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Im Hirschen übernehmen die Jungen

Die Nachfolge ist geregelt. Urs und Hedy Weyermann ist geglückt, was vielen Gastronomen nicht gelingt: Sie können das Hotel Hirschen in Langnau ihrem Sohn Kevin und seiner Partnerin Evelyne Räss übergeben.

Hedy und Urs Weyermann (rechts) übergeben das Hotel Hirschen an Kevin Weyermann und Evelyne Raess.
Hedy und Urs Weyermann (rechts) übergeben das Hotel Hirschen an Kevin Weyermann und Evelyne Raess.
Christian Pfander

Sie ist 60-, er erst 59-jährig. Trotzdem geben Hedy und Urs Weyermann die Leitung des Hotels Hirschen in Langnau bereits jetzt in jüngere Hände. «Es hat keinen Sinn, noch vier bis fünf Jahre zu warten», sagt er.

Denn da steht ein junger, gut ausgebildeter Mann bereit und will zusammen mit seiner ebenfalls fachkundigen Partnerin den grossen Betrieb übernehmen. Kevin Weyermann, der 27-jährige Sohn, und Evelyne Räss werden den Hirschen als Hotel und Restaurant mit grossem Saal weiterführen.

«Ich bin froh, dass die sozialen Aufgaben der Beiz nicht wegfallen.»

Urs Weyermann, noch Chef im Hotel Hirschen

«Das ist ein Glücksfall», sagt Urs Weyermann. Er sagt es nicht nur als Vater, der sich freut, dass sein Betrieb in der Familie bleibt. Er sagt es auch als Langnauer, der froh ist, dass der Saal erhalten bleibt und «die sozialen Aufgaben der Beiz nicht wegfallen».

Denn im schlimmsten Fall, so weiss Urs Weyermann von vielen Besitzern grosser Gastrobetriebe, wären aus dem Hirschen Alterswohnungen geworden. Oft klappt die Nachfolgeregelung nicht. Um diese dereinst leichter aufgleisen zu können, haben Urs und Hedy Weyermann bereits vor zehn Jahren eine Aktiengesellschaft gegründet.

Überbrückt und geblieben

Von langer Hand geplant war die Geschäftsübergabe, die nun auf den 1. Januar 2020 stattfindet, allerdings nicht. Der Zufall hatte seine Hand im Spiel. Kevin Weyermann und die 31-jährige Evelyne Räss hatten gerade fünf Monate auf einem Luxussegelschiff gearbeitet. Noch wussten sie nach ihrer Rückkehr nicht, wohin es sie verschlagen würde. Nach einem Abstecher ins Hotel Moosegg sprang Kevin Weyermann im elterlichen Betrieb ein, als dort der Küchenchef ausfiel.

Was als Überbrückung gedacht war, entpuppte sich als definitive Lösung. Auch seine Partnerin wechselte von der Moosegg in den Hirschen und wirkt hier seit November 2018 als Chef de Service. Kennen gelernt hat sich das Paar übrigens im Mille Sens in Bern. Beide haben im Betrieb von Starkoch Urs Messerli gearbeitet. Und dieser hatte seine Kochkarriere einst als Lehrling von Urs Weyermann im Hirschen Langnau absolviert.

Regional und individuell

Am 2. Januar 2020 feiern Urs und Hedy Weyermann Austrinkete. Sie bleiben dem Betrieb aber als Angestellte weiterhin erhalten. «Im Grundsatz» werden die Jungen das Hotel weiterführen wie bisher. «Der Betrieb ist gesund», sagt der Sohn. Aber küchentechnisch habe er schon einiges angepasst.

«Und die Karte haben wir stark verändert.» Regionale Produkte seien im Hirschen schon immer selbstverständlich gewesen, jetzt werde das deutlicher betont. Zudem würden nicht mehr fertige Gerichte angeboten. «Die Kunden können Fleisch, Beilage und Sauce individuell zusammenstellen», erklärt Evelyne Räss und sagt: «Das kommt gut an.»

«Es ist wichtig, dass der Saal floriert und man ihn braucht.»

Kevin Weyermann, künftiger Chef im Hotel Hirschen

Ein grosses Augenmerk will das junge Paar auch auf den Saal werfen. «Es ist wichtig, dass er floriert und man ihn braucht», sagt Kevin Weyermann. Zu oft habe er beobachtet, wie schlecht genutzte Säle einen langsamen Tod gestorben seien. Das will der künftige Hirschen-Wirt vermeiden.

Zum Beispiel Michelle Hunziker

Urs und Kevin Weyermann tragen übrigens auf ihren Kochjacken das Emblem der schweizerischen Gilde etablierter Gastronomen. Der Vater hatte sechzehn Jahre im Vorstand ihrer Kochkunstequipe mitgewirkt und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. In dieser schweizweit aktiven Vereinigung haben sich Köche gefunden, die auf eine «sorgfältige, marktfrische und kreative Küche» ebenso Wert legen wie auf «eine aufmerksame Bedienung».

Urs und Hedy Weyermann führten den Langnauer Hirschen seit 1993. Damals übernahmen sie die Pacht von Walter Birkhäuser, bei dem er die Kochlehre absolviert hatte. Und hier hatte er auch seine spätere Frau kennen gelernt. 1999 kauften sie den Betrieb.

Viele berühmte Persönlichkeiten hätten sie zu Gast gehabt. «Sie waren alle da», sagt der Gastwirt. Auf Anhieb fallen ihm und seiner Frau Namen ein wie Michelle Hunziker, Polo Hofer oder etwa der verstorbene Leadsänger von Gotthard, Steve Lee. Auch fast alle Bundesräte seien einmal bei ihnen eingekehrt.

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