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Die Christen haben aus ihrem Fehler gelernt

Die EVP will zurück in den Gemeinderat. Und nicht nur das: Sie strebt sogar das Gemeindepräsidium an. Aber eine gemeinsame Liste mit der EDU kommt für sie nicht mehr infrage.

Soll für die EVP am 29. Oktober das Gemeindepräsidium erobern: Christoph Utiger.
Soll für die EVP am 29. Oktober das Gemeindepräsidium erobern: Christoph Utiger.
Marcel Bieri

Vor vier Jahren endeten die ­Wahlen für die Langnauer EVP bitter: Ihr Gemeinderat Erich Wolfensberger wurde abgewählt, die Partei verlor ihr Mandat in der Exekutive. Und im Grossen Gemeinderat büsste sie gar zwei ihrer vorher vier Sitze ein. Dafür zog die EDU mit Rebekka Hofer ins Langnauer Parlament ein, sodass die beiden christlichen Parteien heute gemeinsam immerhin noch Fraktionsstärke haben.

Das Ziel war 2013 ein anderes: Die EVP hatte die EDU zu einer gemeinsamen Liste eingeladen, in der Hoffnung, einen fünften GGR-Sitz zu gewinnen. Doch die Wähler der Mittepartei hätten das Zusammenspannen mit der rechten EDU «nicht akzeptiert», sagt EVP-Präsident Kurt Herren.

Getrennt und doch zusammen

Die EVP hat gelernt. Dieses Jahr hat sie wieder eine eigene Liste eingereicht. Auf jener für den ­Gemeinderat figurieren acht Namen, auf jener für das vierzigköpfige Parlament nebst den Bisherigen Martin Kohler und Christoph Utiger neunzehn weitere. EVP und EDU sind aber eine Listenverbindung eingegangen, um sich allenfalls gemeinsam ein Restmandat sichern zu können. Die Fraktionszusammenarbeit mit der EDU habe sich bewährt, sagt Kurt Herren, diese werde auch in der neuen Legislatur weitergeführt.

Voraussetzung ist allerdings, dass die EDU ihren Sitz im Grossen Gemeinderat halten kann. Davon geht ihr Sprecher, EDU-Grossrat Ernst Tanner, aus. Seine Partei hatte schon früher einmal einen Anlauf genommen, den Einzug ins Parlament schaffte sie aber erst vor vier Jahren erstmals. Jetzt tritt sie mit vier Personen zu den Wahlen an und macht mit drei von ihnen auch im Rennen um einen Gemeinderatssitz mit. Ernsthafte Hoffnungen auf ein Exekutivmandat macht sie sich laut Ernst Tanner jedoch nicht.

Um so mehr aber ist Kurt Herren davon überzeugt, dass der EVP-Politiker Christoph Utiger der richtige Mann wäre, um Bernhard Anteners Nachfolge anzutreten. Bei aller Wertschätzung, die er der Arbeit des langjährigen SP-Gemeindepräsidenten entgegenbringt, übt der EVP-Präsident auch Kritik. Herren stellt fest, dass Kultur und Sport stark profitiert hätten, während die Bereiche Wirtschaft und Gewerbe vom Gemeinderat in der Vergangenheit kaum bearbeitet worden seien. In Langnau fehle es an Räumen für Handwerker. Es sei ein Fehler gewesen, das Zeughaus zu verkaufen, das sich als Gewerbepark angeboten hätte. Den Arbeitsplätzen sei zu wenig Sorge getragen worden. «Sie stehen am Anfang unseres Interesses. Dann lassen sich auch Kultur und Sport finanzieren», sagt Herren.

«Gegen den Mainstream»

Mit Christoph Utiger habe sich die EVP in der vergangenen ­Legislatur als jene Partei in Szene gesetzt, die es immer wieder ­gewagt habe, «gegen den Mainstream» anzutreten. So habe ­Utiger etwa darauf hingewiesen, dass die Dreifachturn­halle für die Gemeinde «nur knapp fi­nanzierbar» sei und dass mit Hochwasserschutzmass­nahmen und etwa der Sanierung von Schiessanlagen andere Brocken auf die Gemeinde zukämen.

Kurt Herren bedauert es, dass es in Langnau nicht gelungen sei, innerhalb der Parteien das Anforderungsprofil für einen künftigen Gemeindepräsidenten zu definieren. Und dass es nicht möglich war, dafür ein 40-Prozent-Amt zu schaffen. «Mit Idealismus allein kann man eine solche Verantwortung nicht wahrnehmen», ist er überzeugt. Doch wie auch immer die Wahlen ausgehen werden – an oberster Stelle steht für den EVP-Präsidenten: «Dass Leute gewählt werden, die bereit sind zusammenzuarbeiten.»

Die Kandidaten der EVP: Gemeinderat: Martin Kohler, Christoph Utiger, Doris Baumann, André Röthlisberger, Claudia Herren, Erich Wolfensberger, Elisabeth Wüthrich, Mat­thias Wyss.Grosser Gemeinderat: Martin Kohler, Christoph Utiger (beide bisher), Matthias Wyss, Hans Peter Wüthrich, Doris Baumann, André Röthlisberger, Markus Baumann, Claudia Herren, Regula Engel, Kurt Herren, Beat Hubschmid, Peter Kipfer, Elisabeth Wüthrich, Erich Wolfensberger, Peter Moser, Tabea Röthlisberger, Johannes Kipfer, Pascal Braun, Silas Kipfer, Sabine Wyss, Fritz Geissbühler. Die Kandidaten der EDU: Gemeinderat: Rebekka Hofer, Simon Heiniger, Svenja Heiniger.Grosser Gemeinderat: Rebekka Hofer (bisher), Simon Heiniger, Svenja Heiniger, Fritz Strahm.

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