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Ein halbes Dorf im Wankdorf

Nicht weniger als 3000 Tickets hat Wynigen für den YB-Match gegen St. Gallen vom Sonntag gewonnen. Notabene mehr, als die Gemeinde Einwohner hat. Unterwegs mit den glücklichen Gewinnern, die vor allem dem YB-Torwart David von Ballmoos zujubelten.

Gruss an den Goalie und Dank für die Gratistickets: Die Wyniger und Leute aus den Nachbargemeinden halten am Match ein Transparent hoch.
Gruss an den Goalie und Dank für die Gratistickets: Die Wyniger und Leute aus den Nachbargemeinden halten am Match ein Transparent hoch.
Christian Pfander

Die Menge tobt. Aber ein Tor ist in diesem Augenblick keins gefallen. Nein, der YB-Torhüter hat gerade einen harmlosen Schuss eines St. Gallers problemlos pariert. Normalerweise weder einer Erwähnung noch eines Applauses wert. Doch die Masse in den Sektoren C7 und C9 feiert einen der ersten Ballkontakte von David von Ballmoos wie einen wunderbaren Schlenzer ins Lattenkreuz.

Kein Wunder, sind doch viele von ihnen nur wegen des Keepers überhaupt im Stadion. Denn die Plätze in den beiden Sektoren sind vornehmlich von Leuten aus Wynigen und Umgebung besetzt. Und Wynigen ist die ehemalige Schulgemeinde des Torwarts.

3000 Tickets für das Spitzenspiel gegen St. Gallen hat das Dorf bei einem Spiel von Radio Bern 1 gewonnen. Doch Wynigen hat gemäss Website lediglich 2020 Einwohner, weswegen Teile des restlichen Billettkontingents an umliegende Gemeinden abgetreten wurden. «2500 Tickets haben wir etwa verteilen können», sagt Christian Hulliger, der für die Aktion verantwortlich zeichnete. Die übrigen Karten seien an die Young Boys zurückgeschickt worden und in den offenen Verkauf gelangt.

Dass überhaupt so viele Eintrittskarten weggingen, ist wohl David von Ballmoos zu verdanken, der als Lokalmatador das Interesse an YB erhöht haben dürfte. Auf Anfrage äusserte sich von Ballmoos im Vorfeld wie folgt: «Ich habe mitgekriegt, dass die Wyniger den Wettbewerb gewonnen haben und am Sonntag im Stadion sein werden. Ich freue mich natürlich sehr, dass viele Leute aus meiner Heimatregion uns unterstützen werden.» Und so ist nun fast eine ganze Gemeinde an diesem Nachmittag im Stade de Suisse.

Einsteigen bitte: Einige der Passagiere, die um 14.31 Uhr in Wynigen in den Zug stiegen, dürften ein Gratismatchticket in der Tasche haben. Bild: Olaf Nörrenberg
Einsteigen bitte: Einige der Passagiere, die um 14.31 Uhr in Wynigen in den Zug stiegen, dürften ein Gratismatchticket in der Tasche haben. Bild: Olaf Nörrenberg

Yannick allerdings wirkt zunächst nicht sonderlich motiviert. Ziemlich lustlos antwortet er auf eine Frage seines Vaters. Der 14-Jährige ist enttäuscht, dass sein Kollege, der ihn eigentlich an den YB-Match begleiten wollte, ausgerechnet an diesem Sonntag krank ist. Nun muss er sich mit seinen Eltern zufriedengeben. Fussball möge er sehr, erklärt Yannick. An vielen Spielen der Young Boys sei er aber noch nicht gewesen. Und mit seinem Freund wäre es bestimmt noch cooler geworden, ergänzt er. Der musste aber zu Hause bleiben. Doch spätestens nach dem 4:1 für YB findet es Yannick auch mit seinen Eltern zusammen ziemlich cool.

Schon in der ersten Halbzeit geht es hoch her. Young Boy Roger Assalé wird nach einer angeblichen Tätlichkeit vom St. Galler Anhang ausgepfiffen und als «Hurensohn» bezeichnet. «Was säge sie ihm, Papi?», fragt ein etwa 7-Jähriger. «Eh, sie säge ihm wüescht», erklärt der Vater in ruhiger Emmentaler Art. Der Sohnemann gibt sich mit dieser Erklärung zufrieden und staunt darüber, wie doch alle Spieler fast die gleichen Schuhe anhaben. Sein Vater, der nach über zehn Jahren wieder einmal an einem Spiel ist, erklärt seinem Söhnchen auch hier geduldig, wie es sich mit Sponsorenverträgen und so weiter verhält.

Fast ebenso beeindruckt vom ganzen Drumherum eines Fussballspiels ist eine ältere Frau. Noch nie sei sie in einem so grossen Stadion gewesen. Die Neumatt in Burgdorf – laut Fussballverband mit 350 Sitzplätzen bestückt – sei bisher das grösste gewesen. Nun sitzt sie im Stade de Suisse; Kapazität: 31 789. Vor allem eins gibt ihr zu denken: «Das ist ja ein Riesenchrampf, all das Kartonzeugs, das die da rumwerfen, wieder einzusammeln.

Mir wäre das zu viel, da wische ich lieber vor dem eigenen Haus.» Aber auch das Geschehen auf dem Kunstrasen ist für die Frau interessant: Sechsmal reisst es sie vom Sitz – bei jedem Tor von neuem. «Wenn i scho mau i dere Schüssle hie bi, de wotti doch die Gou o z grächtem fiire.» Ja, zu feiern gab es viel. Und nicht nur für die YB-Fans aus Wynigen.

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