Familienheim statt Pflanzenhotel

Hindelbank

Es geht vorwärts mit der Überbauung ­Bärmatte. Die Stimmbürger verabschiedeten die Überbauungsordnung an der Gemeindeversammlung. Zehn Wohnhäuser sollen bald dort stehen, wo bislang Gewächshäuser waren.

<b>Die Töpfe müssen weg.</b> Florarte zieht nach Belp und macht Platz für Wohnraum.

Die Töpfe müssen weg. Florarte zieht nach Belp und macht Platz für Wohnraum.

(Bild: Thomas Peter)

Regina Schneeberger

Es ist ein grosses Bauprojekt für Hindelbank. 10 Häuser mit rund 65 Mietwohnungen sollen auf der Bärmatte gleich gegenüber dem Bahnhof gebaut werden. In einer zweiten Phase könnte dann ein elftes hinzukommen.

Dort, wo heute noch die Gärtnerei und der Gartenbaubetrieb der Gebrüder Schmid stehen, soll in etwa zwei Jahren gewohnt werden. Und zwar auf einer Fläche von rund 9000 Quadratmetern.

Im Westen und Osten grenzt das Areal an den Bärmatt- und den Juraweg, südlich an die Kirchbergstrasse und nördlich an einen schmalen Fussweg. Mehrheitlich 41/2-bis 5-Zimmer-Wohnungen sind laut der Investorin, der Gebäudeversicherung Bern (GVB) vorgesehen. «Es soll Wohnraum für Familien entstehen», sagt Patrick Lerf, Leiter Finanzen bei der GVB. Geplant ist das Projekt schon seit einiger Zeit.

Bereits im Dezember wurde eine Voranfrage für das Bauvorhaben gestellt. Doch musste erst eine Überbauungsordnung (ÜO) ausgearbeitet werden. Am Dienstag wurde die ÜO nun von der Gemeindeversammlung mit deutlicher Zustimmung verabschiedet. 60 Personen bejahten die Überbauungsordnung, 8 lehnten sie ab, 8 enthielten sich des Stimmrechts. 76 der insgesamt 1754 Stimmberechtigten in Hindelbank waren anwesend.

Passt das ins Quartier?

Und dass eine Überbauungsordnung nötig wurde, hatte insbesondere einen Grund, wie Gemeindepräsident Daniel Wenger (parteilos) erläuterte. Als drittes Stockwerk der Neubauten sind nämlich Attikageschosse geplant. Also ein zurückversetztes Geschoss mit Flachdach.

Auf dem Grundstück, das der Wohn- und Gewerbezone WG2 zugeordnet ist, sind gemäss Baureglement hingegen Sattel- oder Walmdächer vorgesehen. Die Bedachung gab denn auch an der Gemeindeversammlung zu reden.

«Ich finde die Flachdächer passen nicht ins Quartier», meinte ein Anwesender. Mit den Flachdächern würden die Gebäude deutlich ­weniger hoch, zudem wirke es luftiger, entgegnete der Gemeindepräsident. «Aber natürlich ist das eine Geschmacksfrage», so ­Wenger.

Auch wie der Zubringerverkehr geregelt ist, wurde in der ÜO bereits festgelegt. Über den Juraund den Bärmattweg wird die Siedlung für den Verkehr zugänglich. Die Hauptzufahrt, die direkt zur Einstellhalle führt, erfolgt über den Bärmwattweg. 89 Parkfelder sind geplant. Den zusätzlichen Verkehr könne der Bärmattweg tragen, sagte Wenger.

«Ich finde die Flachdächer passen nicht ins Quartier.»Votant an der Gemeindeversammlung

Um die Quartierstrasse für die Fussgänger sicher zu machen, ist ein Trottoir bis ans nördliche Ende der Siedlung geplant. «Wird der Bärmattweg durch das Trottoir nicht zu stark verengt?», wollte eine Frau wissen.

Der Weg sei ohnehin einen Meter breiter als dies eine Quartierstrasse sein sollte. Mit dem Trottoir werde er auf 4,5 Meter verschmälert, was auch der Verkehrsberuhigung in der dortigen Tempo-30-Zone diene, so der Gemeindepräsident.

Sicher überqueren

«Macht denn ein Trottoir überhaupt Sinn, über die Kirchbergstrasse führt dort ja heute kein Fussgängerstreifen mehr», merkte ein Mann an. Der Fussgängerstreifen sei zwar entfernt worden, doch solle an der Stelle wieder einer hinkommen, sagte Wenger. «Zwar ist das erst 2020 mit der Ortsdurchfahrtssanierung geplant, aber wir werden beim Kanton anregen, dass es vorgezogen wird.»

Die Siedlung dürfte nämlich bereits vor 2020 gebaut werden. Zumindest, wenn nicht unzählige Einsprachen gegen das Baugesuch das Verfahren verzögern. Dieses will die GVB Ende Jahr einreichen. «Wenn alles rundläuft, könnten wir in der zweiten Hälfte 2019 bauen», so Lerf. Erst stehen aber Rückbauarbeiten an. Und zwar jene der Gewächs­häuser und des Werkhofgebäudes, diese gehören den Gebrüdern Schmid.

Während Philipp Schmid die Schmid & Partner Gartenbau AG bereits heute bei der Sagi in Hindelbank führt, steht Lorenz Schmid mit seinem Pflanzenhotel Florarte der Umzug noch bevor.

Die Räumlichkeiten werden bis Ende Juni geräumt. Lorenz Schmid erweitert den Betrieb in Belp, wo er bereits heute eine Zweigstelle führt. «Auf der Bärmatte hatten wir nicht genug Platz für unsere Ausbaupläne», sagt er auf Anfrage.

Stehen bleiben wird hingegen vorerst das Wohnhaus am Bärmattweg 6, wo die Mutter der Gebrüder lebt. Wird es nicht mehr durch die Familie genutzt, könnte dort dereinst das elfte Haus der neuen Siedlung zu stehen kommen. In der Überbauungsordnung jedenfalls ist es schon mit eingeplant.

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