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Bald ist hier die letzte Masche gestrickt

Während 34 Jahren geschäftete Marlis Luginbühl mit ihren Woll- und Garnkreationen in der Rütschelengasse. Jetzt verlässt sie die ­Emmestadt in Richtung Bowil.

Marlis Luginbühl spart sich den Weg nach Burgdorf.
Marlis Luginbühl spart sich den Weg nach Burgdorf.
Daniel Fuchs

Ende April schliesst in der Burgdorfer Oberstadt ein weiteres Geschäft seine Tore. Marlis Luginbühl, die Betreiberin des Wollmodegeschäftes Lismir, zügelt ihren Laden in ihre privaten Räume. Noch hängen unterschiedlichste und aparte Strickkreationen an Ständern.

Auf den Regalen stehen Garnspulen in vielen Farben. Nach und nach zügle sie alles in ihr Bauernhaus nach Bowil, sagt die 62-jährige Modeschöpferin. Wer nachher in die zwei Räume ziehen werde, wisse sie nicht. Wie der Liegenschaftsbesitzer Wolfgang Richner auf Anfrage sagt, konnte bis anhin noch kein Nachmieter gefunden werden.

Alles begann mit Wolle

Als Marlis Luginbühl, damals noch Egger, 1982 in einem kleinen Raum an der Rütschelengasse in Burgdorf ihr Wollgeschäft eröffnete, verkaufte sie in erster Linie spezielle Wolle und Garne. «An einem anthroposophischen Spinnrad habe ich sogar Wolle gesponnen», ergänzt sie lachend. Sie habe einfach mal angefangen, ohne besondere Visionen.

Die Nachfrage nach Wolle und Selbstgestricktem sei zu dieser «Bio»-Zeit gross gewesen. Bereits damals tüftelte die Burgdorferin an eigenen Entwürfen aus Wolle und Garn. «Ich strickte noch alles von Hand», erinnert sie sich. Diese Art der Fertigung behielt sie bis in die späten Neunzigerjahre bei.

Erste Strickmaschine

Als die Autodidaktin und ausgebildete Konfektionsverkäuferin immer mehr Aufträge erhielt, leistete sie sich eine Strickmaschine und zog in grössere Räume im Obergeschoss der Liegenschaft. Bald folgte die erste Modeschau mit selbst entworfenen, maschinengestrickten Kleidern in den Alpina-Räumen.

Ihre Modelle präsentierte sie zwischen Werken ihres kürzlich verstorbenen Mannes Brutus Luginbühl. Dank der Teilnahme an Messen wie etwa der Muba, für welche sie sich erst mal mit ganz besonderen Strickmodellen ihres Labels Lismir bewerben musste, hatte sie bald einmal Kundinnen aus der ganzen Schweiz.

Gute Zeiten dank Manor

Zu Zeiten des Manors in der Schmiedengasse sei ihr Burgdorfer Geschäft besonders gut gelaufen, betont Marlis Luginbühl. Seither lebe sie vorwiegend von der Messestammkundschaft, «obwohl ich dank guten Kontakten mit den Geschäftsbetreibern in der Oberstadt auch neue Kundinnen generieren konnte».

Dies verwundert kaum, fallen ihre Strickkreationen doch unter anderem durch vielfältig nutzbare Details auf. «Ich habe immer schon gerne lösungsorientiert herumgetüftelt», sagt die Mutter von zwei Kindern und drei Grosskindern.

Private Gründe

Der Grund, warum sie nun von Burgdorf wegziehe, sei privater Natur. Durch den Tod ihres Gatten, des Eisenplastikers Brutus Luginbühl, seien in ihrem Bauernhaus in Bowil Atelierräume frei geworden. Dort will sie künftig arbeiten und auch ihre Lismir- Kundschaft empfangen.

Das Mitmachen an Messen sei Geschichte. Vielmehr schwebe ihr vor, daheim Atelierausstellungen mit Werken ihres Mannes und ihren Lismir-Kreationen durchzuführen. Dass die neue Adresse etwas abseits einer gängigen Passantenlage liegt, stört Marlis Luginbühl nicht. «Ich habe ja eine Website, und meine Stammkundschaft findet mich auch dort.» Ausserdem erspare ihr die neue Situation auch den Weg nach Burgdorf durch das lästige Nadelöhr Oberburg.

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