Jetzt ist auch Lidl so weit

Langnau

Darauf wartet man seit vier Jahren: dass der Gemeinderat und der deutsche Discounter zeigen, wie das Stämpfliareal in Langnau überbaut werden soll.

Im Erdgeschoss ein Laden und Gewerberäume, darüber Wohnungen. So sieht es die Überbauungsordnung vor. Visualisierung.

Im Erdgeschoss ein Laden und Gewerberäume, darüber Wohnungen. So sieht es die Überbauungsordnung vor. Visualisierung.

(Bild: PD)

Nun geht es Schlag auf Schlag. Es ist kaum ein Monat her, dass in Langnau die Überbauungsordnung publiziert wurde, die festlegt, wie Aldi beim Ilfiskreisel bauen darf. Jetzt stellt der Gemeinderat der Öffentlichkeit vor, wie der andere deutsche Discounter vorgehen darf.

Lidl und Vertreter der Gemeinde haben zusammen erarbeitet, was auf dem Stämpfliareal möglich sein soll. Die öffentliche Mitwirkung läuft – endlich. Bereits 2015 hat Lidl Schweiz AG die Gesamtfläche von 9300 Quadratmetern der Stämpfli-Bau Holding AG abgekauft.

Eigentlich hatte der Gemeinderat mit der Ortsplanungsrevision 2013 darauf bestanden, dass dieses Gebiet in der Arbeitszone 1 bleibt. Wohnungen wären dort nur für «das betriebsnotwendig an den Standort gebundene Personal gestattet». Und nur der Verkauf von Eigenprodukten auf nicht mehr als 200 Quadratmetern wäre erlaubt.

Doch gemäss den Unterlagen, die jetzt aufliegen, fand das Unternehmen Stämpfli nicht genügend lokale Gewerbler, die das Grundstück hätten nutzen wollen. Mit Lidl präsentierte es dann einen Käufer, der das Areal «ganzheitlich entwickelt». Allerdings unter der Bedingung, dass ein Laden von mehr als 1000 Quadratmetern und auch Wohnraum realisiert werden können.

Deshalb wird nun eine Zonenplanänderung nötig, und es muss eine Überbauungsordnung genehmigt werden, die die bisherige Arbeitszone 1 ablösen wird.

34 Wohnungen

Die zur Diskussion stehenden Pläne sehen vor, dass auf dem Areal ein markanter Sockelbau entsteht, der im Erdgeschoss Platz bietet für einen Laden und verschiedene Gewerberäume, die Lidl zum Verkauf oder zum Mieten anbieten wird.

Über diesem Sockel sind drei Wohnblöcke mit drei Geschossen vorgesehen. 34 kleine und mittelgrosse Wohnungen würden geplant. Gesamthaft sind 108 Parkplätze vorgesehen, 61 davon in einer Einstellhalle.

Doch der Bau dieser Tiefgarage wird nicht ganz einfach, weil der Gewerbekanal mitten über das Areal führt. Statt einer durchgehenden müssten also zwei Einstellhallen gebaut werden, ist den Unterlagen zu entnehmen.

Die Warenanlieferung werde im Neubau integriert, sodass sich der Lärm für die Bewohner des angrenzenden Wohngebiets in der Zürchermatte in Grenzen halten sollte.

Widerstand ist sicher

Trotzdem ist jetzt schon klar, dass der Verkehr zu Diskussionen führen wird. Die Zufahrt ab der Burgdorfstrasse soll zwar zwecks besserer Übersichtlichkeit etwas verschoben werden. Zudem ist ein Mittelstreifen vorgesehen, der das Zu- und Wegfahren verflüssigen soll.

Es wird mit Mehrverkehr von täglich 420 Zu- und Wegfahrten gerechnet. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber den heutigen Zahlen. Sowohl der Ilfiskreisel als auch der Knoten Zürchermatte/Burgdorfstrasse könnten diesen Verkehr «ohne grosse Qualitätsverluste» aufnehmen, wird ein Verkehrsgutachten zitiert.

Doch Widerstand ist programmiert. Der GLP-Parlamentarier Sam Brechbühl hattesich mittels Postulat dafür eingesetzt, dass im Zusammenhang mit der Überbauung Lidl eine Fussgängerpasserelle über die Burgdorfstrasse realisiert wird. Sein Prüfauftrag wurde im Juni 2016 vom Grossen Gemeinderat einstimmig überwiesen.

Der Gemeinderat vertröstet

Die Situation der Fussgängerführung sei denn auch analysiert worden, steht nun in den Unterlagen. Aber angesichts der beidseitigen Trottoirs entlang der Burgdorfstrasse «und sicheren Querungshilfen in nützlicher Distanz» habe sich durch das Vorhaben von Lidl «kein zwingender Handlungsbedarf» ergeben.

Da ein neuer Fussweg nicht innerhalb des Perimeters dieser Überbauungsordnung realisiert werden könne, «ist diese nicht Teil der vorliegenden Planung», schreiben die Verantwortlichen. Aber sie versprechen: «Die alternative Querung der Burgdorfstrasse soll im Rahmen von Gesprächen mit den Anwohnern geklärt und in einem separaten Verfahren, mit Unterstützung von Lidl Schweiz, realisiert werden.»

Damit ist Sam Brechbühl nicht einverstanden. Seit drei Jahren höre er von den Behörden, dass er mit seiner Forderung nach einem Übergang für Fussgänger und Velofahrer offene Türen einrenne. Deshalb hätte er nun erwartet, dass Lidl im Zusammenhang mit der Überbauungsordnung dazu verpflichtet würde, eine sichere Lösung für Fussgänger und Velofahrer zu schaffen.

«Ich wehre mich gegen eine katastrophale Verkehrs- und somit auch Ortsplanung im Rahmen des ganzen Projekts», gibt Brechbühl zu verstehen und versichert: «Mein Widerstand richtet sich nicht gegen Lidl.»

Am Dienstag um 19.30 Uhr findet in der Kupferschmiede eine Informationsveranstaltung statt.

Berner Zeitung

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