Zum Hauptinhalt springen

Ein Sprachrohr für die ältere Generation

Die Pro Senectute Emmental-Oberaargau präsentierte ihr Projekt «Alter(n) in Langnau gemeinsam gestalten». Die Umfrageergebnisse haben die Projektleiterin teilweise überrascht.

Um die Lebensqualität der ­älteren und fragilen Bevölkerung zu verbessern, wurden Pro Senectute Emmental-Oberaargau 110 Personen befragt.
Um die Lebensqualität der ­älteren und fragilen Bevölkerung zu verbessern, wurden Pro Senectute Emmental-Oberaargau 110 Personen befragt.
Keystone

Die Senioren der Region Langnau sollen mehr Gehör finden. «Denn eine Zeit wie heute, in der mehr Ältere als Junge leben, gab es noch nie», erklärte Christa Schönenberger. Sie ist Projektleiterin der Pro Senectute Emmental-Oberaargau und präsentierte im Anschluss an die Hauptversammlung Erkenntnisse aus dem Projekt «Alter(n) in Langnau gemeinsam gestalten».

In den Städten gebe es schon diverse Projekte zum Thema Alter. Da die Bedürfnisse ländlich wohnender älterer Personen aber stark von städtischen ab­wichen, hatte sie das genannte Projekt in Langnau gestartet. Unterstützt wurde sie von der Gemeinde Langnau und fünf Senioren und Seniorinnen. «Das Ziel ist, die Lebensqualität der ­älteren und fragilen Bevölkerung zu verbessern.» Dazu wurden 110 Personen befragt. «Wir stellten fest, dass die Bedürfnisse der Senioren und Seniorinnen sehr unterschiedlich sind.» In Gohl fehle den älteren Menschen nicht das Gleiche wie in Bärau oder Langnau. Dabei spielten auch die finanziellen Ressourcen oder das Umfeld eine grosse Rolle.

Angebote zu teuer

Als die Projektleiterin das be­stehende Angebot unter die Lupe nahm, stellte sie fest: «Es ist immens, was es in Langnau alles gibt.» Doch nicht alle könnten die Dienstleistungen nutzen, weil sie manchen beispielsweise zu teuer seien. «Leute, die ein Angebot am meisten bräuchten, nutzen es am wenigsten», stellte Christa Schönenberger fest. Zudem fehle es an einer Koordination zwischen den verschiedenen Anbietern.

Das Konkurrenzdenken sei zu hoch. Die Projektleiterin möchte deshalb Senioren, soziale Orga­nisationen, Politik und Wirtschaft zusammenbringen mit dem Ziel einer «sorgenden Gemeinschaft». Die gewonnenen Erkenntnisse würden nun in das Projekt «Caring Community» einfliessen, wo Langnau als eine von drei Pilotregionen im Kanton Bern ausgewählt worden sei.

Bauen für Jung und Alt

Wie wichtig es ist, dass Senioren mitreden, zeigt sich etwa bei der Vision eines Radwegs von Langnau nach Bärau. «Uns war beispielsweise nicht bewusst, dass ältere Menschen Rollbrettfahrer oder Kinder auf dem Radweg als gefährlich einschätzen könnten», erklärte Urs Brand von der Stiftung Lebensart. Von der Zusammenarbeit mit der Pro Senectute profitiere auch seine Institution, denn es sei wichtig, die Bedürfnisse der Menschen in der Region zu kennen. Die Erkenntnisse sollen in die Baupläne der Stiftung Lebensart einfliessen.

Diese möchte den Standort Bärau aufwerten: Nebst einer Ärztegemeinschaftspraxis sollen ein 500 Quadratmeter grosser Verkaufsladen mit integriertem Bistro, ein Mehrzweckraum für Anlässe und etappenweise neue Wohnungen entstehen. «Wir möchten ein durchmischtes Wohnen schaffen», erklärt der Bauentwicklungsleiter. Junge und Alte sollen in die neue Überbauung ein­ziehen und vom «Wohnen mit Dienstleistungen» profitieren.

«Auch ein 25-jähriger Bankan­gestellter möchte sich vielleicht nicht um das Bügeln seiner Hemden kümmern und kann diese unserer Wäscherei übergeben», sagte Brand. Die älteren Menschen sollen bei der Ausgestaltung mitwirken. «Senioren werden die neuen Räume besichtigen und Verbesserungsvorschläge einbringen können», versprach Christa Schönenberger.

Erste Früchte

Doch nicht nur in Bärau, auch im Dorf Langnau hat das Projekt bereits etwas bewirkt. «Wir haben festgestellt, dass ältere Menschen zum Teil ähnliche Bedürfnisse haben wie Menschen mit Migrationshintergrund», sagte die Projektleiterin. Die einen suchen jemanden zum Reden, die anderen möchten mit Reden ihre Deutschkenntnisse verbessern. So würden nun auch Senioren und Seniorinnen wöchentlich am «Café international» teilnehmen und sich mit Migranten aus­tauschen. «Dieses ganzheitliche Denken ist neu, und es spart auch Geld», ist Christa Schönenberger überzeugt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch