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Endlich ist die Lücke geschlossen

Am Dienstag sind 16 Kinder im Schulhaus Niederbach eingezogen. Sie sind sprachlich beeinträchtigt und erhalten nun dank intensiver Therapie die Chance, später in die Regelschule zu wechseln.

Es waren glückliche Umstände, die am Dienstag im Schulhaus Niederbach gefeiert wurden. Einerseits für die Gemeinde Rüderswil. Denn nun wird das Haus, aus dem die Realschule wegen Schülermangel vor vier und die Unter­stufe vor zwei Jahren ausgezogen sind, wieder genutzt. Andererseits für jene Kinder aus dem Emmental, die Mühe haben, sich sprachlich auszudrücken.

Wie etwa die Tochter von Daniela Schober aus Hasle: «Im Kopf weiss sie die Antwort, aber sie kann sie nicht auf Abruf äussern», erklärt ihre Mutter. Gäbe es das neue Angebot im Schulhaus Niederbach nicht, müsste das Mädchen in Münchenbuchsee zur Schule. Jedenfalls dann, wenn es die Chance erhalten soll, dereinst in die Regelschule zu wechseln.

Normal begabt, aber . . .

Das Mädchen gehört zu jenen Kindern, die normal, wenn nicht sogar hoch begabt, aber sprachlich beeinträchtigt sind. «In Mathematik haben sie kein Problem – solange sie keine Satzrechnungen lösen müssen», veranschaulicht Christian Trepp ihr Handicap. Er ist Gesamtleiter des Pädagogischen Zentrums für Hören und Sprache in Münchenbuchsee.

«In 90 Prozent der Fälle gelingt die Integration in die Regelklasse nach dem Besuch der Sprachheilbasisstufe.»

Christian Trepp, Gesamtleiter Pädagogisches Zentrum für Hören und Sprache

Und er weiss, dass diesen Kindern mit einer früh einsetzenden logopädischen Förderung geholfen werden kann. Wenn die intensive Therapie im Alter zwischen dem Kindergarten und der zweiten Klasse einsetze, lasse sich die Sprache noch so stark entwickeln, dass die Betroffenen spätestens ab der dritten Klasse in die Regelschule ­integriert werden könnten.

«In 90 Prozent der Fälle gelingt das nach dem Besuch der Sprachheilbasisstufe.» Das sagte Christian Trepp, als er am Dienstag ein solches Angebot im Schulhaus Niederbach eröffnete.

Vor zehn Jahren hat die Sprachheilschule das erste dezentrale Projekt im Oberland gestartet. Inzwischen führt sie dort drei spezielle Basisstufen. Die ­inzwischen pensionierte Leiterin der Erziehungsberatung Burgdorf-Langnau, Doris Hohn, habe immer wieder gefragt, ob nicht auch im Emmental eine solche Sprachheilbasisstufe eröffnet werden könnte, sagte Trepp. Denn vielen Eltern sei der Schritt, ihre Kinder nach Münchenbuchsee zu schicken, zu gross.

Eine Bedarfsabklärung habe vor zwei Jahren eine deutliche Unterversorgung an den Tag gebracht, so Trepp. Er rechnet es dem zuständigen Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) hoch an, dass er trotz Sparübungen des Kantons Ja sagte zum Start eines solchen Projekts im Emmental. Aus drei möglichen Standorten wurde dann das Schulhaus Niederbach erkoren.

Vier Jahrgänge zusammen

So kam es, dass dort am Dienstag 16 Kinder einzogen. Für die meisten war es der Eintritt in den Kindergarten, also der Beginn ihrer schulischen Karriere überhaupt. Andere haben bereits erste Erfahrungen in Regelklassen mit zusätzlichem Logopädieunterricht gemacht.

Im Schulhaus Niederbach werden die Sprachbeeinträchtigten nun in zwei Klassen unterrichtet, allerdings nicht nach Jahrgängen getrennt, sondern vom Kind des ersten Kindergartens bis zum Zweitklässler gemeinsam.

Geplant sei, nächsten Sommer weitere – wenn möglich Kindergartenkinder – aufzunehmen, sagte Trepp. Insgesamt 24 Plätze habe der Kanton bewilligt. Unterrichtet werden die Kinder pro Klasse von zwei Heilpädagoginnen und einer Logopädin. Zudem arbeitet eine Psychomotoriktherapeutin in diesem Schulhaus.

Finanziell beteiligen sich die Eltern am Mittagstisch, der zweimal wöchentlich angeboten wird. Alles andere falle unter die öffentliche Schulpflicht, sagte Trepp. Auch der Transport mit den Sammeltaxis.

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