«Ich dachte mir: Das darf nicht sein»

Wasen

Zum zweiten Mal nach 1993 tritt Unternehmer Hans-Ulrich Müller im Emmental als Retter einer Firma auf. Er glaubt daran, zusammen mit den Mitarbeitern die Mopac wieder auf Kurs zu bringen.

«Die Mopac hat eine Existenzberechtigung.»?Unternehmer und Retter Hans-Ulrich Müller.

«Die Mopac hat eine Existenzberechtigung.»?Unternehmer und Retter Hans-Ulrich Müller.

(Bild: Patric Spahni)

Philippe Müller

Herr Müller, die Geschichte wiederholt sich.
Hans-Ulrich Müller: Wie meinen Sie das?

Vor 23 Jahren führten Sie im Emmental bereits eine Rettungsaktion durch. Sie haben 1993 die FL Metalltechnik in Grünen aus der Konkursmasse gekauft. Das ist richtig. Und wissen Sie was? Die Firma gehört heute immer noch zu 100 Prozent mir beziehungsweise meiner Familie und ist wunderbar profitabel.

Das Beispiel FL nährt die Hoffnung, dass Sie es auch mit der Mopac ernst meinen, eine ­langfristige Lösung anstreben – und vor allem den Turnaround schaffen. Mir ist es sehr ernst mit der Mopac. Ich weiss von der FL Metalltechnik, was die Arbeiter im Emmental leisten können. Wie sie sich einsetzen, das ist einmalig. Und dieser Spirit, diese Kraft, wenn Menschen gemeinsam am gleichen Strick ziehen, setzt Energie frei. Das macht oft scheinbar Unmögliches möglich.

Mit der FL Metalltechnik haben Sie es geschafft, eine Firma aus einer wenig dynamischen Randregion gesund zu machen und zu etablieren. Was braucht es bei der Mopac, damit das Gleiche noch einmal gelingen kann? Das Paradoxe ist: Die Firma ist voll ausgelastet, die Mitarbeiter chrampfen den ganzen Tag, und doch verlieren wir – auf Vollkostenbasis – am Abend Geld. Deshalb müssen wir die Mopac neu aufstellen. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat müssen gemeinsam die nötige Redimensionierung planen und entscheiden, welche Aktivitäten weitergeführt werden und welche leider nicht. Klar ist: Für eine reine Strukturerhaltung gebe ich keine Finanzspritze. Einfach so weitermachen wie bisher, das geht nicht. Das ­wäre nicht nachhaltig, die Mopac wäre in ein paar Monaten wohl wieder am gleichen Punkt. Ich bin überzeugt, dass die Mopac die Antwort auf die Bedürfnisse der Kunden finden wird.

Feuer frei: Am 8. April 2000 wurde die Rettung der Mopac und der Arbeitsplätze gefeiert. Bild: Ruedi Steiner

Grosse Hoffnungen setzen Sie nicht zuletzt in die Mopacan, eine Konservendose aus Kunststoff. Das ist ein sehr wichtiges Produkt. Überhaupt geht es darum, innovativ zu sein und die Effizienz zu steigern.

Damit der Neustart gelingt, sind Sie auf den Goodwill und die Treue der Kunden angewiesen. Sie müssen in Kauf nehmen, für die Mopac-Produkte etwas mehr zu bezahlen. Das ist korrekt. Allerdings ist es natürlich mein Ziel, über Effizienzsteigerungen in absehbarer Zeit die Produktions- und somit auch die Absatzkosten wieder zu senken. Wir werden jetzt mit den Kunden reden. Von diesen Gesprächen hängt ganz konkret ab, ob und in welchem Ausmass diese Auffanglösung zustande kommt.

Wie viel lassen Sie sich Ihr finanzielles Engagement bei der Mopac kosten? Dazu möchte ich mich nicht ­äussern.

Wenigstens eine Grössen­ordnung? Wissen Sie: Geld ist nicht der entscheidende Punkt. Der Grund, warum ich das mache, sind die Mitarbeiter und die Region. Ich habe mir gesagt: Es kann und darf nicht sein, dass hier einfach die Maschinen abgestellt werden und alles aus ist. Diese Firma hat ihre Existenzberechtigung. Ich war in Wasen vor Ort und habe gesehen, wie da im Dreischichtbetrieb geschuftet wird. Ich möchte einen Beitrag leisten, damit die Geschichte der Mopac weitergeht und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.

«Als ich in die Augen dieser Leute sah, tat es mir weh, dass ich nicht alle werde übernehmen können. Ich hätte mir gewünscht, dass es eine andere Lösung gegeben hätte.»Hans-Ulrich Müller

Dennoch rechnen Sie damit, mehr als hundert Stellen streichen zu müssen. Als ich in die Augen dieser Leute sah, tat es mir weh, dass ich nicht alle werde übernehmen können. Ich hätte mir gewünscht, dass es eine andere Lösung gegeben hätte. Unter den gegebenen Umständen müssen wir jedoch erst einmal im kleinen Massstab weiterfahren.

Wird es den Standort Eriswil künftig immer noch geben? Nein, die Produktion wird vollständig in der Fabrik in Wasen konzentriert. Für das Gebäude in Eriswil habe ich jedoch schon eine Idee.

Welche? Das ist noch nicht spruchreif. Es wird aber sicher keine Industrieruine werden.

Warum treten Sie immer wieder als Retter in der Industrie auf? Mein Herz schlägt für alle Sektoren und für das Erfolgsmodell Schweiz. Und dieses basiert darauf, dass in unserem Land nicht nur die Dienstleistung zählt, sondern eben auch der Industriesektor. Eines ohne das andere geht nicht.

Zur Person: Hans-Ulrich Müller (66) ist Banker bei der Credit Suisse und hat sich als Retter von Industrie­betrieben einen Namen gemacht.

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