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Freundschaft kennt keine Sprachbarriere

Zu Besuch sind derzeit rund fünfzig Personen der slowenischen Partnergemeinde Velike Lašce. Viele kennen sich seit Jahren, so wie die Ehepaare Künzi und Stritar.

Verstehen sich ohne viele Worte: Christine und Andreas Künzi mit ihrer slowenischen Freundin Marija Stritar (rechts).
Verstehen sich ohne viele Worte: Christine und Andreas Künzi mit ihrer slowenischen Freundin Marija Stritar (rechts).
Olaf Nörrenberg

Christine Künzi erinnert sich noch genau an die erste Begegnung. Es war im April 1999. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Gemischten Chors Grünenmatt statteten sie und ihr Ehemann Andreas der 4300 Einwohner zählenden Partnergemeinde von Lützelflüh, Velike Lašce, einen mehrtägigen Besuch ab.

Und als das Ehepaar fest­stellte, dass ihre Gastfamilie, ­Marija und Jože Stritar, kein Deutsch und sie im Gegenzug kein Englisch sprachen, «war der Schock gross», erzählt Christine Künzi. «Ich habe mich gefragt, wie wir uns verständigen sollen.»Nun sind fast zwanzig Jahre vergangen. Künzis sprechen kein Englisch, Stritars mittlerweile ein paar Brocken Deutsch. Dennoch klappt die Kommunikation sehr gut.

«Wir verständigen uns mit Händen und Füssen», sagt Andreas Künzi, der zusammen mit seiner Ehefrau Christine und Marija Stritar auf einer Festbank bei der Kulturmühle in Lützelflüh sitzt. Jože Stritar fehlt beim Gespräch. Er, der in seinem Heimatdorf Rašica in einem Ausschuss für Soziales und Bildung mitwirkt, nimmt an einer Sitzung der Lützelflüher Gemeinderäte teil.

Ein Heimkommen

Angereist sind Stritars mit rund fünfzig anderen Personen aus Slowenien. Am Samstag steht ein Fest bei der Kulturmühle auf dem Programm. Die slowenischen Frauen backen süsse Spezialitäten aus ihrer Heimat, es wird musiziert und getanzt. «Wir wechseln uns praktisch zweijährlich mit den Besuchen ab», erklärt Marianne Flückiger. Sie präsidiert den Verein Kulturbrücke Velike Lašce–Lützelflüh. Dieser organisiert jeweils das Programm für den mehrtägigen Aufenthalt und ist für die Unterbringung der Gäste zuständig.

Für das Ehepaar aus Slowenien ist die Reise ins Emmental jeweils «ein Heimkommen», wie Marija Stritar es ausdrückt. Denn sie wohnen seit je im Reihen­einfamilienhaus von Künzis in Sumiswald. «Bevor ich das erste Mal in die Schweiz kam, hatte ich ein ganz anderes Bild von den Leuten.»

Sie habe gedacht, die Schweizer seien distanziert. «Doch sie sind extrem gastfreundlich und haben ein grosses Herz», sagt Marija Stritar und legt freundschaftlich die Hand auf die Schulter von Christine Künzi. Überhaupt habe sich so ­einiges als Klischee erwiesen,­erklärt die 57-Jährige in ihrer Landessprache. Ein Dolmetscher übersetzt das Gesagte ins Deutsche. «Nicht alle Schweizer sind reich, nicht alle besitzen ein Auto, und nicht alle haben eine Villa.»

Doch dass der Lebensunterhalt teurer und die Löhne höher seien als bei ihnen, das sei eine Tat­sache. Nach Abzug von Krankenkasse, Altersvorsorge und Steuern verdient ein Maurer in Slo­wenien rund 800 Euro, also etwa 910 Schweizer Franken pro Monat, eine Lehrerin 1100 Euro (1250 Franken) netto.

Langer Mutterschaftsurlaub

Nicht zuletzt wegen der tiefen ­Saläre seien viele Leute auf dem Land Selbstversorger, weiss Christine Künzi. «Hinter jedem Haus hat es ein grosses Pflanzstück.» So auch bei Stritars. Was nicht frisch auf den Tisch kommt, wird eingemacht, eingefroren oder gedörrt.

Ebenfalls ist es üblich, dass bei Ehepaaren beide arbeiten. «In Slowenien hat die Frau nach der Geburt des Kindes ein Jahr bezahlten Mutterschaftsurlaub.» Seit kurzem könnten die Eltern jedoch entscheiden, wer von beiden die Auszeit nehme, erklärt Marija Stritar, die als Chemieingenieurin arbeitet.

Nach zwölf Monaten, wenn beide wieder arbeiten, besucht das Kleinkind einen Ganztageskindergarten und später eine Tagesschule. Die Kindergärten werden von der Gemeinde und den Eltern bezahlt. Wobei der Anteil der Eltern einkommensabhängig ist.

Viel Wald und Braunbären

Landschaftsmässig sei Slowenien ähnlich wie das Emmental, nur dass es viel mehr Wald habe, erzählt Christine Künzi. «Und es gibt Braunbären», fügt ihr Ehemann hinzu. «Schulkinder, die ­etwas abgelegen wohnen, werden deswegen mit dem Schulbus in den Unterricht gefahren.» Einen Bär gesehen hätten sie noch nie, obwohl sie bereits einige Male bei Marija und Jože Stritar zu Gast waren. Denn die Freundschaft der beiden Ehepaare ist so tief, dass Christine und Andreas ­Künzi nicht nur mit dem Verein Kulturbrücke, sondern gelegentlich auch allein nach Slowenien fahren. Jacqueline Graber

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