«Wie genau vermisst man nun die Grüne?»

Lützelflüh

Die neu ausgeschiedenen Gewässerräume führten zu Diskussionen. Das angepasste Baureglement nicht. Der Mitwirkungsanlass zur Teilrevision der Ortsplanung brachte Licht ins Dunkel.

Die Gemeinde Lützelflüh (im Bild: Das Gemeindehaus) hat am Donnerstagabend zum «Informationsanlass Mitwirkung Teilrevision Ortsplanung» geladen.

Die Gemeinde Lützelflüh (im Bild: Das Gemeindehaus) hat am Donnerstagabend zum «Informationsanlass Mitwirkung Teilrevision Ortsplanung» geladen.

(Bild: Thomas Peter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Das Thema ist so trocken wie ein längst versiegtes Bachbett. Und trotzdem haben sich am Donnerstagabend an die 40 Menschen in die Mehrzweckhalle in Lützelflüh gesetzt und zugehört, was eine Handvoll Gemeinderäte und Ortsplaner so über den Stand der Dinge zu sagen hatten. Die Gemeinde hat zum Informationsanlass Mitwirkung Teilrevision Ortsplanung geladen. Inhaltlich war es noch komplizierter, als dieser Titel klingt.

62 Folien wurden präsentiert. Drei Schwerpunkte gab es: Ausgangslage, Baureglement und Gewässerräume. Seit das revidierte Raumplanungsgesetz 2013 in Kraft ist, gibt es für jede Gemeinde gewisse Termine, die eingehalten werden müssen. Lützelflühs Ortsplanung stammt aus dem Jahr 2010.

Grundsätzlich gilt eine Planbeständigkeit von zehn Jahren, weshalb die Gemeinde entschieden hat, vorerst nur eine Teilrevision in Angriff zu nehmen und eine Gesamtrevision nicht vor 2020 ins Auge zu fassen.

Gleiche Ellen

Nichtsdestotrotz gibt es zwei Deadlines. Zum einen muss die Gemeinde ihre Gewässerräume bis Ende 2018 ausscheiden. Zum andern gilt es das Baureglement bis Ende 2020 anzupassen. Das eidgenössische Ziel ist es, alle Bauvorschriften, die noch kantonal geregelt sind, zu vereinheit­lichen. Dass also hier wie da mit gleichen Ellen gemessen wird.

Die 40 Anwesenden lauschten den teils hochkomplexen Ausführungen von Bauverwalter Florian Mathys mehr oder weniger interessiert. Wer nicht ein eigenes Haus hat oder vorhat, in den nächsten Jahren eines zu bauen, wird sich schwergetan haben, da voll und ganz durchzublicken.

Mathys hielt sich aber kurz und zeigte lediglich mit ein paar Beispielen auf, was diese Anpassungen bedeuten. Etwa wie bisher die Höhe eines Gebäudes oder die Kniestockhöhe in einem Dachboden gemessen wurde und wie das in Zukunft zu machen sei.

Die anschliessende Diskussion zeigte, dass sich das Interesse an den neuen Definitionen eher in Grenzen hielt. Wohl auch, weil es da nicht mehr viel dran zu rütteln gibt. Zwar muss in Lützelflüh der Meter künftig gleich angesetzt werden wie etwa in Solothurn, was dann aber bezüglich der Ergebnisse erlaubt ist und was nicht, entscheidet immer noch die Gemeinde selber.

Grössere und kleinere Räume

Aufregender wurde der Abend erst, als es um den zweiten Punkt ging: den Gewässerraum. Es wurde schnell klar, dass mehrheitlich Leute in der Mehrzweckhalle sassen, die wohl eher nahe am Wasser gebaut sind, pardon, nahe an einem Wasser wohnen.

Das revidierte Gewässerschutzgesetz und die deshalb nötigen Ausscheidungen von Gewässerräumen verändern einiges in Lützelflüh. Zur Verständigung: Gewässerraum ist nichts anderes als der moderne Begriff für «Uferbereich», was wiederum nichts anders bedeutet als die Abstände entlang eines Gewässers, die einen gewissen Schutz geniessen.

Beat Zaugg, Vorsteher Tiefbaukommission, erläuterte, was rund ums Wasser künftig alles ­anders wird. Vereinfacht gesagt wird auch hier neu gemessen. Bis heute ist es so, dass entlang eines Flusses beidseitig auf 6 Metern Breite etwa nur extensive Landwirtschaft betrieben werden, also kein Dünger und kein Pflanzschutzmittel eingesetzt werden darf.

Neu verändern sich diese Masse, je nach Art und Grösse des Gewässers. Zum Leid oder zur Freude der wasseranstössigen Landwirte verkleinert oder vergrössert sich die Schutzzone. Ein Beispiel dafür ist der Mühlebach, der nicht überall die gleiche Grösse aufweist. Deshalb ist an gewissen Stellen der neue Gewässerraum 14 Meter, andernorts 11 Meter breit.

So versammelten sich die Anwesenden nach den Referaten um die neuen Karten. Ein Murmeln wie von einem kleinen Bächlein hallte durch die Mehrzweckhalle. Finger glitten über die Karten, Seufzer wurden ausgestossen. Der eine befürchtet, 120 Aren Land zu verlieren. Ein anderer möchte sein Haus erweitern und hat nicht mehr genug Platz. Wieder andere fanden Fehler und Unschärfen.

Deshalb auch dieser Anlass. Die Mitwirkung läuft seit dem 9. Oktober und noch bis zum 10. November. Bis dahin können noch Eingaben gemacht werden. Nur müssen die sehr gut begründet und vor allem dokumentiert sein, wie Gemeindepräsident Andreas Meister sagte.

Ein Landwirt fragte dann zu Recht: «Und wie genau vermisst man denn nun die Grüne?» Bisher sind keine Eingaben gemacht worden.

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