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Hausärzte mit Filialen

Das Ehepaar Doris und Rolf Zundel betreibt in Koppigen, Kirchberg und Bätterkinden je eine Hausarztpraxis. Die beiden Ärzte sind überzeugt davon, dass die Hausarztmedizin in Gemeinschaftspraxen auch in Zukunft attraktiv ist.

Die neue Praxis in Koppigen ist die dritte, die Doris und Rolf Zundel geplant und eröffnet haben. «Wir haben mittlerweile Erfahrung darin und wissen, wie eine Praxis aussehen soll», sagen die beiden Ärzte für innere Medizin.
Die neue Praxis in Koppigen ist die dritte, die Doris und Rolf Zundel geplant und eröffnet haben. «Wir haben mittlerweile Erfahrung darin und wissen, wie eine Praxis aussehen soll», sagen die beiden Ärzte für innere Medizin.
Olaf Nörrenberg

Vergangene Woche eröffneten Doris und Rolf Zundel in Koppigen ihre neue Praxis im Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus. Sie zügelten vom Dorf in den Neubau Mätteli an der Bern-Zürich-Strasse (siehe Box). Es ist ein weiterer Schritt in der beruflichen Entwicklung des Hausarztehepaars. Drei Praxen besitzen Zundels mittlerweile im unteren Emmental. In Bätterkinden arbeiten sie an der Bahnhofstrasse, in Kirchberg besitzen sie die Praxis am Rehlipark.

Stammarzt ist nicht immer da

Doris und Rolf Zundel können logischerweise nicht an allen drei Standorten gleichzeitig arbeiten. Die beiden sind in Bätterkinden, wo sie noch zwei Ärztinnen beschäftigen, sowie jeweils am Morgen in Koppigen tätig. In Kirchberg praktiziert ein siebenköpfiges Ärzteteam unter der Leitung von Franziska Reize. Rolf Zundel ist zudem organisatorischer Leiter aller Standorte. Die drei Praxen seien eng miteinander verbunden, erklärt er.

Auf technischer und adminis­trativer Ebene werde zusammengearbeitet. «Wir arbeiten mit der elektronischen Krankengeschichte, auf die an allen Stand­orten zugegriffen werden kann», sagt der 52-Jährige. Das hat in vielerlei Hinsicht Vorteile: «Wenn die Agenda an einem Standort überläuft, gibt es die Möglichkeit, eine unserer Praxen an einem anderen Ort aufzusuchen. Der Doktor dort hat ebenfalls Zugriff auf das Patientendossier.»

«Man ist nicht nur Hausarzt, wenn man eine Praxis führt, sondern auch Unternehmer.»

Rolf Zundel

Zwar werde für jeden Patienten der drei Praxen ein Stammarzt festgelegt. Doch laut Zundels arbeiten immer mehr Hausärzte Teilzeit, womit nicht jeder Patient immer seinen Stammarzt konsultieren könne. Und in Notfällen sei das auch nicht gewährleistet. Doris Zundel erinnert sich, wie es früher war: «Wenn der Hausarzt Ferien hatte, musste man in eine andere Praxis im Dorf ausweichen. Heute gibt es diese Alternativen kaum noch. Zudem hatte der andere Arzt kein Hintergrundwissen über den Patienten und keine Einsicht in die Krankengeschichte.» Dank der technischen Vernetzung ihrer Praxen seien jetzt Diagnoselisten, Medikamentenlisten und Verlaufseinträge jederzeit abrufbar.

Synergien nutzen

Die drei Praxen ermöglichen es zudem, weitere Synergien zu nutzen, sei es punkto Einkauf, Organisation oder Administration. Auch das Personal könne bei Bedarf an anderen Standorten eingesetzt werden, sagt die 53-Jährige. «Eine unserer medizinischen Praxis­assistentinnen muss sich nächstens einer Knieoperation unterziehen. Wir können eine Mitarbeiterin von einem anderen Standort als vorübergehenden Ersatz holen. Sie weiss genau, wie der Betrieb funktioniert, und kann ohne Einarbeitungszeit übernehmen.»

