«Es war schwieriger, als wir anfangs gedacht haben»

Burgdorf

Am Donnerstag wird die Stadt Burgdorf in Sachen Fair Trade ausgezeichnet. Noch gibt es aber Handlungsbedarf. Auch bei der öffentlichen Verwaltung.

Der Claro-Fair-Trade-Weltladen ist bei der Initiative auch mit an Bord. Foto:Daniel Fuchs

Der Claro-Fair-Trade-Weltladen ist bei der Initiative auch mit an Bord. Foto:Daniel Fuchs

Kaffee, Baumwolle oder Bananen: Produkte vom anderen Ende der Welt gehören zu unserem täglichen Bedarf. Auch wenn die Kriterien «Regional» und «Saisonal» immer mehr ins Bewusstsein der Konsumenten vordringen.

Ganz auf exotische Früchte und dergleichen verzichten wollen die meisten dann doch nicht. So setzen verantwortungsvolle Bürger beim Einkaufsbummel auf Fair Trade. Produkte also, für die der Bauer in Tansania oder die Bäuerin in Kolumbien einen angemessenen Preis erhält. Solche, die unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wurden.

Den bewussten Konsum erleichtern sollen Labels wie Max Havelaar. Seit einigen Jahren werden nebst Gütern aber auch ganze Städte zertifiziert: mit der Auszeichnung «Fair Trade Town», einer Kampagne von Swiss Fair Trade, dem Dachverband der Fair-Trade-Organisationen in der Schweiz. Die Auszeichnung gibt es bereits in 32 Ländern. In der Schweiz sind bislang sieben Ortschaften ausgezeichnet worden. Und am Donnerstag kommt die achte dazu: Burgdorf.

Mindestens fünf Produkte

Bis dahin hat es lange gedauert – vier Jahre war eine Arbeitsgruppe mit den Vorbereitungen beschäftigt. «Es war schwieriger, als wir anfangs gedacht haben», sagt Christian Robin, Mitglied der Burgdorfer Arbeitsgruppe. Denn es galt Läden, Restaurants, Unternehmen und öffentliche Institutionen an Bord zu holen.

Fünf Fair-Trade-Produkte müssen die Läden mindestens im Sortiment haben, drei die Restaurants und Organisationen. Das klingt nicht nach sonderlich viel. Trotzdem brauchte es einiges an Überzeugungsarbeit, wie Christian Robin sagt. Nicht einmal wegen des höheren Preises der Produkte.

«Die sind oftmals ohnehin nicht viel teurer.» Sondern mehr, weil man sich, typisch schweizerisch, erst verpflichten wolle, wenn man zu hundert Prozent sicher sei, alle Bedingungen restlos zu erfüllen.

Auch Argumente wie: «Der Kaffee, den wir haben, kommt bei unseren Kunden gut an, deshalb wollen wir nicht wechseln», bekam Robin einige Male zu hören. Nun sind aber doch 19 Organisationen dabei. Unter anderen die Pestalozzi-Gotthelf-Schule, die Schwob AG oder das Restaurant Zur Gedult. «Mit der Auszeichnung können sie sich positionieren», sagt Robin.

Konsumenten sensibilisieren

In der Vermarktung sieht Hans Rudolf Kummer auch einen Vorteil für Burgdorf. Der Leiter der Bildungsdirektion ist als Vertreter der Stadt in der Arbeitsgruppe. «Es steht einer Stadt gut an, wenn sie sich für Fair Trade einsetzt.»

Und die Auszeichnung passe zu Burgdorf, das sich bereits als Energie- und Velostadt für Nachhaltigkeit einsetze. Wichtig sei aber, dass es nicht einfach eine politische Initiative sei. Zwar bezahlt die Gemeinde jährlich 1600 Franken, die Arbeitsgruppe gründeten aber nicht städtische Angestellte, sondern Einwohnerinnen und Einwohner. Zudem will man die Konsumenten in der Emmestadt sensibilisieren, mit Marktständen und Veranstaltungen.

Doch auch bei der städtischen Verwaltung gibt es noch Handlungsbedarf. Diese hat sich ebenso verpflichtet, drei fair gehandelte Produkte zu beziehen. Bislang hat sich das aber nur im Kaffeeraum der Bildungsdirektion niedergeschlagen: Gelabelter Kaffee, Tee und Zucker werden dort angeboten. Das sei halt etwas teurer, so Kummer. «Weil die Mitarbeiter den Kaffee in den meisten Direktionen selbst berappen, ist es schwierig durchzusetzen.»

Am Donnerstag wird Burgdorf Fair Trade Town. Die Auszeichnung findet im Kino Krone statt. Beginn: 19 Uhr.

Berner Zeitung

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