln. Die einen rühren wortgewaltig die Werbetrommel, preisen nebst dem Fahrzeug zugleich erneuerbare Energien an. «Sagt euren Eltern, sie sollen eine Solaranlage auf dem Dach montieren», so ein Mann. Dass seine Firma solche vertreibt, ist wohl kein Zufall.

Andere punkten mit Humor. Die Liechtensteiner etwa mit ihrem Audi A 8, auf dem der Fürst auf der Motorhaube klebt. Zwar nicht persönlich, aber in Form einer Stoffpuppe. Nicht nur die Umwelt, auch die Gesundheit scheint den Fahrern am Herzen zu liegen.

«Ich habe ein Leben lang nicht geraucht, deshalb konnte ich mir dieses Auto leisten», ruft der Besitzer eines Teslas in die Menge. Ob die Botschaft angekommen ist, sei dahingestellt. Dass Elektroautos nicht nur umweltfreundlich, sondern genauso cool sein können, davon scheinen die Schüler jedenfalls überzeugt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 21:33 Uhr

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