«Mittäter, nicht Mitläufer»

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau schickt einen Drogenimporteur für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Der Mann liess 9 Kilogramm Kokain in die Schweiz schmuggeln.

Der 41-Jährige Kominikaner hatte einen Verwandten dazu angestiftet, 9 Kilogramm Kokain in die Schweiz zu schmuggeln (Symbolbild).<p class='credit'>(Bild: iStock)</p>

Der 41-Jährige Kominikaner hatte einen Verwandten dazu angestiftet, 9 Kilogramm Kokain in die Schweiz zu schmuggeln (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Johannes Hofstetter

Weinend entschuldigte er sich bei seinen Angehörigen. Wortreich bereute er seine Taten und versicherte – die Bibel auf dem Schoss fest umklammernd –, im vorzeitigen Strafvollzug auf dem Thorberg zu Jesus gefunden zu haben.

Am Ende nützte ihm das alles aber wenig: Wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau einen Dominikaner gestern zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten sowie zur Bezahlung der Verfahrenskosten von 58'000 Franken. Die 2 Jahre, die der Mann nach seiner Verhaftung in Spanien schon in Auslieferungs- und Untersuchungshaft sowie im vorzeitigen Strafvollzug verbrachte, sind im Strafmass inbegriffen.

Das in Fünferbesetzung tagende Gremium unter dem Vorsitz von Roger Zuber erachtete es als erwiesen, dass der 41-Jährige einen finanziell klammen Verwandten dazu angestiftet hatte, auf der Rückreise von seinen Ferien in der Dominikanische Republik 9 Kilogramm Kokaingemisch in die Schweiz zu importieren. Weiter verkaufte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben jahrelang Koks konsumiert hatte, ein paar Gramm des weissen Pulvers an einen Kunden in Burgdorf.

Ein grosse Menge

9 Kilogramm Kokain: Das sei die grösste Drogenmenge, welche die Berner Ermittlungsbehörden in den letzten Jahren haben aus dem Verkehr ziehen können, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft am Rande des Prozesses.

Bei seiner Befragung hatte der geständige Angeklagte behauptet, ein Opfer von «Menschen ohne Gesichter» zu sein. Sie hätten ihn in Zürich damit beauftragt, jemanden zu finden, der Kokain aus der Karibik in die Schweiz bringen kann. Das Geld für den Stoff – 50'000 Franken – hätten ihm diese Unbekannten zur Verfügung gestellt.

Er selber habe für seinen Rekrutierungsdienst 2000 Franken kassiert. Weitere 3000 Franken wären fällig geworden, wenn die illegale Einfuhr wie geplant hätte abgewickelt werden können. Doch sein Kurier wurde nach der Landung im Flughafen Zürich verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt.

Kein Zweifel

Aufgrund dessen Aussagen und abgehörter Telefonate habe das Gericht keinen Zweifel daran, dass der Dominikaner nicht nur den Importeur vermittelt, sondern bei der Organisation und Finanzierung des Transports eine aktive Rolle gespielt habe.

«Unglaubhaft und lebensfremd.»Der Gerichtspräsident über die Aussagen des Angeklagten.

Wenn der Beschuldigte behaupte, von fremden Mächten in der Langstrasse als Werkzeug eingespannt worden zu sein, müsse dies folglich als «unglaubhaft», «lebensfremd» und «Schutzbehauptung» taxiert werden. «Der Angeklagte war kein Mitläufer, sondern ein Mittäter», fasste Roger Zuber zusammen.

Ausschaffung möglich

Das Aufenthaltsrecht in der Schweiz – wo auch seine Familie lebt – hat der Mann höchstwahrscheinlich verwirkt. Laut dem Gerichtspräsidenten muss er davon ausgehen, nach der Verbüssung der Strafe in die Dominikanische Republik ausgeschafft zu werden.

Berner Zeitung

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