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Es bleibt bei vier Jahren für 44 Diebstähle

Ein 63-Jähriger knackte mit Vorliebe Avia-Tankstellenautomaten. Jetzt hat das Obergericht das Strafmass für diese ­Diebestouren festgelegt: Er bleibt im Gefängnis und muss dort eine Haftstrafe von vier Jahren absitzen.

Für seine Diebstähle hatte sich der Verurteilte vorwiegend Avia-Tankstellenautomaten ausgesucht (Symbolbild).
Für seine Diebstähle hatte sich der Verurteilte vorwiegend Avia-Tankstellenautomaten ausgesucht (Symbolbild).
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Am Dienstag befasste sich das Ober­gericht in Bern mit einem ­63-Jährigen, der die Schweiz als Wahlheimat auserkoren hat. Seit vierzig Jahren versucht er immer wieder, hier sesshaft zu werden. Doch sein Beruf hindert ihn daran: Er ist Dieb. Bereits 9-mal wurde er wegen seiner Straftaten des Landes verwiesen und mit einer Einreisesperre belegt. Dazu kommt, dass er sich innerhalb von zehn Jahren während beinahe fünf Jahren in Haft befand.

Die Grenze zur Schweiz hatte er nach der letzten Ausweisung am 26. Mai 2014 trotzdem wieder überschritten – illegal, wie bereits früher. Im Anschluss häuften sich im Emmental und in der Region Bern Diebstähle bei Tankstellenautomaten.

Die Schlosszylinder wurden jeweils mit einem Ziehfix herausgewürgt und das Geld gestohlen. Manchmal blieb es auch beim Versuch. 2015 setzte die Polizei dem Treiben ein Ende, und der Beschuldigte musste sich vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten.

Etliche Vorstrafen

Die Liste der dem Mann zur Last gelegten Diebstähle ist lang. 44-mal hat er laut dem Regionalgericht zwischen 30. Juni 2014 und 16. März 2015 bei Tankstellen sein Einbruchswerkzeug eingesetzt. Dabei erbeutete er 30'000 Franken und es entstand ein Sachschaden von 40'000 Franken.

Da der Dieb zudem ohne Führerschein und ohne Fahrzeugausweis unterwegs war, wegen Besitz von Cannabis gegen das Betäubungsmittelgesetz verstiess und ein sogenanntes Butterflymesser besass, verurteilte in das Regionalgericht zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren. Dies auch wegen seines langen Vorstrafenregisters.

Obwohl der Mann nicht wirklich geständig ist, legte sein amt­licher Verteidiger nur gegen das Strafmass Berufung ein. Was folgte, war die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft. Auch sie sah noch Spielraum bei der Strafzumessung, allerdings in der entgegengesetzten Richtung. Der Fürsprecher Andrea Janggen plädierte für maximal 36 Monate, der stellvertretende Oberstaatsanwalt Christof Scheurer hielt ein Strafmass von fünf Jahren als angemessen.

Krankheit diagnostiziert

Bei einer reinen Beurteilung der Sache blieb es beim Obergericht nicht. Fritz Aebi wollte als leitender Oberrichter wissen, wieso es den vor ihm sitzenden Mann mit schneeweissem Haar immer wieder in die Schweiz trieb und wo er eigentlich herkomme.

Er sei in Rumänien geboren, antwortete der 63-Jährige, aber in jungen Jahren zum Militär nach Israel gegangen. «Nur weil ich Geld brauchte», fügte er noch an. Er habe seither einen israelischen «Militärpass», doch genau genommen sei er staatenlos und lebe seit vierzig Jahren mehr oder weniger in der Schweiz. Hier habe er meistens auf eigene Rechnung für Garagisten arbeiten müssen.

Auf seine Zukunftsvisionen angesprochen, sank der Mann noch tiefer in den Stuhl. «Ich sehe meine Zukunft auf dem Friedhof», sagte er mit emotionaler Stimme. Grund ist eine diagnostizierte Krankheit. Laut dem Arzt droht die Gefahr einer Leberzirrhose.

Sein Klient müsse als «strafempfindlich» eingestuft werden, wegen der Krankheit und des hohen Alters, forderte der Verteidiger. Der Mann selber hofft, nach der Entlassung in Frankreich billiger zu den teuren Medikamenten zu kommen.

Diesen Wunsch kann sich der Mann vorderhand nicht erfüllen. Das Obergericht bestätigte die erstinstanzlich ausgesprochene Haftstrafe von vier Jahren. Zwar liess das Richtergremium andere Überlegungen einfliessen, kam aber zur gleichen Gesamtstrafe. Die bereits im Gefängnis verbrachten 709 Tage werden ihm abgezogen.

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