Burgdorf

Er gibt die Hoffnung nicht auf

Burgdorf Noch stehen die Bronzen des Plastikers Freddy «Air» Röthlisberger in Lützelflüh. Bald müssen die Gotthelf-Figuren aber weg. Ein neuer Standort könnte der Schlosshoger sein.

Freddy «Air» Röthlisberger könnte sich vorstellen, die Figuren beim Schloss zu platzieren

Freddy «Air» Röthlisberger könnte sich vorstellen, die Figuren beim Schloss zu platzieren Bild: Thomas Peter

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Inzwischen sieht Freddy «Air» Röthlisberger wieder etwas Licht am Horizont, wenn er an die wechselvolle Geschichte rund um die Standortfrage seiner Bronzefiguren nach Themen von Jeremias Gotthelf denkt. Noch bis kommenden Oktober stehen die Skulpturen auf einer Wiese in Lützelflüh, in nächster Nähe des Gotthelf-Zentrums. Sie heissen Erdbeermareili, Barthli der Korber, der Armenvogt, Annebäbi und Hansli, um nur einige der insgesamt 23 Figuren aus der 14-köpfigen Gruppe zu nennen.

Literatur und bildende Kunst

Den Bezug zur heutigen Gesellschaft erklärt der 81-jährige Künstler auf Tafeln neben den Skulpturen. «Es sind eben keine Dekorationsgegenstände», sagt Röthlisberger. Vielmehr habe ihm das literarische Werk von Gotthelf die Gelegenheit gegeben, sich seiner Leidenschaft für historische Zusammenhänge zu widmen. Insofern habe er die Figuren so zeitgetreu wie möglich erschaffen, daneben aber auch versucht, seiner eigenen Interpretation der gotthelfschen Idee zu entsprechen.

Gemeinde bedauert Wegzug

Zahllose Briefe und ein stets gefülltes Kässeli auf dem Ausstellungsgelände verdeutlichen, dass die Besucherschar von den Skulpturen begeistert ist. Trotzdem muss die Gruppe weg (wir berichteten). Durch eine Erbschaft ist das Landstück, auf dem sie steht, in andere Hände übergegangen. Und der neue Pächter möchte das Terrain nur noch als Brachland nutzen.

Freddy «Air» Röthlisberger und eine der 23 Bronzen in der Nähe des Gotthelf-Zentrums. Foto: Olaf Nörrenberg.

Wie Lützelflühs Gemeindeverwalter Ruedi Berger auf Anfrage sagt, bedaure die Gemeinde den Wegzug der Figurengruppe sehr. Die Pacht selber zu übernehmen, sei eine Option gewesen. Leider ohne Erfolg. Zudem sollte die Bronzegruppe auch weiterhin möglichst nahe des geschichtsträchtigen Gotthelfmuseums, des langjährigen Wirkungsorts von Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, stehen.

Nie den Draht gefunden

Fehlender Platz führt auch Heinrich Schütz vom Leitungsteam des Gotthelfzentrums ins Feld. Daneben macht er auch keinen Hehl daraus, dass das Museum konzeptionell völlig andere Wege verfolge als Röthlisberger. «Wir wollen einen modernen, auf neuesten Erkenntnissen basierenden Gotthelf zeigen.»

Über solche Aussagen ist der in Zürich lebende Künstler kaum erstaunt. Obschon das Gotthelf-Zentrum und die Skulpturen­ausstellung fast zeitgleich vor sechs Jahren ihre Pforten öffneten, habe man leider nie einen wirklichen Draht zueinandergefunden, sagt Röthlisberger bedauernd. Zu verkopft, nicht zuletzt durch den Aufbau von Kuratoren der Universität Bern, sagt die eine Seite. Die andere Seite sieht die Gotthelf-Bronzen etwas zu einseitig einem populistischen Klischeebild verpflichtet.

Einen temporären Platz

Inzwischen kam, dank des Burgdorfer Unternehmers und Politikers Francesco Rappa, der Röth­lisberger kontaktierte, Bewegung in die Angelegenheit. Dies, nachdem der Bronzekünstler bereits die Kambly-Führung und den Schlosseigentümer von Schlosswil in der Sache angefragt hatte – ohne Erfolg. Rappa schlug vor, die Skulpturengruppe auf einem Wiesenstück unterhalb des Burgdorfer Schlosses zu platzieren. Momentan sind dort noch Schrebergärten. Aber nicht mehr lange, wie Röthlisberger in Erfahrung gebracht hat. Die Museumsprojektleitung habe dann aber abgewinkt, da das Terrain für den anstehenden Schlossumbau als Baulagerplatz genutzt werde, erklärt der Bronzekünstler und ­Autor.

Dennoch, Röthlisberger gibt die Hoffnung nicht auf. Nach der Fertigstellung des Umbaus zur Jugendherberge und dem erneuerten Museumsbetrieb gäbe es vielleicht doch noch eine Möglichkeit für die Platzierung seiner Figuren. Vorab sei es ihm ein grosses Anliegen, dass die Fi­guren beieinanderblieben. Der Kaufpreis sei verhandelbar, aber auch eine Schenkung sei nicht ganz ausgeschlossen, ergänzt er. Und für die Zeit des Schlossumbaus bekäme die Bronzegruppe sogar einen Platz in einer temporären Ausstellung in Bad Ragaz.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 06:42 Uhr

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