Kita: Nun kommt Sumiswald ins Spiel

Sumiswald

Die ­Gemeinden wollen nicht so recht, andere dafür umso mehr: Nun soll nicht mehr nur in Rüegsauschachen eine Kita entstehen, sondern auch in Sumiswald. Hinter dem Vorhaben steht das Dienstleistungszentrum.

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Eine Kindertagesstätte zwischen Burgdorf, Huttwil und Langnau? Bis dato Fehlanzeige. Doch nun soll dieses Manko behoben werden: In der Grossüberbauung auf der Rüegsauschacher Gerbematte soll eine Kita eingerichtet werden.

Damit diese aber öffentlich und damit für alle erschwinglich ist, müsste mindestens eine Gemeinde Verpflichtungen eingehen – auch finanzielle. Zum Ärger der Bauherrschaft will das die Standortgemeinde Rüegsau nicht. Das wurde Ende Märzbekannt.

Seither sind die Kitapläne im mittleren Emmental nicht eingeschlafen – im Gegenteil. Gerade in Sumiswald ist die Diskussion um die Rüegsauschacher Kita auf Resonanz gestossen. Und nun wird auch dort über den Bau einer solchen Einrichtung nachgedacht.

«Die Zeiten haben sich geändert»

Federführend ist einerseits das Dienstleistungszentrum (DLZ), das das ehemalige Spital bewirtschaftet, aber auch der ehemalige Tageselternverein Mittleres Emmental, der seit kurzem Kinderbetreuung (Kibe) Mittleres Emmental heisst.

«Insbesondere aus Wirtschaftskreisen ist der Wunsch nach einer Kita geäussert worden», sagt DLZ-Chef Andreas Schneiter. «Die Zeiten haben sich geändert: Externe Kinderbetreuung ist auch in unserer Region zunehmend gefragt.» Deshalb habe man vonseiten des DLZ den Ball aufgenommen.

Ob die Kita im ­alten Spital oder gar in den Neubauten eingerichtet werden würde, sei völlig offen. «Wir stehen noch ganz am Anfang der Planung.» Entscheidend sei, dass das Vorhaben beim DLZ keine Alternative oder Konkurrenz zum Projekt in Rüegsauschachen ist. «Die Idee ist vielmehr, dass es eine Organisation gibt, die beide Standorte betreibt», führt Schneiter aus.

Mehr Flexibilität

Für Heinz Riesen wären zwei Kitas im mittleren Emmental optimal. «Zwei Standorte würden uns viel mehr Optionen geben», führt der Kibe-Präsident aus. Man könne so zum Beispiel bei Engpässen flexibler reagieren, zumal nebst den Kitas in Rüegsauschachen und Sumiswald nach wie vor auch eine Lösung mit Tageseltern gefunden werden könnte. Gleichzeitig würden die Kitas den notorischen Mangel an Tageseltern abfedern.

Die Gemeinden jedoch äussern sich wie schon Ende März vorsichtig. So etwa Lützelflüh, die Gemeinde, in der bereits ebenjene Kibe beheimatet ist, die die Kitas betreiben würde. Man habe sich nach wie vor nicht dagegen entschieden, als Sitzgemeinde der Kitas zu fungieren, lässt Gemeindepräsident Andreas Meister auf Anfrage verlauten.

Man sei jedoch nach wie vor der Meinung, dass eine der allfälligen Standortgemeinden – also Sumiswald oder Rüegsau – diese Aufgabe übernehmen sollte. «Für uns ist entscheidend, dass am Ende nicht nur Sumiswald eine Kita hätte», erklärt Meister. Denn: Unsere Bevölkerung ist eher Richtung Burgdorf und Bern orientiert, daher ist Rüegsauschachen aus unserer Sicht besser gelegen.»

Wichtig sei zudem, dass auch andere Gemeinden das finanzielle Risiko mittragen würden. «Wir warten jetzt ab, was die Abklärungen des DLZ ergeben», so Meister, «der Gemeinderat hat jedenfalls noch keine Beschlüsse gefasst, es ist also noch alles ­offen».

Waber zeigt sich skeptisch

Dezidierter hat sich bereits die Gemeinde Rüegsau geäussert: Der Gemeinderat hatte beschlossen, die finanzielle Verantwortung für die Kita nicht zu übernehmen. «Daran ändern die Pläne in Sumiswald grundsätzlich nichts», erklärt Gemeindepräsident Fritz Rüfenacht auf Anfrage. Man verfolge nun auch mit Interesse, was in Sachen Kita weiter passiert.

Und wie sieht es in Sumiswald aus, wo nun ebenfalls eine Kita entstehen könnte? Gemeindepräsident Christian Waber zeigt sich auf Anfrage skeptisch. «Wir haben das Vorhaben im Rat diskutiert.» Man würde das DLZ sicher unterstützen, aber man wolle keine finanziellen Abenteuer eingehen.

Zudem sei eine Tagesstätte nicht zum ersten Mal Thema in der Gemeinde. «Wir haben vor einigen Jahren dazu eine Studie erstellen lassen.» Diese hätte gezeigt, dass nicht ausreichend Bedarf nach Kitaplätzen bestehe. Er nehme aber zur Kenntnis, dass gerade aus der Wirtschaft der Wunsch nach einer Kita geäussert worden ist. «Falls uns die Initianten entsprechende Zahlen liefern können, könnte das aber zu einem Umdenken führen».

Bedarf wird analysiert

Genau das haben die Initianten nun auch vor: «Wir wollen in den nächsten Wochen eine Bedarfsanalyse durchführen», sagt An­dreas Schneiter. Heinz Riesen von der Kibe meint, dass die von Sumiswalder Gemeindepräsidenten erwähnte Studie keine Bedeutung mehr habe: «Erstens ist sie wirklich nicht mehr aktuell, zweitens waren damals die Unternehmen nicht befragt ­worden.»

Die geplante Bedarfsanalyse in den Gemeinden des mittleren Emmentals soll aufzeigen, wie es wirklich um die Nachfrage nach Kitaplätzen bestellt ist. «Diese Zahlen werden dann hoffentlich helfen, die Gemeinden mit ins Boot zu holen», so Schneiter.

Berner Zeitung

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