Grunders Zuversicht zur Umfahrung im Emmental

Nach Jahren der Stagnation und der Rückschläge wittert er Morgenluft: BDP-Nationalrat Hans Grunder aus Rüegsauschachen glaubt daran, dass es diesmal mit der Zufahrt Emmental klappt und sich eine «satte Mehrheit» für das Projekt ausspricht.

Nationalrat, BDP-Gründungspräsident und Ingenieur Hans Grunder ist einer der langjährigsten Vorkämpfer einer Umfahrungsstrasse im Emmental.

Nationalrat, BDP-Gründungspräsident und Ingenieur Hans Grunder ist einer der langjährigsten Vorkämpfer einer Umfahrungsstrasse im Emmental.

(Bild: Thomas Peter)

Philippe Müller

Herr Grunder, Hartnäckigkeit scheint eine besondere Eigenschaft von Ihnen zu sein.
Hans Grunder: Wenn ich ein Ziel habe, bin ich hartnäckig. Das ist so. Ich bin nicht einer, der schnell aufgibt.

Seit rund 20 Jahren kämpfen Sie bereits für eine Umfahrungsstrasse. Zuerst als Präsident des Regionalverbands und SVP-Grossrat, heute als BDP-Nationalrat. Geändert hat sich an der desolaten Verkehrslage im Emmental bis heute nichts. Woher nehmen Sie die Energie, diesen Kampf weiterzuführen?
Das Emmental muss aus meiner Sicht ganz klar auch ein Wirtschaftsstandort bleiben. Und wenn wir das wollen, dann kommen wir nicht darum herum, eine bessere Erschliessung sicherzustellen. Ich habe damals schon als Grossrat dafür gekämpft, als es um einen kantonalen Richtplan und eine Wirtschaftsstrategie ging, dass das Emmental als Wirtschaftsraum gekennzeichnet wird. Das ist gelungen. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt machen.

Warum glauben Sie, dass es nach diversen Rückschlägen diesmal mit der neuen Strasse klappt?
Ich möchte kurz zurückblicken: Als es in den 70er-Jahren um das baureife und vom Grossen Rat genehmigte Azue-Projekt ging (Autozubringer Unteres Emmental/Anm. der Red.), waren es die Bürgerlichen, die es mit ihrem Widerstand bodigten und nicht etwa die Linken und die Grünen. Mit der Gründung des Netzwerks Wirtschaft Emmental ist es danach gelungen, die wirtschaftlichen und unternehmerischen Kräfte zu bündeln. Wir konnten die Gewerbler, die Landwirtschaft und die Gemeinden ins Boot holen. Mittlerweile sind die Reihen geschlossen. Was mir natürlich auch Mut macht, ist die Tatsache, dass heute die links-grüne Berner Regierung an vorderster Front für die Umfahrung kämpft.

Die Geschichte wiederholt sich: Im Sommer 2007 schien man nahe dran zu sein an einer Umfahrung. Damals wie heute formierte sich Widerstand gegen die Zerstückelung des Naherholungsgebiets Meienmoos in Burgdorf. Spielt das Meienmoos auch diesmal das Zünglein an der Waage?
Für diese Opposition habe ich ein gewisses Verständnis. Genau um solche Zweifel und Ängste zu deponieren, gibt es ja die öffentliche Mitwirkung. Ich persönlich bin der Meinung, dass in diesem Bereich noch mehr untertunnelt werden könnte, als es momentan geplant ist. Dann wäre es tragbar.

Wenn das ganze Meienmoos untertunnelt wird, verteuert das das ohnehin schon kostspielige Projekt noch einmal.
Umweltschutz gibt es halt nicht umsonst. So, wie das Projekt nun vorliegt, ist es absolut umweltverträglich, gerade auch für das Meienmoos. Aber Umweltverträglichkeit kostet Geld.

Seit mehr als 40 Jahren wird die Zufahrt Emmental mit dem Argument gefordert, sie sei lebenswichtig fürs das Tal. 2015 gibt es das Emmental aber immer noch. Braucht es die neue Strasse überhaupt?
Das Emmental wird es auch in 100 Jahren noch geben. Die Frage ist einfach, welches Emmental. Ich bin der Meinung, wenn das Emmental eine Entwicklungschance haben will, braucht es dieses Projekt. Sehen Sie: Die Variante Null+ mit Dosierungsanlagen und extra vorgesehenen Stauräumen kann ja nicht die Lösung sein. Das zeigt, dass wir auch mit Null+ im Stau stehen würden.

Ich stelle zwei Behauptungen in den Raum. Erstens: Das Umfahrungsprojekt wird an den hohen Kosten von geschätzten 647 Millionen Franken scheitern.
Das glaube ich nicht.