Die Zukunft ist weiblich

Begonnen haben Doris und Rolf Zundel gemeinsam vor achtzehn Jahren in Bätterkinden, wo sie eine bestehende Praxis übernahmen. Vier Jahre später zogen sie an den heutigen Standort gegenüber dem Coop mitten im Dorf. Vor sechs Jahren dann wollte Kaspar Bernhard in Kirchberg seine Praxis schliessen. «Doch wie so oft hat er keine Nachfolge gefunden», sagt Doris Zundel. Das Ehepaar wurde angefragt, ob es den Standort nicht übernehmen wolle. «Es war von Anfang geplant, dass wir das Know-how und die Finanzen zur Verfügung stellen und Ärzte suchen, die sich nicht selbstständig machen wollen», so Rolf Zundel. «Man ist ja nicht nur Hausarzt, wenn man eine Praxis führt, sondern auch Unternehmer. Viele wollen das nicht.» Das entspreche einem Trend in ihrem Beruf.

Rolf Zundel betont zudem, dass die Zukunft ihrer Branche weiblich sei. Weit über 50 Prozent der Medizinstudenten seien Frauen. Sie wollten oft Teilzeit arbeiten. Auch Zundels arbeiten nicht Vollzeit: Begonnen haben die beiden mit einem Jobsharing von je 50 Prozent. Mittlerweile arbeitet sie zu 70, er zu 80 Prozent.

Grosses Einzugsgebiet

In Koppigen haben die beiden Ärzte für innere Medizin schliesslich vor vier Jahren die Praxis von Thomas Moeri übernommen. Auch dort sei es so gewesen, dass keine Nachfolger hätten gefunden werden können, erklärt Rolf Zundel. «Wir waren der Meinung, dass es in Koppigen einen Hausarzt geben sollte. Wir haben in die Zukunft investiert in der Hoffnung, dass wir für die Praxis jüngere Ärzte finden.» Es ist mittlerweile die einzige im Dorf, und das Einzugsgebiet umfasst mehrere Gemeinden von Alchenstorf über Willadingen und Seeberg bis Ersigen. Zudem sind sie überzeugt, dass die Nähe zum Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus ein Standortvorteil ist.

Noch haben Zundels für ihre Praxis in Koppigen keine jungen Ärzte gefunden. Allerdings wollen sie sich bei der Suche Zeit lassen. «Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es Geduld braucht. Wir wollen jemanden, der eine Weile hierbleibt. Wir haben das Glück, dass wir in Bätterkinden und Kirchberg langjähriges Personal haben», sagt Doris Zundel, und ihr Mann ergänzt: «Beim Personal ist uns Nachhaltigkeit sehr wichtig. Auch den Patienten zuliebe. Deshalb können wir die Suche nach Ärzten nicht forcieren.»

Bessere Arbeitsbedingungen

Zundels sind auch in der Ausbildung junger Ärzte tätig. «Es ist wichtig, dass man ihnen zeigen kann, dass es ein toller Beruf ist, damit sie hängen bleiben.» Hätten Medizinstudenten einmal Spitalluft geschnuppert, sei es oft vorbei mit dem Thema Hausarzt, sagt Doris Zundel schmunzelnd. Dabei sei es aber so, dass Chef­ärzte in Spitälern hohe Präsenzzeiten hätten und Teilzeitarbeit kaum möglich sei. In Gemeinschaftspraxen hingegen sei das immer verbreiteter. Dank modernem Notfallsystem sei es zudem durchaus möglich, auf dem Land als Hausarzt zu arbeiten, jedoch andernorts zu wohnen. «Wir haben heute bessere Arbeitsbedingungen für Frauen und Ärzte mit Familien», sagt sie.

Hat das Ärztepaar bereits Pläne, um weitere Praxen zu übernehmen? Doris Zundel winkt ­sofort ab. Rolf Zundel hingegen sagt, er habe schon Ideen, was sie noch machen könnten. Es sei aber nichts spruchreif. Dann blickt er zu seiner Frau und sagt: «Ich bin jeweils die treibende Kraft bei solchen Projekten.» Beide lachen.

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