Das Wohnexperiment

Burgdorf

Im Dezember ­fahren an der Thunstrasse die Bagger auf: Die Genossenschaft Generationenwohnen baut eine Siedlung mit rund 90 Wohnungen für Menschen von Jung bis Alt. Das Millionenprojekt wird von der Gebäudeversicherung finanziert.

Die geplanten Häuser an der Thunstrasse unterscheiden sich äusserlich kaum, die Grösse und Grundrisse der Wohnungen sind jedoch uneinheitlich.

Die geplanten Häuser an der Thunstrasse unterscheiden sich äusserlich kaum, die Grösse und Grundrisse der Wohnungen sind jedoch uneinheitlich.

(Bild: zvg)

Urs Egli

Eigentlich hätte die Siedlung mit vier Häusern und rund 90 Wohnungen nächstens bezugsbereit sein sollen. Doch Einsprachen und Beschwerden haben den Baustart um fast zwei Jahre verzögert. «Wir brauchten einen langen Atem, aber jetzt liegt eine rechtskräftige Baubewilligung vor», sagt Verena Szentkuti, Präsidentin der Genossenschaft Generationenwohnen.

Nun soll es vorwärtsgehen. Mitte Dezember wird auf dem 11'000 Quadratmeter grossen Areal, das in einer Zone für experimentelles Wohnen liegt, der Spatenstich erfolgen. Mit der Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) habe eine zuverlässige Partnerin und Investorin gefunden werden können, die dem generationenübergreifenden Lebens- und Wohnmodell positiv gegenüberstehe.

Will heissen: Die Genossenschaft hat mit der GVB, die das Millionenprojekt finanziert, einen Langzeitmietvertrag abgeschlossen und wird die Wohnungen an die Genossenschafter vermieten sowie für den Betrieb verantwortlich sein.

Wenn die Kinder ausfliegen

Bei dieser genossenschaftlich organisierten Wohnform werde bezahlbarem Wohnraum ebenso Gewicht beigemessen wie einem tragenden sozialen und generationenübergreifenden Netz, erklärt Szentkuti. Junge und Familien sind in der Siedlung gleich willkommen wie ältere Menschen und Alleinstehende jeden Alters.

«Wenn die Kinder ausgeflogen sind, fragen sich viele Eltern, wie es mit ihrer persönlichen Wohnsituation, gerade auch im Alter, weitergehen soll. In solchen Fällen kann unser zukunftsorientiertes Modell die Lösung sein», weiss die Genossenschaftspräsidentin aus ihrer bisherigen Praxis. Denn mehrere unterschiedliche Wohnformen wie zum Beispiel betreutes Wohnen seien möglich.

Zusammenarbeit mit Spitex

Ganz im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens soll die freiwillige Nachbarschaftshilfe eine Rolle spielen. «Einzelgänger entsprechen nicht unserem Bild des Zusammenlebens», sinniert Verena Szentkuti, ergänzt aber: «Die Nachbarschaftshilfe hat klare Grenzen.»

Wenn die Bedürftigkeit eines Bewohners zu gross werde, müsse professionelle Unterstützung,wie etwa die Siedlungs-Spitex angefordert werden können. Mit der Stiftung Intact, dem Alterszentrum Schlossmatt, dem Schulungs- und Arbeitszentrum für Behinderte sowie dem Spital Emmental habe die Genossenschaft bereits Kontakt aufgenommen.

Eine Koordinationsstelle steht allen Bewohnern der Siedlung bei, die in irgendeiner Form Auskunft und Unterstützung benötigen. Zudem koordiniert diese Stelle auch den Ressourcentausch unter den Mietern. «Damit es unter den Bewohnern einen guten, sinnvollen Mix gibt, sucht die Genossenschaft die Mieter aus», erklärt die Präsidentin.

Hindernisfreie Räume

Flexible Grundrisse würden den Bau der Genossenschaft Generationenwohnen auszeichnen, «damit wir auf die unterschiedlichen Lebensphasen und spezifischen Bedürfnisse unserer Bewohner reagieren können». Zudem würden spezielle Dienstleistungen angeboten, die das Alter und/oder eine Behinderung der Bewohner berücksichtigten.

Auch würden alle Wohnungen und der Aussenraum hindernisfrei gestaltet. «Jedes der vier Häuser hat einen eigenen Charakter», betont Verena Szentkuti. Und in jedem Haus soll es Wohnungen mit unterschiedlichen Grössen und Grundrissen geben: von Studios bis Viereinhalbzimmerwohnungen. Die Mieten würden sich im mittleren örtlichen Preissegment für Neubauten bewegen.

Im Erdgeschoss der viergeschossigen Wohnblocks entstünden Angebote wie Kindertreff, Tagesstrukturen für ältere Menschen, Spitexdienste, Gemeinschafts- und Fitnessräume, Cafeteria und Waschsalon.

«Obwohl wir verdichtet bauen, wird das Wohnen in unserer Siedlung angenehm sein. Die Häuser werden mit einem Rundweg miteinander verbunden und die Grünanlagen belebte und Ruhezonen aufweisen», blickt Szentkuti in die Zukunft. Sie geht davon aus, dass das Generationenwohnen an der Thunstrasse in Burgdorf Ende des Jahres 2018 bezugsbereit sein wird.

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