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Dieses Denkmal muss bleiben, wie es ist

Der neue Besitzer des Beck-Hauses will im ersten Stock zwei kleine Wohnungen realisieren. Doch dabei redet die Denkmalpflege ein gewichtiges Wort mit. Grossgewachsene werden deshalb als Mieter nicht infrage kommen.

Es zeugt von imposanter Zimmermannskunst und erzählt auch innen von vergangenen Zeiten. Das Beck-Haus steht unter höchstem Schutz.
Es zeugt von imposanter Zimmermannskunst und erzählt auch innen von vergangenen Zeiten. Das Beck-Haus steht unter höchstem Schutz.
Thomas Peter
Einst ein schönes Geschenk. Aber heute schränken die bemalten Türen den Liegenschaftsbesitzer in seinen Umbauplänen ein.
Einst ein schönes Geschenk. Aber heute schränken die bemalten Türen den Liegenschaftsbesitzer in seinen Umbauplänen ein.
Thomas Peter
Im (noch) ungenutzten Estrich: Hanspeter Jaggi, seine Partnerin Pia Heuberger, Architekt Rolf Pauli und Elsbeth Zbinden-Beck (von links).
Im (noch) ungenutzten Estrich: Hanspeter Jaggi, seine Partnerin Pia Heuberger, Architekt Rolf Pauli und Elsbeth Zbinden-Beck (von links).
Thomas Peter
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Das Haus ist unantastbar. Die Liegenschaft an der Dorfstrasse 45 in Signau ist im kantonalen Bauinventar als schützenswert eingestuft. Und weil sie als Teil des Dorfkerns im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz enthalten ist, hat sie auch nationale Bedeutung. Es lässt also aufhorchen, wenn im Anzeiger steht, dass die HJ Treuhand GmbH darin Wohnungen einbauen will. Das tönt nach Ärger mit der Denkmalpflege.

Im Erdgeschoss soll alles bleiben, wie es ist. Aber im Ober­geschoss will Hanspeter Jaggi, der hinter dem Namen der Treuhandfirma steckt, zwei Wohnungen einbauen. Er hat das um 1788 erbaute Haus gekauft. In Signau ist es als Beck-Haus bekannt, weil es Jahrzehnte im Besitz von Marcel Beck war (siehe Kasten). Vor ein paar Jahren ist er gestorben, bis letzthin wohnten seine Tochter Elsbeth Zbinden und ihr Mann darin. «Kein moderner Tempel»

«Ich habe Freude daran, wenn die Böden knarren und wenn es bei den Fenstern etwas zieht.»

Hanspeter Jaggineuer Besitzer des Beck-Hauses

In Hanspeter Jaggi fanden sie einen Käufer, der es eben gerade nicht auf einen Konflikt mit der Denkmalpflege ankommen lässt: «Ich will keinen modernen Tempel daraus machen», sagt er. Er sei Antiquitätensammler. «Ich habe Freude daran, wenn die Böden knarren und wenn es bei den Fenstern etwas zieht», sagt er. Wobei die Fenster im Beck-Haus in erstaunlich gutem Zustand ­seien, fügt sein Architekt Rolf Pauli von der Pauli Architekten AG an. Hätte er die Sprossenfenster durch dreifachverglaste ersetzen wollen, wäre das kaum bewilligt worden.

Ein Problem, das der neue Besitzer trotz aller Liebe zum Geschichtsträchtigen entschärfen möchte, ist aber die Sache mit der Ringhörigkeit. «Oben versteht man fast jedes Wort, das unten gesprochen wird», sagt er. Der Architekt überlegt sich nun, wie er das ändern kann. Aber er weiss: «Die tragende Konstruktion ist tabu.» Sie darf nicht an­getastet werden. Dennoch will er versuchen, das Gefälle im Boden des oberen Stocks zu begradigen. Von der einen bis zur anderen Seite des Hauses mache dieses zehn Zentimeter aus. Spürbar ist das beim flüchtigen Betreten der Räume nicht.

Ein schönes Geschenk

Nicht ignorieren lässt sich hingegen die Raumhöhe. Wer gegen 1,80 Meter gross ist, muss den Kopf einziehen. Das Haus wurde in einer Zeit gebaut, als die Menschen noch kleiner waren. Der Kreis der potenziellen Mieter für die 11/2- respektive die 21/2-Zimmer-Wohnung in der oberen Etage ist begrenzt. An der Raumhöhe darf nichts geändert werden.

Auch bei der Erschliessung der neuen Logis sind Pauli und Jaggi nicht frei. Für die Realisierung der 11/2-Zimmer-Wohnung dürfen sie zwar eine Wand, die bisher zwei Zimmer trennte, öffnen. Aber ansonsten muss die Raumaufteilung bleiben, wie sie ist. – «Wegen der Schenktüren», sagt Jaggi und erklärt mit Blick auf eine der bemalten Zimmertüren: Um 1788 sei es Brauch gewesen, dem Bauherrn zur Aufrichte Türen zu schenken.

Im ganzen Haus seien vierzehn derartige Geschenke angebracht. «An diesen dürfen wir gar nichts machen, wir dürfen sie nicht einmal versetzen», sagt ­Jaggi. Viel mehr als eine neue Küche und neue sanitäre Anlagen seien eigentlich nicht geplant. «Der Eingriff ist lächerlich klein, aber er löst eine gewaltige Lawine aus», stellt Architekt Rolf Pauli fest. Damit spricht er die Flut von Mitberichten an, die vor jedem noch so unbedeutenden Projekt eingeholt werden müssen, nicht aber die Denkmalpflege. «Wenn man mit deren Vertreter rechtzeitig Kontakt aufnimmt, findet man einen Weg», hat der Architekt erfahren.

Der Traum im Estrich

Hanspeter Jaggi, der in Lanzenhäusern wohnt, könnte sich ­vorstellen, die 11/2-Zimmer- Wohnung dereinst mit seiner Partnerin Pia Heuberger als Ferienwohnung zu nutzen. Doch am Ende seiner Träume wäre er damit nicht. «Im Estrich ist noch einiges möglich», sagt er, dreht an einer Kurbel, und eine Luke öffnet sich. Dann führt er in einen leeren Raum, in dem auch Grossgewachsene unbeschadet hüpfen könnten.

Etwas dunkel ist es unter der Dachschräge. Aber Jaggi weiss bereits, wo er Fenster einbauen könnte. Ob hier dereinst eine Wohnung einsteht, ist offen. Dann könnte nicht mehr von einem «lächerlich kleinen Eingriff» gesprochen werden: Der Bauherr müsste im Treppenhaus Brandschutzmassnahmen treffen, und wieder würden alle denkbaren Stellen mitreden wollen. «Aber das ist halt so, wenn man etwas kauft, das im Interesse der Öffentlichkeit steht», sagt Jaggi.

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