Immer mehr Mütter gebären im Emmental

Burgdorf

Zum vierten Mal in Folge konnte das Spital Emmental einen Geburtenrekord vermelden. Allgemein nimmt die Zahl der Neugeborenen in der Schweiz allerdings nicht zu.

Die Geburtenabteilung im Spital Emmental wurde letztes Jahr wieder gut frequentiert.

Die Geburtenabteilung im Spital Emmental wurde letztes Jahr wieder gut frequentiert.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Susanne Graf

Seit vier Jahren tönt es immer gleich. Jedesmal teilt das Spital Emmental zum Jahreswechsel mit, dass in seinen Räumen noch nie so viele Kinder geboren worden seien wie im soeben abgelaufenen. Seit 2016 wird der Rekord Jahr für Jahr geknackt. Damals erblickten in Burgdorf 611 Babys das Licht der Welt, dann stieg die Zahl stetig und Ende letzten Jahres waren es 736.

Vielen stellte sich ob dieser Entwicklung die Frage, ob wohl in der Schweiz ganz allgemein wieder mehr Kinder zu Welt kommen. Aber dem ist nicht so. Matthias Scheidegger, Chefarzt der Frauenklinik im Spital Emmental, zitiert aus den Statistiken des Bundes: Demnach blieb die Zahl der Geburten seit 2016 schweizweit immer etwa gleich hoch, sie lag 2018 bei 87’851. Die jüngsten Angaben für 2019 liegen noch nicht vor. Im Kanton Bern stieg die Zahl der Neugeborenen von 2016 bis 2018 nur ganz leicht, von 10’113 auf 10’141.

Gebären in der Region

Matthias Scheidegger arbeitet seit 18 Jahren im Spital Burgdorf. Als er 2002 als Frauenarzt angefangen habe, hätten dort jährlich zwischen 400 und 500 Geburten stattgefunden. Es sei vor allem der Anteil jener Frauen, die im Emmental wohnen und auch ihre Kinder hier zur Welt bringen wollen, der seither markant gestiegen sei.

Aber auch auch aus angrenzenden Regionen wie dem Oberaargau, der Stadt Bern und den Kantonen Luzern und Solothurn kämen Schwangere nach Burgdorf, um sich entbinden zu lassen. «Es freut uns, dass sich immer mehr Paare für das Spital Emmental entscheiden», sagt Scheidegger.

Das Stillen wird gefördert

Ob die Steigerung auch mit dem Label zusammenhängen könnte, das dem Spital Emmental 2005 verliehen wurde? Die Burgdorfer Einrichtung wurde vom Kinderhilfswerks Unicef der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation WHO als «babyfreundliches Spital» ausgezeichnet. Sie ist allerdings nicht die einzige, schweizweit tragen 27 Häuser dieses Prädikat.

In diesen Spitälern gehört es etwa zum Standard, dass Mutter und Kind auf der Geburtenabteilung ununterbrochen zusammen sein können. Denn der Unicef-Initiative geht es insbesondere darum, das Stillen zu fördern. Dies geschieht nicht nur durch Beratung der noch unerfahrenen Frauen, sondern etwa auch durch den sofortigen Hautkontakt zwischen Mutter und Baby nach der Geburt.

Seit dem Jahr 2000 wird in den zertifizierten Spitälern ein Monitoring durchgeführt. Und seither habe die Zahl der Säuglinge, die während des Spitalaufenthalts ausschliesslich gestillt worden seien, von 36 auf 62 Prozent gesteigert werden können, teilt Unicef mit.

Umfassende Beratung

Das Gütesiegel der Unicef habe das Spital Emmental aber nicht etwa «aus PR-Sicht» angestrebt, versichert Matthias Scheidegger. Er und sein Team stünden voll und ganz hinter den Regeln der Unicef, nur deshalb hätten sie sich zertifizieren lassen. Jetzt zwinge sie dieses Label, «unsere Arbeit zu reflektieren und die Qualität zu dokumentieren».

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