Eine Zusatzschleife für die Lebensart

Langnau

Die Stiftung kann für ihre Überbauung noch kein Baugesuch einreichen. Die SP drang mit ihrer Forderung nach erneuerbarer Energie zwar nicht durch, gab aber trotzdem noch nicht definitiv grünes Licht.

Wohnungen, aber auch Dienstleistungsflächen sollen zwischen Bahnlinie und Kantonsstrasse entstehen. Foto: PD

Wohnungen, aber auch Dienstleistungsflächen sollen zwischen Bahnlinie und Kantonsstrasse entstehen. Foto: PD

Susanne Graf

Bernhard Gerber hatte gemeint, es handle sich um ein «einfaches Geschäft». Um eines, zu dem er als SVP-Gemeinderat und Vorsteher der Planungskommission keine grossen Worte würde verlieren müssen. Im Parlament war denn auch unbestritten, dass es sich beim Vorhaben der Stiftung Lebensart um eine «gute Sache» handle. Sie will ihr Areal zwischen der Bahnlinie und der Kantonsstrasse besser nutzen und insbesondere Wohnungen, aber auch Dienstleistungsflächen bauen.

Dafür müssen erst die baurechtlichen Grundlagen angepasst, also Baureglement und Zonenplan überarbeitet werden. Die öffentliche Mitwirkung in Bärau förderte kein negatives Votum zutage, der Kanton äusserte sich bei der Vorprüfung positiv, und während der öffentlichen Auflage letzten Herbst ging keine einzige Einsprache ein. Als der Gemeinderat das Geschäft am 4. Februar auf die Traktandenliste für die erste Parlamentssitzung dieses Jahres setzte, hatte er Grund zur Annahme, dass es ein klares Ja geben würde. 

Wie viel Geld?

Doch schon die Geschäftsprüfungskommission (GPK) konnte sich nicht ohne Wenn und Aber dazu durchringen. Ihr fehlten Angaben zur Mehrwertabgabe. Der Gemeinderat machte klar, dass es Sache der Planungskommission sei, die Höhe des Planungsmehrwerts festzusetzen. Trotzdem formulierte er seinen Antrag um. Er liess darüber abstimmen, ob die Änderungen in erster Lesung «zustimmend zur Kenntnis» genommen werden könnten. Und liess sich den Auftrag erteilen, die GPK vor einer zweiten Lesung über die erlassene Verfügung zu informieren. 

Welche Energie?

Doch die SP stellte sich quer. Sie war mit folgendem Passus im Baureglement nicht einverstanden: «Der Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser ist sofern technisch möglich vorwiegend durch die Nutzung von Grundwasserwärme zu decken.» Das sei zu wenig verbindlich, monierte Renato Giacometti und forderte im Namen seiner Partei, die Stiftung sei zu verpflichten, ihren Wärmebedarf mit erneuerbarer Energie zu decken. «Die Konzession für die Grundwasserentnahme liegt bereits vor», gab Gemeinderat Bernhard Gerber zu bedenken.

Zudem sei die ganze Planung auf der Basis eines Baureglements entstanden, das noch keine Vorschrift zu Energiequellen kenne. Gerber stellte aber eine Revision in Aussicht, die eine Verschärfung enthalten und erneuerbare Energie stärker fördern werde. Christian Oswald (SP) genügte das nicht: «Die Jungen gehen auf die Strasse, und hier haben wir noch nicht gemerkt, was abgeht.»

Mit 18 Nein- zu 12 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der SP-Antrag trotzdem abgelehnt. Den Antrag des Gemeinderates hiess das Parlament dann einstimmig gut. Doch als es darum ging, ob auf eine zweite Lesung verzichtet werden könne, sagte die SP Nein, und sieben Personen enthielten sich der Stimme.

Der Antrag hätte ohne Gegenstimme angenommen werden müssen. Die Stiftung Lebensart muss sich also noch etwas gedulden, bis sie ihr Baugesuch für das «tolle Projekt», das Bärau aufwerten werde – so die SP –, wird einreichen können.

Berner Zeitung

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