«Ich habe einen Seich gemacht»

Burgdorf

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilt einen Drogen-Grosshändler aus dem Emmental zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Und widerruft einen «Bedingten».

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilt den 50-jährigen Schweizer zu 24 Monaten Haft. Davon muss er aber nur die Hälfte absitzen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilt den 50-jährigen Schweizer zu 24 Monaten Haft. Davon muss er aber nur die Hälfte absitzen.

(Bild: Keystone)

Johannes Hofstetter

Der erste Warnschuss verhallte ungehört: Im Januar 2015 verknurrte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau einen Schweizer wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Nun sass der Emmentaler in Burgdorf erneut wegen Drogengeschichten vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 50-jährigen Familienvater vor, zwischen Oktober 2014 und März 2017 rund 45 Kilogramm Haschisch und 15 Kilogramm Marihuana erstanden zu haben. Die Käufe seien «unter unzähligen Malen» und «in der Regel wöchentlich» erfolgt, heisst es in der Anklageschrift. Der Beschuldigte habe die Drogen «in teils gezielt präparierten oder gebauten Verstecken» bei sich zu Hause aufbewahrt und weiterverkauft. Einen verschwindend kleinen Teil des Stoffs habe er selber konsumiert.

Grosser Umsatz

Aus den Deals resultierte ein Umsatz von über einer halben Million und ein Reingewinn von 60000 Franken. Darüber hinaus transportierte der Mann für einen Kollegen Hunderte von Hanfstecklingen ins Seeland, verkaufte und verschenkte Kokain an Freunde und er liess sich auch als Speedkurier einspannen.

Von den Drogen konnte er auch dann nicht lassen, als er bereits in Untersuchungshaft sass. In Briefen, die er aus dem Gefängnis an seinen Sohn schrieb, bestellte er chiffriert Haschisch, indem er die Schreiben mit Herzchen garnierte.

«Was ich getan habe, war ein Seich», stellte der Angeklagte gegenüber dem dreiköpfigen Regionalgericht unter dem Vorsitz von Roger Zuber fest. Und fügte an, er sei «froh, dass ich erwischt worden bin». Heute gehe es ihm viel besser als zu seiner Zeit als Drogenhändler und -konsument.

Positiv verändert

Das war auch dem Vertreter der Staatsanwaltschaft aufgefallen: «Der Beschuldigte ist nicht mehr, wo er war, als ich ihn kennen lernte», sagte er. Der Verteidigter wand dem Ankläger – was so selten vorkommt wie Schneefall im August – ein Kränzchen: «Der Staatsanwalt hat diese Untersuchung sehr sorgfältig und hart, aber auch sehr fair geführt. Es ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass mein Mandant sich dermassen zum Positiven verändern konnte.»

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Mann wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel- sowie das Strassenverkehrs- und das Waffengesetz (er hatte in Signau schwarz eine Gasdruckpistole erstanden) zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, einer Geldstrafe von 3200 Franken und einer Busse von 500 Franken. Ein Jahr erliess es ihm bedingt, das andere muss er absitzen. Die im Januar 2015 zur Bewährung verhängte Freiheitsstrafe von 14 Monaten widerrief das Gremium ebenso wie eine im Mai 2015 ausgesprochene bedingte Geldstrafe.

Seiner Zukunft blickt der Verurteilte allerdings trotzdem zuversichtlich entgegen: Wenn er aus der Haft entlassen wird, kann er an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Berner Zeitung

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