Sumiswald

Der Vorhang bleibt zu

SumiswaldDieter und Silvia Sigrist beenden ihr Kulturprojekt. Sie wollen endlich wieder einen freien Kopf und mehr Zeit für anderes. Doch auch in Zukunft wird sich ­Dieter Sigrist in der Gemeinde kulturell engagieren.

Nur ein Bruchteil der vielen Höhepunkte: Silvia und Dieter Sigrist blicken auf die vergangenen Jahre zurück.

Nur ein Bruchteil der vielen Höhepunkte: Silvia und Dieter Sigrist blicken auf die vergangenen Jahre zurück. Bild: Marcel Bieri

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Rund 27'800 Gäste besuchten die gut 230 Veranstaltungen der kleinen Bühne. Vor 35 Jahren gründete das Ehepaar Sigrist die Chlyni Büni. Seither bereicherten verschiedenste Künstler die Gemeinde Sumiswald. Das Paar ­organisierte abwechslungsreiche Programme mit Lesungen, Rei­sedokumentationen, Konzerten und Theatern, die für jedermann Unterhaltung boten. Das Ehepaar selbst war auch immer ein grosser Fan seiner ausgewählten Künstler.

Die Erinnerungen bleiben

Einer der vielen Höhepunkte war der Auftritt von Ursus & Nadeschkin im Jahr 1982: Man habe das zehnte Jubiläum gefeiert, und da es so ein heisser Tag ge­wesen sei, habe die Vorstellung draussen im Schatten stattgefunden. «Die 40 Zuschauer kugelten sich vor Lachen. Das Gefühl der guten Stimmung schwappte auf uns über, und wir erhielten vie­le positive Rückmeldungen», erzählt Silvia Sigrist.

Weitere bleibende Erinnerungen seien die verschiedenen Jubiläen, die ausgiebig gefeiert wurden, sowie auch der Auftritt des schottischen Musikers Donovan im Jahr 1983. 515 Gäste besuchten die Veranstaltung, und die Aula platzte schier aus allen Nähten. Sogar Radio und Fernsehen haben vom Besuch des Superstars berichtet. «Plötzlich war der Kulturort allen in der Gegend ein Begriff. Damals ist wohl das Einzugsgebiet sogar gewachsen», sagt Silvia Sigrist.

«Die 40 Zuschauer kugelten sich vor Lachen. Das Gefühl der guten Stimmung schwappte auf uns über, und wir erhielten viele positive Rückmeldungen.»Silvia Sigrist

Das Paar pflegt bis heute gute Beziehungen zu den Künstlern. Es gibt solche, die in den vergangenen Jahren mehrmals auf die Bühne zurückgekehrt sind. Besonders Künstler aus den USA schätzten das familiäre Verhältnis des Kulturorts. «Amerikanische Gruppen tourten oft durch Deutschland, wo die Betreuung nicht so persönlich war wie bei uns», erklärt Dieter Sigrist. In den Anfängen des Projekts übernachteten einige von ihnen sogar bei Sigrists zu Hause, da es noch keine Übernachtungsmöglichkeiten in Sumiswald gab.

Wenige Ernüchterungen

Neben den vielen schönen Momenten hatten die Organisatoren der kleinen Bühne auch mit Enttäuschungen zu kämpfen. Es gab Veranstaltungen, die ihre Erwartungen nicht erfüllt haben oder schlecht besucht waren. Ausserdem haben sie von einer italienischen Musikgruppe eine höhere Rechnung erhalten, als vereinbart gewesen war. Und mussten einmal um das Konzert einer Band, die bis zehn Minuten vor Beginn sich nicht blicken liess, bibbern.

Finanziell wussten sich Sigrists jedoch zu helfen: Wurde in einem Jahr zu viel Geld ausgegeben, musste im nächsten gespart werden. Unterstützt haben das Projekt Gönner. Einen Mindestbetrag gab es dabei nicht. Da sich die Zahl der Spender kaum veränderte, konnten die Beiträge ungefähr budgetiert werden.

Dennoch legten Dieter und Silvia Sigrist bereits im Jahr 2012 zu ihrem 30-jährigen Jubiläum eine zweijährige Pause ein. 2014 starteten sie erneut mit vollem Elan und neuen Ideen. Diesen Sommer, drei Jahre später, verabschiedet sich die Chlyni Büni erneut. Gemäss Dieter Sigrist ist nun definitiv Schluss. Er hat das Gefühl, dass sein Geschmack nicht mehr ausreichend zeitgemäss ist. So lodert das Feuer, neue Künstler und Trends zu entdecken, weniger als früher.

«Die Möglichkeit, die Gedanken und die Freizeit anderen Dingen zu widmen, kam oft etwas zu kurz.»Dieter Sigrist

Der Verein Kulturei Region ­Sumiswald sorgt nun dafür, dass Künstler weiterhin ihren Weg in die Emmentaler Gemeinde finden. Mit gutem Grund: Der Verein, der früher Kulturkreis hiess und ursprünglich klassische Anlässe organisierte, hat kürzlich eine Verjüngung erfahren. Nun organisieren acht Vorstandsmitglieder kulturelle Anlässe verschiedenster Arten, welche auch speziell jüngere Zuschauer ansprechen sollen.

Wählerische Gäste

Denn auch das Publikum der kleinen Bühne hat sich verändert. Die Nachfrage habe tendenziell abgenommen. Reservationen würden heute später eintreffen als in der Vergangenheit. Das Ehepaar Sigrist fand es spannend, 1982 ein wenig Pionierarbeit zu leisten. Von den Personen in Dorf und Umgebung Sumiswald seien diese Anlässe geschätzt worden. Heute gebe es jedoch fast überall Kulturzentren, und sie seien lange nicht mehr die Einzigen.

Es geht kulturell weiter

Nun müssten sie sich keine Sorgen mehr machen, dass die Kultur im Emmental zu kurz kommen werde. Die Sicherheit, dass kulturelle Veranstaltungen in ­Sumiswald auch zukünftig bestehen, macht das Aufhören einfacher. «Hätten wir die Chlyni Büni vor zehn Jahren beendet, hätte dies noch ganz anders ausgesehen», sagt Silvia Sigrist. Ausserdem seien die Menschen spontaner geworden und würden sich kurzfristig nach Lust und Laune entscheiden, welche Veranstaltung sie besuchen möchten, erklärt Dieter Sigrist.

Viel Aufwand

Die Kulturei wird sowohl von der Gemeinde Sumiswald als auch vom Kanton Bern unterstützt. Auch Dieter Sigrist wird dem Verein künftig seine Hilfe anbieten. So wurden Anfragen und Ideen der kleinen Bühne bereits an die Kulturei weitergeleitet. Weiter erklärt Dieter Sigrist, dass der Aufwand, der dahinter steckte, trotz bescheidenen sechs bis acht Veranstaltungen pro Saison gross gewesen sei.

«Kaum war ein Anlass zu Ende, planten Silvia und ich bereits wieder den nächsten», so Dieter Sigrist. «Die Möglichkeit, die Gedanken und die Freizeit anderen Dingen zu widmen, kam dabei oft etwas zu kurz.» So wird das Ehepaar nun vermehrt Zeit mit seinen Töchtern und den Enkelkindern verbringen.

Letztes Konzert: Sonntag, 27. 8. 2017, 10 Uhr, Bärensaal, Sumiswald. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 09:48 Uhr

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