Reumütiger Importeur

Emmental

Ein Dominikaner soll einen Verwandten dazu angestiftet haben, neun Kilogramm Kokain in die Schweiz zu schmuggeln. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von über fünf Jahren.

Kiloweise weisses Pulver: Das Gericht musste sich mit Drogenschmuggel beschäftigen.(Symbolbild)

Kiloweise weisses Pulver: Das Gericht musste sich mit Drogenschmuggel beschäftigen.(Symbolbild)

(Bild: PD)

Johannes Hofstetter

Im Flughafen Zürich wurde am 7. Januar 2016 ein Berner verhaftet. In seinem Koffer befanden sich über neun Kilogramm Kokaingemisch. Den Stoff hatte er Tage vor der Rückreise aus seinen Ferien in der Dominikanischen Republik gekauft. Das Geld dafür – 50000 Franken – wurde ihm von seinem ehemaligen Schwager unmittelbar vor der Reise ausgehändigt.

Der Kurier wurde in einem früheren Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von 4½ Jahren verurteilt. Ein halbes Jahr später und nach umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben zog die Polizei seinen Auftraggeber in Madrid aus dem Verkehr. Im November 2016 lieferte Spanien ihn an die Schweiz aus. Seither sitzt er auf dem Thorberg im vorzeitigen Stafvollzug.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Schuldig gemacht hat er sich gemäss der Anklageschrift nicht nur der Einfuhr von Drogen. In Burgdorf soll er einem Schweizer auch mindestens neun Gramm Kokain verkauft haben. Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau tagt in Fünferbesetzung. Das bedeutet, dass eine Freiheitsstrafe von über fünf Jahren zur Debatte steht.

Jahrelang konsumiert

«Wenn ich nicht ins Gefängnis gemusst hätte, wäre ich auf der Strasse gestorben», sagte der Angeklagte gestern unter Tränen. Hinter Gittern habe er zu Jesus gefunden. Er möchte alles, was er seiner Familie und seinen Freunden angetan habe, wieder gutmachen, beteuerte er.

Sein Leben sei ihm jahrelang gleichgültig gewesen, fügte er an. Er habe Kokain konsumiert. Hin und wieder sei er in der Zürcher Langstrasse verkehrt. Dort sei er eines Tages gefragt worden, ob er einen Drogenkurier organisieren könne. Daraufhin sei ihm spontan sein Schwager in den Sinn gekommen, dem das Wasser finanziell bis zum Hals stand. Erst habe der Verwandte abgewinkt. Doch als er ihn ein weiteres Mal gefragt und ihm pro Kilo transportiertes Kokaingemisch 1500 bis 2000 Franken angeboten habe, sei er weichgeworden. Finanziert worden sei alles von Hintermännern in Zürich.

«Wenn ich nicht ins Gefängnis gemusst hätte, wäre ich auf der Strasse gestorben.»Der Beschuldigte?

Opfer oder Drahtzieher?

Gerichtspräsident Roger Zuber wollte von dem Angeklagten wissen, um wen es sich bei diesen Leuten handle. Eine konkrete Antwort erhielt er nicht. Das seien «Menschen ohne Gesicht», sagte der Beschuldigte. «Sie gehen nie ins Gefängnis, weil sie immer Opfer finden, die die Arbeit für sie erledigen.» Zu diesen Opfern, befand der Dominikaner, zähle er genauso wie sein Schwager.

Das sieht sein Pflichtverteidiger naturgemäss ähnlich. Er machte schon zu Beginn der Verhandlung klar, dass sein Mandant in schuldtechnischer Hinsicht auf derselben Stufe stehe wie der bereits verurteilte Berner. Anderer Ansicht ist – genauso wenig überraschend – die Staatsanwaltschaft. Ihr Vertreter geht davon aus, dass der Dominikaner der Drahtzieher und sein Schwager nur ein Gehilfe war.

Wie das Gericht die Rollenverteilung sieht, zeigt sich am Donnerstagmorgen. Dann eröffnet Roger Zuber das Urteil. Dieses wird nicht nur vom Angeklagten, von dessen Rechtsvertreter und dem Ankläger mit Spannung erwartet, sondern auch von dem halben Dutzend Angehörigen, die den Drogen-Grossimporteur durch den Prozess begleiten.

Langenthaler Tagblatt

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