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Ein dunkles Geheimnis hinter der rosaroten Fassade

Der katholische Kirchenchor aus Langenthal wagt sich mit einem Theaterstück auf die Bühne, das man ihm so nicht zugetraut hätte.

Die verführerische Tänzerin Lili, der Gauner und der Verlobte: Autorin Désirée Fessler mit Heinz Trösch (links) und Benjamin Fessler.
Die verführerische Tänzerin Lili, der Gauner und der Verlobte: Autorin Désirée Fessler mit Heinz Trösch (links) und Benjamin Fessler.
Thomas Peter

Ein Kirchenchor, der eine Kriminalkomödie aufführt – das ist kein alltägliches Ereignis. «Wir dachten uns: Konzerte können alle, wir machen mal was anderes», sagt Daniela Hollenstein-Gall, Präsidentin des Kirchenchors der römisch-katholischen Stadtpfarrei St. Maria Königin zu Langenthal.

Am 1. Juli feierte der Chor sein 90-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst. Während der Vorbereitungen habe man sich überlegt, neben dem traditionellen Anlass auch einen leichteren Programmpunkt zu organisieren, so Hollenstein. Mit Désirée Fessler habe man ein Chormitglied mit schriftstellerischer Ader, so sei letztlich die Idee gereift, ein Bühnenstück für Laiendarsteller zu konzipieren.

«Kriminaltango zum rosaroten Panther» heisst es – und es ist auf den Kirchenchor zugeschnitten. Nicht nur musikalisch – der Chor singt natürlich –, sondern auch inhaltlich, denn er spielt eine aktive Rolle im Stück. Die Geschichte geht folgendermassen: Die Kirche steckt in Geld­nöten und hat beschlossen, die Räumlichkeiten des Chors zu vermieten.

Die energische Wirtin des Rosaroten Panthers, die wie ihre Spelunke die besten Jahre hinter sich hat, kennt den Dirigenten und erbarmt sich seiner: Der Chor darf mitsamt Klavier und Saxofon fortan in ihrem Keller üben. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur dass sich nicht alles so entwickelt, wie die Musiker sich das vorgestellt haben.

Eine Familienangelegenheit

Die gesamte Aktion sei natürlich mit einem grossen Augenzwinkern zu verstehen, sagt Patricia Tschannen, die Regie führt. Die Reverenz an den bekannten «Pink Panther», die Selbstironie des Werks: Es ging in erster Linie darum, gemeinsam Spass an der Durchführung eines Theaterstücks zu haben.

Zwar hätten sich nicht gerade alle um einen Platz in der Theatertruppe gerissen, wie Tschannen amüsiert sagt. Nun stehen aber sieben der dreissig Mitglieder auf der Bühne. Für Tschannen ist das Ganze zudem eine Familienangelegenheit: Ihre Schwester hat das Stück geschrieben und spielt mit, ihr Vater und ihr Bruder beteiligen sich ebenfalls als Darsteller. Sie selber sei sozusagen mit dem Chor gross geworden, da ihre Eltern schon Mitglieder waren.

Gegründet wurde der Kirchenchor 1928, als ein neuer katholischer Pfarrer seinen Dienst in Langenthal aufnahm. Die Auftritte erfolgten eher sporadisch, während des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb wohl vorübergehend eingestellt. «Die goldenen Zeiten kamen dann in den 1950er-Jahren», sagt Hollenstein, als die Aktivitäten an Fahrt aufnahmen.

Heute sei man wie andere Chöre auch auf der stetigen Suche nach Nachwuchs. «Es ist halt nicht so populär, sich in dieser Weise zu verpflichten», sagt Tschannen. Wöchentliche Proben, Konzerte an den Wochenenden – die Mitgliedschaft in einer Gesangsgruppe verlange einiges an Präsenz und Einsatz.

Dieses Jahr hätten übrigens zwei Chormitglieder ihre 50-jährige Mitgliedschaft gefeiert – wenn alle so einen Durchhaltewillen an den Tag legen würden, hätte man keine Probleme mehr, sagt die Präsidentin ­amüsiert.

«Es war ein ­Abenteuer für uns alle.»

Patricia Tschannen, Regisseurin

Wöchentliche Proben

Neben der Geschichte und der Musik haben die Mitglieder auch alles Übrige selber organisiert: das Bühnenbild, die Requisiten, die Kleiderstücke. «Wir sind natürlich Laien, aber wir haben einige Talente unter uns», sagt Regisseurin Tschannen, die als junge Frau immer wieder in diversen Theaterprojekten mitgewirkt und auch Erfahrung in der Regie gesammelt hat.

Dazu gehöre auch eine Portion Leidenschaft, war doch der Aufwand nicht gerade bescheiden: seit Januar wöchentliche Proben, dazu die Vorbereitungen für den Festgottesdienst. Es habe sich aber gelohnt, da sind sich Präsidentin und Regisseurin einig. Es sei schön, mal etwas anderes zu machen. Und Tschannen sagt: «Es war ein Abenteuer für uns alle, das bald sein Ende findet.»

«Zum rosaroten Panther»: Samstag, 1. September, ab 19.30 im kath. Kirchgemeindehaus Langenthal.

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