Es hat zu wenig Schulabgänger

Unternehmen haben Mühe, ihre Ausbildungsplätze in handwerklich-technischen Berufen zu besetzen. Am Lehrstellenmarkt sollen sich Jugendliche und Firmen näherkommen.

Interesse schaffen: Am Lehrstellenmarkt präsentieren jene Firmen ihre Angebote, die noch freie ­Ausbildungsplätze zu ­vergeben haben.

Interesse schaffen: Am Lehrstellenmarkt präsentieren jene Firmen ihre Angebote, die noch freie ­Ausbildungsplätze zu ­vergeben haben. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Das duale Ausbildungssystem der Schweiz geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf und wird gerne auch im Ausland angepriesen. Während anderswo jedoch kaum genügend Ausbildungsplätze für wissenshungrigen Nachwuchs besteht, haben wir in der Schweiz mittlerweile einen Überschuss an verfügbaren Angeboten.

Während vor einer Dekade noch ein Lehrstellenmangel herrschte, ist es heute für viele Betriebe ein Problem, genügend Jugendliche anwerben zu können: Laut Bund wurden letztes Jahr schweizweit 97 000 Lehrstellen angeboten, von denen letztlich 7000 nicht besetzt werden konnten.Aus dem Lehrstellennachweis (Lena) der Kantone geht hervor, dass Anfang März schweizweit rund 27 000 Lehrstellen bei mehr als 21 700 Lehrbetrieben noch offen waren.

Für den Kanton Bern waren es mehr als 2500 offene Lehrstellen bei circa 1800 Lehrbetrieben. Da es keine Pflicht für die Betriebe gibt, offene Lehrstellen zu melden, sind die tatsäch­lichen Zahlen wohl höher. Ein Blick in die Statistiken offenbart den Trend: Anfang März 2010 gab es im Kanton rund 900 offene Stellen – das sind fast dreimal weniger als heute.

Geburtenschwache Jahrgänge

Für den Oberaargau sind keine genauen Zahlen verfügbar, die Probleme der Lehrstellenbetriebe gleichen sich aber durchaus ­jenen in anderen Regionen der Schweiz, wie Brigitte Eggimann Wullschleger vom Beratungs- und Informationszentrum (BIZ) erklärt. Einerseits wegen der geburtenschwachen Jahrgänge: So verharrt seit Jahren die Anzahl Schulabgänger auf einem tiefen Niveau, während das Angebot an Lehrstellen von den Betrieben ausgebaut wurde. Andererseits wegen der steigenden Anforderungen an die Jugendlichen. Ein gutes Zeugnis allein reicht nicht mehr, viele Lehrbetriebe verlangen heute zusätzliche Qualifikationen.

Zusätzlich hat es mit den Präferenzen zu tun. An der Spitze der beliebtesten Ausbildungen gehört seit Jahren das KV, gefolgt von Berufen in den Bereichen Soziales und Gesundheit. Auch Informatik gehört zu den Top fünf in der Rangliste der begehrtesten Lehrstellen. Berufe aus den Bereichen Bau und Technik jedoch sind weniger gefragt, obwohl gerade diese im Oberaargau stärker vertreten sind. Die Klagen vieler lokaler Industriebtriebe, die ihre Lehrstellen nicht besetzen können, sind vor diesem Hintergrund zu verstehen.

Zufriedenstellende Resultate

Das BIZ führt deshalb am Mittwoch, 14. März, im Gymnasium einen Lehrstellenmarkt durch. Zum sechsten Mal bereits werden Ausbildungsbetriebe, die ihre Lehrstellen noch nicht besetzen konnten, ihren Betrieb und ihre freien Lehrstellen präsentieren. Die Mehrheit an freien Stellen bei technischen Berufen und dem Baugewerbe fällt ins Auge, es befinden sich aber auch solche aus dem Dienstleistungssektor oder Gastgewerbe darunter.

Laut Brigitte Eggimann Wullschleger ist es normal, dass Lehrstellen im handwerklich-technischen Bereich im Frühling noch nicht voll besetzt sind, erfahrungsgemäss dauere das etwas länger. Auch für sie ist jedoch nicht immer klar, warum manche Stellen schneller als andere besetzt werden können. Manchmal seien die Angebote einfach zu wenig bekannt. Die Initiative des BIZ zusammen mit Betrieben aus der Region habe insofern zufriedenstellende Resultate hervorgebracht. Eggimann Wullschleger fügt an: «Wenn aus dem Lehrstellenmarkt ein paar Lehrverhältnisse resultieren, haben wir das Ziel erreicht.»

Lehrstellenmarkt: Mittwoch, 14. März, 14 bis 16.15 Uhr, in der Aula des Gymnasiums Oberaargau. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.03.2018, 23:01 Uhr

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