Sind Sie nicht erschrocken, als sie gehört haben, dass das Umfahrungsprojekt neuerdings fast 650 statt wie bisher angenommen 370 Millionen Franken kosten soll?
Ich bin auch erschrocken, war sogar fast etwas geschockt. Als ich jedoch Kenntnis davon hatte, wie sich die Kosten zusammensetzen, war es für mich nachvollziehbar. Für Tunnelstrassenprojekte etwa sind die Sicherheitsauflagen in den letzten Jahren enorm gestiegen. Das kostet Geld.

Ist ein Tunnel in Oberburg, der alleine 240 Millionen verschlingen soll, nicht völlig überdimensioniert?
In diesem Punkt muss ich gestehen, dass die zuständigen Ingenieure den Baugrund unterschätzt haben, als 2007 die Zweckmässigkeitsbeurteilung durchgeführt wurde. Das wirft nicht das beste Licht auf unsere Gilde. Das ist mir als Ingenieur etwas unangenehm, obwohl ich nicht involviert war. Was ich aber auch sagen muss: Es ist ein Phänomen im Emmental, dass man sich hinter der typischen Bescheidenheit versteckt, sobald es etwas schwierig und teuer wird. Dabei gibt es Projekte in der Region, die im Verhältnis deutlich teurer waren.

Welche?
Ich denke etwa an den kurzen Tunnel in Schönbühl, der unter dem Dorfplatz durch führt und das Zentrum umfährt. Der hat extrem viel gekostet.

Schönbühl liegt aber an der dicht bevölkerten und stark befahrenen Mittellandachse. Das Emmental hingegen erschliesst ein Gebiet, in dem weniger als 100'000 Menschen leben.
Auf der anderen Seite haben wir ein Verkehrsaufkommen, das eben genau mit solchen Regionen vergleichbar ist. Und das ist für mich der Massstab. Entscheidend war für mich von Anfang an, dass man das Umfahrungsprojekt etappieren kann. Und das ist möglich. Dann ist es finanziell auch besser verkraftbar.

Wobei ja zu befürchten ist, dass die Umfahrung am Ende mehr kosten dürfte als 650 Millionen Franken. Selbst Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger will sich nicht auf diese Zahl behaften lassen.
Diese Kostenschätzung ist aus meiner Sicht realistisch. In Oberburg wurden Sondierungsbohrungen vorgenommen. Ich glaube nicht, dass uns noch einmal ein Preissprung bevorsteht.

Zweite Behauptung: Der Grossteil der Autofahrer, die heute zu den Stosszeiten zwischen Burgdorf und Hasle im Stau stehen, wären mit der Variante Null+ zufrieden. Dies, weil der Verkehr durch die Untertunnelung der drei Bahnübergänge und durch die beiden Kreisel in Oberburg und Hasle verflüssigt würde.
Absolut nicht. Das wäre eine totale Illusion. Ich behaupte, dass viele Autofahrer, die aus den Nebenstrassen auf die Hauptachse einbiegen wollen, keine Freude an einem guten Verkehrsfluss hätten. Für sie würde das nämlich längere Wartezeiten bedeuten, denn in den vorgesehenen Stauräumen würde man auch stehen.

Eine Kritik, die man immer wieder hört, ist die, dass sich auf der Hauptachse in Burgdorf, Oberburg und Hasle ausser der tieferen Anzahl Fahrzeuge nichts änderte, wenn die Umfahrung gebaut würde. Die drei Bahnübergänge blieben bestehen, es gäbe weder in Oberburg noch in Hasle einen Kreisel.
Es sind die gleichen Vorwürfe, die damals aufkamen, bevor die Umfahrung Ranflüh gebaut wurde. Dort sind heute aber alle zufrieden. Die Gemeinde Oberburg ist zum Tode verurteilt, wenn dort nichts geht. Wenn wir die Umfahrung durchbringen, ist dort wieder ein Potenzial vorhanden.

Wie realistisch ist es, dass diesmal über das Agglomerationsprogramm tatsächlich Bundesgelder fliessen?
Hasle ist ja nicht im Agglo-Perimeter. Dass wir aber für die Teilprojekte Lyssach, Burgdorf und Oberburg Bundesbeiträge erhalten, halte ich für sehr realistisch. Nicht zuletzt, weil uns Bundesrätin Doris Leuthard vor drei Jahren exakt zu diesem Schritt ermutigt hatte.

Wagen Sie eine Prognose: Welche Variante erhält in der öffentlichen Mitwirkung mehr Zuspruch: Umfahrung oder Null+?
Ich bin überzeugt, dass es für die Umfahrung eine satte Mehrheit geben wird.

Mitwirkung: Noch diese Woche läuft die öffentliche Mitwirkung zur Verkehrssanierung Burgdorf-Oberburg-Hasle. Kantonales Verwaltungszentrum Neumatt, Burgdorf, Dunantstrasse 7b, 3. Stock.

Mo und Fr, 9–12 und 13.30–17 Uhr; Mi, 17–20 Uhr.

Berner Zeitung

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