Heute modern, morgen schon alt

Burgdorf

Am Museumstag wünschte sich das Schloss Burgdorf heutige Gegenstände, damit künftige Generationen sich ein Bild von unserer Gesellschaft machen können.

Marianne Kauer und ihre Kinder brachten Markus Baumann vom Museum eine Sprudelmaschinenflasche, ein Kinderbuch und einen Stofftier. Foto: Thomas Peter

Marianne Kauer und ihre Kinder brachten Markus Baumann vom Museum eine Sprudelmaschinenflasche, ein Kinderbuch und einen Stofftier. Foto: Thomas Peter

Keine antiquarischen Waren oder verstaubten Estrichgegenstände, sondern Objekte, die im heutigen Alltag eine Bedeutung haben, wünschte sich das Schlossmuseum von der Bevölkerung. Eine Auswahl der Leihgaben würde 2020 zur Neueröffnung im Schloss präsentiert – und spätestens in fünf Jahren zurückgegeben.

Handy mit Fotos drauf

Als Erstes wurden einige veraltete Handys und ein Netztelefon gebracht. Ein noch funktionierendes iPhone von 2007 gaben Vater Frank Rutschmann und Sohn Bernd, der denselben Jahrgang hat, ab. Es seien noch Fotos vom Jungen drauf gespeichert, sagte der Vater, trotzdem wollten sich die beiden davon trennen.

Am Nachbartisch fand sich Marianne Kauer mit zwei Kindern ein, alle drei hatten eine Museumsgabe dabei. Die Mutter brachte eine Sodastream-Plastikflasche mit. «Solche Flaschen sind heutzutage häufig in Gebrauch, da viel Wasser trinken angesagt ist», hatte sie sich überlegt. Tochter Lina übergab, ohne eine Träne zu verdrücken, ihren gelben Pluto aus Plüsch.

Er sei ja nur ein Werbegeschenk gewesen und habe nie zu ihren Lieblingsplüschis gehört, gab die Siebenjährige zu Protokoll. «Ausserdem hat sie noch 53 andere», ergänzte der Bruder. Nico ist zehn Jahre alt und liest gerne, sofern er nicht länger gamen darf. Er hatte ein «Ritter Rost»-Buch dabei, das er nach viermal Lesen entbehren kann. «Gedruckte Bücher werden vielleicht aussterben, darum sollte das Museum dieses ausstellen», erklärte er.

Bei der Übergabe an den Verein Museum Schloss Burgdorf wurden auf einem Formular Name und Adresse festgehalten sowie der Leitgedanke, der zur Abgabe des Gegenstandes geführt hatte. Und ob man diesen später zurückhaben wolle oder nicht. Zwischen den im Doppel angefertigten Papieren steckte ein Kohleblatt – Grund zum Staunen bei den Kindern. Die Schreibende selbst wurde gefragt, ob sie ihren Notizblock als Andenken mitgebracht habe.

Ein Stück Lebensgeschichte

Was Philippe Kohlbrenner seiner Tasche entnahm, entpuppte sich wahrhaft als ein Stück seiner Lebensgeschichte. Er hatte von 2001 bis 2007 in der ortsansässigen Medizinalzubehörfirma Ypsomed zusammen mit seinem Team den Insulinpen entwickelt. Nun legte er den Prototyp dieses heute noch gebrauchten Instrumentes auf den Tisch, zusammen mit den Plänen, handgefertigt, in Tusche auf Transparentpapier.

Eine Tafel mit den einzelnen Komponenten in Plexiglas eingeschweisst, hatte er als Abschiedsgeschenk erhalten – die legte er dazu. «Lang vorbei die Geschichte, ich will das Zeug nicht mehr», sagte Kohlbrenner.

Es kamen noch weitere erstaunliche Dinge zum Vorschein. Ein junges Paar brachte eine Hundeschwimmweste, da seine beiden Möpse mit moderneren ausgerüstet worden seien. Ein Pétanque-Spieler gab sein erstes Kugelset ab, weil er statt 700 heute 680 Gramm leichte Kugeln bevorzuge.

Eine alte Dame brachte ihr ordentlich in Einfasspapier eingeschlagenes Primarschulzeugnis mit. «Hoffentlich werden die Kinder nicht mehr lange mit solchen Schulnoten gequält», sagte sie dazu. Und eine Frau mit Tochter sagte, die mitgebrachte Zettelbox samt Bleistift werde es in hundert Jahren wohl auch nicht mehr brauchen.

Berner Zeitung

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