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Notorischer Straftäter muss in die Klinik

Über 70-mal ist er in neun Jahren straffällig geworden: Das Regionalgericht schickt einen 25-jährigen Emmentaler in die Therapie.

Der notorische Unruhestifter muss vorderhand noch im Regionalgefängnis Burgdorf bleiben (Symbolbild/Thomas Peter).
Der notorische Unruhestifter muss vorderhand noch im Regionalgefängnis Burgdorf bleiben (Symbolbild/Thomas Peter).

Der junge Emmentaler hatte sich auf den 21. Oktober gefreut. Dann, glaubte er, würde er aus dem Regionalgefängnis Burgdorf entlassen. Dort verbüsst er eine Freiheitsstrafe, zu der ihn das Regionalgericht Emmental-Oberaargau im Dezember 2015 verknurrt hatte.

Doch aus dem Gang in die Freiheit wird nichts: Am Dienstag verurteilten ihn Gerichtspräsident Roger Zuber und zwei Laienrichterinnen wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, Drohungen, versuchter Nötigung, ­Beschimpfungen, Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und Drogendelikten zu einer weiteren Freiheitsstrafe von 6 Monaten.

Einige dieser Taten beging der Verurteilte vor seinem letzten Rencontre mit der Justiz. Deshalb wurden die nun verhängten Sanktionen als Zusatzstrafen zum 2015 eröffneten Verdikt ausgesprochen. Mit anderen Worten: Das Regionalgericht urteilte, als ob es sämtliche Delikte miteinander hätte bewerten müssen. Dann wäre es laut Zuber auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von 18 Monaten gekommen.

Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem 25-Jährigen, der von zwei Polizisten und seiner Mutter in den Gerichtssaal begleitet wurde, eine Persönlichkeitsstörung. Es geht von einer leicht bis mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit und einem hohen Rückfallrisiko aus. Dieses könne nur mit einer stationären Therapie gemindert werden, sagte der für die Expertise verantwortliche Psychiater.

Hoffnung auf Einsicht

Der Angeklagte, der in den letzten neun Jahren über 70-mal straffällig geworden war – Verurteilungen erfolgten wegen Gefährdung des Lebens, Freiheitsberaubung, Entführung oder ­Gewalt gegen Beamte –, gab zu Protokoll, eine stationäre Therapie erachte er als «unverhältnismässig».

Dessen ungeachtet schob das Gericht die Freiheitsstrafe zugunsten eines Aufenthalts in einer auf die Behandlung von Straftätern spezialisierten psychiatrischen Klinik auf. Bis der IV-Bezüger, der auf dem Thorberg und im Regionalgefängnis Burgdorf wieder Probleme machte, seine Therapie antritt, bleibt er in Sicherheitshaft.

«Wenn wir uns in zehn Jahren – hoffentlich nicht in einem Gerichtssaal – wiedersehen, hoffe ich, dass Sie dann sagen, dass Ihnen diese Massnahme rückblickend einleuchtet», sagte Roger Zuber zum Verurteilten. «Dass mit Ihnen etwas gehen muss, ist Ihnen ja selber bewusst», fügte der Gerichtspräsident an. «Und vermutlich ist es besser, wenn mit Ihnen jetzt etwas geht als erst später. Denn falls Sie in absehbarer Zeit in die Freiheit entlassen würden, bestünde die Gefahr, dass wieder etwas passiert.»

Bei diesen Worten nickte der Verurteilte, der während der einstündigen Urteilsbegründung reglos vor seinem Pflichtverteidiger gesessen hatte, beinahe unmerklich.

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