Dealer kommt mit blauem Auge davon

Das Anklageprinzip wurde verletzt. Ein Handwerker aus dem Emmental hat deshalb vor Gericht Gnade vor Recht erfahren.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau hat einen 33-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Er hat mit Drogen gedealt.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau hat einen 33-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Er hat mit Drogen gedealt.

(Bild: Keystone)

Chantal Desbiolles

Hängen geblieben ist doch noch etwas. Zwar schien es zuerst, als wollte Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser den Beschuldigten in allen Punkten freisprechen. Der Eindruck entstand, weil die Liste der Delikte ebenso lang war wie ihre Ausführungen langatmig und Verfahren bei Betäubungsmittelfällen ohnehin nicht gerade simpel und eindeutig sind. Kurz: Es dauerte am Donnerstagnachmittag seine Zeit.

Es handle sich um einen klassischen Betäubungsmittelfall, stellte die Vorsitzende des Dreiergremiums fest, das an diesem Nachmittag am Regionalgericht Emmental-Oberaargau das Urteil über einen 33-jährigen Drogenhändler und Drogenkonsumenten fällte.

Parallel laufende Verfahren, die sich gegenseitig beeinflussen, und, wenn überhaupt, gegensätzliche, wechselnde oder ungenaue Aussagen waren auch im vorliegenden Fall prägend. Die Ermittlungen ziehen sich in die Länge, die Verfahren werden aufwendig und teuer. Die Verteidigung des Beschuldigten beisst sich an formellen Einwänden fest. «Auf die gilt es genau einzugehen», sagt Fankhauser.  

Menge schwer zu berechnen

Das Gericht beschäftigte sich also eingehend mit den Grundsätzen und stellte fest: Das Anklageprinzip ist verletzt worden, ausserdem sind einzelne Vorwürfe verjährt. Die Anklageschrift nämlich diene der beschuldigten Person dahingehend, dass diese sich verteidigen könne. Ungenauigkeiten seien so lange nicht von Bedeutung, bis der Person klar sei, was ihr zur Last gelegt werde.

Geht es um verkaufte Mengen an Drogen, sind haargenaue Angaben allerdings recht schwer zu berechnen: Denn weder der Dealer noch sein Kunde, werden sie denn nicht in flagranti erwischt, sind wirklich interessiert daran, zur Aufklärung im Detail beizutragen.

Nur eine bedingte Strafe

Auf Schätzungen beruhen auch einige Angaben in der Anklageschrift, was in den Augen des Dreiergremiums nicht in jedem Punkt für eine Verurteilung reichte. Der arbeitslose Handwerker, der in einem Emmentaler Dorf einen regen Handel mit Amphetaminen, Ecstasy und Marihuana betrieben hatte, kam mit einer «Bedingten» davon: einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, ausgesetzt während einer Probezeit von fünf Jahren. Daran angerechnet werden die 73 Tage, die der 33-Jährige bereits in U-Haft verbracht hat. Zwei frühere Strafbefehle werden nicht widerrufen.

Berner Zeitung

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