Rüegsau

Grosse Emotionen am Emmentaler Herbstanlass

RüegsauIn der ­Diskussion zwischen Bauern und Wirtschaftsvertretern um die Freihandelsabkommen fallen kaum neue Argumente. Dafür am Emmentaler Herbstanlass in Rüegsau umso mehr scharfe Worte.

Kreuzten die Klingen: Valentin Vogt, Präsident des Schweizer Arbeitgeberverbandes (links) und CVP-Nationalrat Markus Ritter, der als Präsident des Schweizer Bauernverbandes amtet.

Kreuzten die Klingen: Valentin Vogt, Präsident des Schweizer Arbeitgeberverbandes (links) und CVP-Nationalrat Markus Ritter, der als Präsident des Schweizer Bauernverbandes amtet. Bild: Michael Trost/Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Den Grenzschutz für landwirtschaftliche Waren abbauen: Das will der Bundesrat, der von einer vollständigen Marktöffnung gegenüber der EU bis hin zum ­beschränkten Freihandel mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten verschiedene Szenarien prüft.

Ein markanter Zollabbau hätte für die Landwirte einschneidende Auswirkungen, weil dadurch importierte Lebensmittel wie Fleisch deutlich günstiger zu haben wären. Für die Industrie ist die Öffnung ebenso existenziell, weil sie neue Märkte beackern können muss.

Das Spannungsfeld zwischen protektionistischer Handelspolitik und globalem Wirtschaftsliberalismus lotete der Emmentaler Herbstanlass aus, getragen von der Regionalkonferenz und der Emmentaler Sektion des Handels- und Industrievereins, moderiert von Ex-«Arena»-Moderator Reto Brennwald. Lediglich ein SMS von BDP-Nationalrat Hans Grunder sei nötig gewesen, um zwei nationale Exponenten zur Teilnahme am Anlass in den Räumen der Schmierstoffherstellerin Blaser Swisslube AG zu bewegen.

«Tiefe Wunden»

So kreuzten denn Unternehmer Valentin Vogt, Präsident des Schweizer Arbeitgeberverbandes, und CVP-Nationalrat Markus Ritter als Präsident des Schweizer Bauernverbandes die Klingen. Ritter verlangte von Vogt, sich von den Ergebnissen der jüngsten Studie der Denkfabrik Avenir Suisse zu distanzieren. Diese Studie, letzte Woche veröffentlicht, verordnet dem «überregulierten Bauernstand» ein 10-Punkte-Programm – einer davon ist die Grenzöffnung für Agrargüter.

Ritter redete sich darob in Rage, sprach von einem Kollateralschaden, der «tiefe Wunden» bei den Bauernfamilien hinterlassen habe. Das jedenfalls sei keine Basis für einen Diskurs mehr. Ypsomed-CEO Simon Michel («Ich bin gegen diese Bevormundung. Der Konsument kann doch selber entscheiden») brachte ihn um seine Beherrschung, als dieser von einer Beschleunigung des landwirtschaftlichen Strukturwandels sprach.

Ritter: «Wir werden uns dagegen wehren, wie ihr euch das nicht vorstellen könnt!» Kaum zu Wort kam im intensiven Wortgefecht Heinz Kämpfer, Präsident von Landwirtschaft Emmental. Er sieht einen Lösungsansatz darin, Ausnahmen für Milch- und Fleischprodukte einzuräumen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 20:26 Uhr

Artikel zum Thema

Berner Bauern wollen unabhängiger vom Staat werden

Berner Bauern schlagen Reformen vor, welche die Abhängigkeit vom Staat verringern sollen. Sie diskutieren diese am Freitag mit Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder, einem Verfechter von Marktöffnung und Freihandel. Er lobt die Reformideen. Mehr...

Nationalrat will Freihandel nicht mit Agrarpolitik vermischen

Der Bauernverband hat die Kraftprobe mit dem Bundesrat gewonnen. Der Nationalrat weist die umstrittene Gesamtschau zur Agrarpolitik zurück. Mehr...

Die dunkle Seite der Globalisierung

Ökonomen machen sich seit je für einen unein­geschränkten Freihandel stark. Das ist gut für das globale Wirtschaftswachstum. Dass aber nicht jeder Einzelne davon profitiert, war allen klar, nur wollten sie nicht darüber sprechen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...