Planung zur «Butteri» nimmt Fahrt auf

Burgdorf

Auf dem attraktiven Areal rund um die alte ­Butterzentrale in Burgdorf soll ein hochwertiges Quartier entstehen. Treibende Kraft dahinter ist die Pensionskasse der Raiffeisenbank.

Seit kurzem sind die Fenster der alten Butterzentrale vernagelt. Bereits sind erste Vorarbeiten für ein Projekt auf dem Areal geleistet worden.

Seit kurzem sind die Fenster der alten Butterzentrale vernagelt. Bereits sind erste Vorarbeiten für ein Projekt auf dem Areal geleistet worden.

(Bild: Thomas Peter)

Die neuerdings mit Spanplatten behelfsmässig zugenagelten Fenster deuten darauf hin: Im Umfeld der alten Butterzentrale geschieht etwas. Und es sieht ganz nach einem ernst zu nehmenden Anlauf aus. Für das zen­tral gelegene Gebiet in überschaubarer Distanz zum Bahnhof könnte endlich eine Überbauungsplanung beginnen. Seit 30 Jahren ist das Areal der ehemaligen Verbandsmolkerei am Farbweg im Gespräch: 1986 wurde das Gebiet mit einer Zone für Planungspflicht belegt. Bezüglich der künftigen Nutzung dieses für alle Verkehrsteilnehmer sehr gut erschlossenen Areals sei, so die Absicht dahinter, eine besondere planerische Sorgfalt angebracht.Das sieht auch der neue Miteigentümer so: die Raiffeisen Pensionskasse Genossenschaft mit Sitz in St. Gallen.

Die bankeigene PK hat auf Anfang Jahr das 3347 Quadratmeter grosse Grundstück erworben, welches der Kanton zum Verkauf angeboten hatte. Seit den 80er-Jahren war die «Butteri» im Besitz des Kantons, der dort ursprünglich ein Verwaltungsgebäude realisieren wollte. Doch das Projekt zerschlug sich. Mit dem Kauf verfügt die Raiffeisen-PK nun über einen Anteil von 43 Prozent des gesamten Grundstückes, der Genossenschaft Migros Aare gehören 44 Prozent, die Stadt Burgdorf besitzt einen Anteil von 11 Prozent und zwei Private die restlichen 2 Prozent.

Den Kaufpreis wollen weder der Kanton noch die Pensionskasse nennen. «Es war ein angemessener Preis», sagt der für das Projekt zuständige Marc ­Pfister nur, «vergleichbar mit anderen Grundstücken an diesem Standort.»

Erste Vorarbeiten

«Unser Ziel ist, das Areal zu entwickeln», bestätigt Pfister als Vertreter der neuen Eigentü­merin, «und das wollen wir so schnell wie möglich vorantreiben.» Erste Vorarbeiten dazu sind geleistet: In einer Verein­barung haben die Grundeigen­tümer vor Jahresfrist ihre Bereitschaft zu einem städtebaulichen Planungs- und Studienauftrag bekundet. An den zu erwarteten maximalen Kosten von 400'000 Franken will sich auch die Migros beteiligen, obschon sie aktuell kein Interesse an grossen Ver­änderungen signalisiert. «Vorerst ist keine Schliessung der Filiale am Farbweg geplant», bestätigt Migros-Sprecherin Andrea Bauer.

Auch die Stadt war ihrerseits schon aktiv. Unter der Bezeichnung «Arealentwicklung Farbweg» hat die Baudirektion eine Projektskizze ausgearbeitet mit wichtigen Eckpfeilern wie: Es sei eine «stadträumliche Aufwertung mittels einer verdichteten urbanen Bebauung und einem breiten Nutzungsspektrum» anzustreben. Denkbar seien Baukörper mit grundsätzlich 4 Geschossen, in einzelnen Bereichen sogar 5 bis 6 Geschossen. Vorgesehen sei ein Nutzungsmix mit Schwerpunkt Wohnen, dies vor allem entlang des Mülibach. Aber auch Dienstleistungsbetriebe, Detailhandel, Gastronomie und Gewerbe sollen möglich sein.

Hohe Ansprüche

Die skizzierten Vorgaben decken sich mit den Vorstellungen der neuen Grundeigentümer. «Die Lage in Bahnhofnähe ist sehr interessant und lässt unterschied­liche Nutzungen offen», erklärt Marc Pfister. Aber auch die Ästhetik soll nicht zu kurz kommen. «Es soll ein weiteres hochwertiges Quartier entstehen mit hohen architektonischen Ansprüchen.» Ob dabei der markante Baukörper stehen bleiben wird, ist offen. «Da wollen wir uns überraschen lassen,» gibt Pfister zu Protokoll. Die alte Butterzentrale ist als ­«erhaltenswert» eingestuft, was gleichbedeutend ist wie: Sie steht unter dem Schutz der lokalen Behörden und kann nur abgerissen werden, wenn ein mindestens gleichwertiger Ersatz vorliegt.

Als nächsten Schritt will die Raiffeisen-PK die Evaluation von Architekten und Städteplanern vorantreiben, welche dann eine Überbauungsordnung ausarbeiten könnten. Ein erster Zeitplan sieht vor, dass bis Ende des laufenden Jahres die Begleitung des Planungsverfahrens bestimmt und bis Mitte 2017 ein Studienauftrag ergangen sein wird, sodass ab dem dritten Quartal des kommenden Jahres die geforderte Überbauungsordnung erarbeitet werden könnte.

Wohnen auf dem Finkhubel

Die Pensionskasse der Raiffeisenbank kennt die lokalen Eigenheiten und Abläufe bei grösseren Überbauungen. Auf dem Finkhubel an der Peripherie von Burgdorf nahe beim Friedhof realisiert die PK eine Wohnüberbauung mit vier 3- bis 4-geschossigen Mehrfamilienhäusern.

Insgesamt 68 Wohnungen werden auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Heubach gleich neben der Naherholungszone entstehen. «Für uns ist Burgdorf attraktiv», begründet Marc Pfister das Engagement der Ostschweizer Pensionskasse, «es ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität.»

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