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Die Gemeinden helfen sich selber

Die Sparmassnahmen bei der Spitex werfen ihre Schatten voraus. Die Gemeinden im oberen Emmental suchen bereits nach Lösungen. So auch die Langnauer Exekutive.

Alle Jahre wieder: Der Kanton will sparen und die Institutionen müssen über die Bücher gehen.
Alle Jahre wieder: Der Kanton will sparen und die Institutionen müssen über die Bücher gehen.

Wenn ein Hausarzt einer Gemeinde auch in der Legislative sitzt, hat das Vorteile. Weil das Leute sind, die an der Front arbeiten und unmittelbar mitbekommen, was es heisst, wenn wiederum das kantonale Parlament seine Spardebatte abhält. Sie sind Frühwarnmelder, sozusagen.

Im Langnauer Parlament wirkt der Hausarzt Hans Ulrich Albonico mit. An der vorletzten Sitzung des Grossen Gemeinderats, also noch vor der Novembersession, reichte er eine dringende Interpellation betreffend den Abbau der Spitex-Leistungen ein.

Das Entlastungspaket 2018 tangiere die Versorgungssicherheit im oberen Emmental und bringe Mehrkosten für die Gemeinde mit sich. Welche Massnahmen Langnau dem entgegenstellen wolle, so die Anfrage.

Inzwischen ist die Session vorüber, und Albonico hat recht behalten. Die Spitex Kanton Bern muss Federn lassen. Im Bereich Pflege muss die Organisation ab 2019 mit 6 Millionen Franken weniger auskommen. Ein Leistungsabbau droht. Die Spitex wird gezwungen sein, Abläufe zu optimieren.

Gleichzeitig nimmt die finanzielle Belastung für die Kunden zu. Künftig müssen alle Patienten ab dem Pensionsalter eine sogenannte Patientenbeteiligung von bis zu 15.95 Franken berappen. Und weil wohl auch die Verteilung unter den Spitex-Regionen neu gewichtet werden muss, könnte das für ländliche Gemeinden schwer abschätzbare Konsequenzen haben.

Erste Gespräche

Auch dank Hausarzt Albonico hat der Gemeinderat reagiert und konnte am Montag, an der letzten Sitzung des Grossen Gemeinderats und knapp eine Woche nach der Session, Antworten liefern. Die für das Sozialwesen zuständige Gemeinderätin Susanne Kölb­li erläuterte, dass bereis erste ­Gespräche stattgefunden hätten.

Laut Kölbli verfügt die Spitex Region Emmental noch über ein finanzielles Polster. Die Aufgaben in der Pflege können deshalb vorläufig noch erfüllt werden. Doch die rund 170 000 Franken Einnahmen, auf die sie ab 2019 verzichten muss, werden auch diese Reserve dahinschmelzen lassen.

Nach den Sommerferien will die Gemeinde die Lage analysieren, nach möglichen Lösungen suchen und allenfalls beim Kanton intervenieren.

Die Zeit drängt

Sparmassnahmen bei der Pflege sind das eine. Das andere sind ­jene bei der Hauswirtschaft. Dort kann nicht bis in den Sommer gewartet werden. Heute ist es noch so, dass die Gemeinden ihre Beiträge an den Kanton zahlen und dieser dann mit der Spitex über einen Leistungsvertrag abrechnet.

«80 Prozent der Patienten wollen, wenn immer möglich, zu Hause gepflegt werden.»

Hans Ulrich Albonico, Hausarzt

Der Kanton wollte aber auch dort sparen. Konkret sollten nur noch Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder psychischen Erkrankungen mit Arztzeugnis subventioniert werden.

Die Pauschale pro Einwohner sollte gestrichen werden, und die Dauer der Betreuung hätte höchstens noch eine Stunde betragen dürfen. Zudem sollte nur noch ausgebildetes Personal zum Einsatz kommen.

Das wollte die Spitex so aber nicht hinnehmen, weshalb sie den Leistungsvertrag ab 2018 nicht mehr verlängerte. Das wurde diesen Sommer publik. Die Konsequenz: Es gibt keine Versorgungspflicht mehr. Das heisst, dass die Spitex ab nächstem Jahr etwa schwer zumutbare Fälle ablehnen kann.

Gemeint sind damit Situationen mit starken Verschmutzungen, bei schwierigen finanziellen Lagen oder unanständigem Verhalten seitens der Patienten. Damit sich künftig trotzdem jemand um diese Leute kümmert, hat die Spitex Region Emmental Kontakt zu den angeschlossenen Gemeinden aufgenommen.

Laut Gemeinderätin Susanne Kölbli wird nun jede einen eigenen Leistungsvertrag mit der Spitex abschliessen, um die Versorgung zu gewährleisten. Es soll aber kein fixer Betrag sein, den die Gemeinde an die Spitex zahlen wird. Geplant ist, von Fall zu Fall über die finanzielle Beteiligung zu entscheiden.

Das heisst aber auch, dass die Gemeinden künftig doppelt zahlen. Denn die Beiträge an den Kanton müssen sie auch weiterhin ausrichten. «Wir bekommen nur insgesamt weniger an Leistung zurück», sagte Kölbli.

Eigene Leistunsverträge

Hausarzt Hans Ulrich Albonico sagte es am Montag treffend: Mehr als 80 Prozent der Patienten wollten, wenn immer möglich, zu Hause gepflegt werden. Das sei nur mit einer gut funktionierenden Spitex möglich. «Ich bin dankbar, dass die Gemeinde ins Auge fasst, wenn nötig in die Lücke zu springen.»

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