Niederösch

Ein Lob für die Berufslehre

NiederöschSimon Rüedi aus Niederösch ist der beste Landmaschinenmechaniker Europas. Der bescheidene Bauernsohn führt seinen Erfolg auf die Qualität der Ausbildung in seinem Betrieb zurück.

Wieder zurück im Alltag: Der frischgebackene Europameister geniesst es, in der Studer AG seiner Arbeit nachzugehen.

Wieder zurück im Alltag: Der frischgebackene Europameister geniesst es, in der Studer AG seiner Arbeit nachzugehen. Bild: Marcel Bieri

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Es muss eine gute Ausbildungsstätte sein. Die Studer AG in Lyssach hat in den letzten zwei Jahren mit Adrian Krähenbühl einen Welt- und nun mit Simon Rüedi einen Europameister hervorgebracht. Notabene wuchsen beide in Niederösch auf. «Ich glaube nicht, dass es am Wohnort liegt. Wir sind mit Leidenschaft bei der Sache und wurden gut ausge­bildet», sagt der 22-jährige Landmaschinenmechaniker Simon Rüedi.

Auf der grossen Bühne

Die besten jungen Berufsleute messen sich alle zwei Jahre in den Berufs-Europameisterschaften, den sogenannten Euroskills. Heuer fanden sie in Budapest statt. Die Schweizer waren mit acht Vertretern am Start. Unter ihnen der Zweite der Schweizer Meisterschaft 2017: ­Simon Rüedi.

«Der Erstplatzierte von damals wollte nicht an der EM Teil­nehmen, weil er einen Auslandaufenthalt geplant hatte», erklärt Rüedi. Zudem seien gute Sprachkenntnisse erforderlich, denn die Aufgabenstellung ist in Englisch. Rüedi ist extra in den Südwesten Englands in eine Werkstatt in Framlingham gegangen, um die Sprache zu lernen. Er war dort mit einem Aussendienstmonteur unterwegs. Die erlernten Sprachfertigkeiten kamen ihm sichtlich zugute, denn er hat sich gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen und die Goldmedaille gewinnen können.

Bescheidener Werker

Sehr locker geht der 22-Jährige mit dem Rummel und Erfolg um. Auch wenn er von der Vorbereitung spricht, ist keinerlei Auf­regung zu spüren. «Ich war noch an einigen internen Schulungen, aber speziell trainiert habe ich nicht», sagt er. Zudem habe es noch eine Sitzung mit den Ex­perten gegeben, die die jungen Berufsleute an die Wettkämpfe begleiteten, und eben den Aufenthalt in England.

Wer Rüedis Lockerheit mit Leichtfertigkeit gleichsetzt, irrt sich jedoch. Es spricht nicht ein überheblicher Schnösel, sondern ein stiller Schaffer, der auf seine Ausbildung vertraut. «Im Ausland trainieren sie an den Schulen spezifisch auf den Wettkampf hin, das ist in der Schweiz anders.»

Die Schweizer seien dank ihrer guten Grundausbildung und dadurch, dass sie seit dem ersten Lehrjahr im Betrieb arbeiteten, anpassungsfähiger und könnten besser improvisieren. Adaptivität sei unabdingbar, denn die Aufgaben waren im Vorfeld nicht publik.

Deren fünf musste Rüedi auf seinem Weg zum Titel meistern: Zuerst mussten Montagearbeiten an einem Motor ausgeführt werden, am zweiten und dritten Posten mussten Fehler in der Elektronik respektive der Hydraulik gesucht werden. Weiter die Re­paratur einer Klimaanlage und einer Anhängerbremse, und zuletzt musste ein Getriebe geprüft werden. Die Aufgaben sind Rüedi immer noch präsent, nur kurz muss er nachdenken.

«Ich wusste während des Wettkampfs nicht, wo ich stehe», sagt Rüedi. Aber es sei wie beim Arbeiten, kommentiert er die drei Wettkampftage: Man befolge gewisse Arbeitsprotokolle und gebe einfach sein Bestes. Die Hauptkonkurrenz sei traditionell aus Westeuropa: Österreich war auf Platz zwei, und die Niederlande belegte den dritten Rang.

Ein «Traumberuf»

«Zuerst wollte ich Bauer werden, wie mein Vater», sagt der junge Mann aus Niederösch, der schon als kleiner Bub auf dem elterlichen Betrieb mithalf. «Ich habe aber schon immer gern an den Maschinen ‹umegrüblet›.» Ihm gefalle das Technische und das Elektronische sowie der Kontakt, den man mit Menschen habe. ­Darum sei es für ihn ein sehr schöner Beruf.

So hat er nach den Europameisterschaften auch keine Ferien genommen, sondern ist in den Betrieb zurückgekehrt. Die nahe Zukunft ist auch schon geplant. Dank dem Stipendiengeld, die er von der Stiftung Gebauer für seine Leistung bei den Swissskills erhielt, kann er sich nun gut weiterbilden. Kürzlich hat er das Diplom zum Diagnosetechniker Landmaschinen in Angriff genommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 06:14 Uhr

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