Mit Schaufel und Pickel wird die Fluh gezähmt

Wasen

Die Lüderenalp ist diese Woche von Wasen her kaum erreichbar: Die Strasse ist wegen einer Felsreinigung gesperrt. Ein kontrollierter Abbruch von rund 50 Kubikmeter Stein und Holz soll die Sicherheit für die Strassenbenutzer erhöhen.

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Philippe Müller

Klack, klack, klack. Schon von weitem ist der Aufprall der Steine auf dem Asphalt zu hören. Etwas später sind auch die orange gekleideten Männer zu sehen, die die Geräusche verursachen: Mehrere von ihnen hängen an Seilen gesichert am Hang, mit Schaufel und Pickel bewaffnet.

Weiteres Personal ist am Boden damit beschäftigt, das Geröll zu Haufen zusammenzuschieben und es dann mithilfe eines Baggers aufzuladen und abzutransportieren.

Fritz Kobel und Heinz Jenni richten den Blick in die Höhe. «Das sieht gut aus», sagt Kobel. Jenni nickt bestätigend. Die beiden sind mitverantwortlich dafür, was dieser Tage an der Lüderenfluh unterhalb der Lüderenalp passiert. Kobel ist Bauverwalter, Jenni Gemeinderat von Sumiswald. Die Gemeinde hat das kantonale Tiefbauamt mit einer Felsreinigung beauftragt.

Mit viel Geschwindigkeit donnern die Steine auf den Asphalt zu. Video: Philippe Müller

Diese wird nun durchgeführt. «Jedes Jahr verzeichnen wir bei der Lüderenfluh mehrere leichte Steinabbrüche», sagt Kobel. Weil die Strasse nicht gesichert sei, könne dies hie und da zu heiklen Situationen führen. Zudem sei man der Fluh schon seit Jahrzehnten nicht mehr zu Leibe gerückt.

Deshalb sei es nun wieder einmal an der Zeit, dass Spezialisten Steine und Wurzelstöcke gezielt entfernen und kontrolliert zum Absturz bringen sowie die Kanten der Fluh brechen würden.

Etwas weiter bergwärts sind an einer Stelle fünf Sicherungsnetze montiert. «Das ist ein Versuch», sagt Gemeinderat Jenni. Es handle sich dabei um die Stelle, wo jeweils am meisten Geröll herunterkomme. Oben am Hang ist ein Spezialist damit beschäftigt, ein weiteres Netz zu befestigen. «Wenn sich die Netze bewähren, wären sie vielleicht auch für weitere Stellen eine gute Alternative», sagt Jenni.

Wobei auch in Sumiswald oft die Kosten darüber entscheiden, was ge­macht wird und was nicht. Heinz Jenni erinnert sich daran, dass Sumiswald vor rund drei Jahren die Strasse unter der Lüderenfluh seitlich etwas versetzen wollte, damit das abstürzende Geröll eben neben und nicht auf der Strasse landet. Doch das Projekt sei mit veranschlagten Kosten von rund 1,4 Millionen Franken schlicht zu teuer gewesen.

Da nimmt sich die aktuelle Felsreinigung mit rund 25 000 Franken geradezu günstig aus. Weitere rund 15 000 Franken kommen für die Aufwände des Werkhofs dazu, der das Geröll aufsammelt und abtransportiert. Die Gemeinde muss die Gesamtkosten alleine tragen.

Weder Bund noch Kanton waren bereit, sich an den Sicherungsarbeiten zu beteiligen. «Wir kennen die gesetzliche Ausgangslage und mussten davon ausgehen, dass wir wohl leer ausgehen würden», sagt Bauverwalter Fritz Kobel. «Trotzdem ist es am Schluss unbefriedigend für uns.»

Hadern wollen Kobel und Jenni aber nicht. «Mir ist nun wohler», sagt der Gemeinderat. Er wohne in der Nähe und befahre die Strasse oft. «Ich hatte nicht immer ein gutes Gefühl», gesteht Jenni. Und auch Bauverwalter Fritz Kobel gesteht: «Ich bin froh, haben wir uns dazu entschlossen, die Fluh zu reinigen.

Das erhöht die Sicherheit.» Illusionen macht er sich aber keine: Die 40­ bis 50 Kubikmeter Material, die diese Woche aus dem Hang entfernt wurden, werden das Problem nicht nachhaltig lösen. «Die Fluh wird uns weiter beschäftigen, aber nicht mehr in dem Ausmass.»

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