Auf Glatteis zum Erfolg tanzen

Burgdorf

Sie haben kühne Träume, die Junioren von Cool Dreams. Das Synchronized Skating Team des Eislaufclubs Burgdorf vertritt die Schweiz an der WM in Neuenburg.

<b>Teures und aufwendiges Hobby:</b> Die Junioren der Cool Dreams während des Trainings in der Localnet-Arena.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Teures und aufwendiges Hobby: Die Junioren der Cool Dreams während des Trainings in der Localnet-Arena.

(Bild: Beat Mathys)

«Wir haben hart trainiert und sind sehr stolz, unser Land an der Junioren-WM vertreten zu dürfen», sagt Dario Nocera, bevor er mit seinem Team Richtung Neuenburg aufbricht. Er ist der Team-Captain und hat am Mittwoch ein letztes Mal in der Localnet-Arena trainiert.

Ab sofort perfektioniert er das Kurzprogramm und die Kür in der Patinoire du Littoral in Neuenburg. Das Team Cool Dreams, das aus 19 Frauen und einem Mann besteht, die zwischen 14 und 19 Jahre alt sind, qualifizierte sich an den Schweizer Meisterschaften für die Teilnahme an der Heim-WM. Am Freitag und am Samstag gilt es ernst: Dann messen sich die Mitglieder des Eislaufclubs Burgdorf (ECB) mit 24 Team aus der ganzen Welt.

Synchronized Skating ist eine relativ junge Form des Eiskunstlaufes. Es gilt in der Gruppe so kunstvoll und synchron wie möglich über das Eis zu gleiten, im Gleichtakt passend zu der Musik zu punkten, ohne zu stolpern oder gar zu fallen. Eveliina Lundman ist die Trainerin von Cool Dreams: «Wenn wir einen routinierten Lauf haben, der das zeigt, was wirklich hart trainiert wurde und was wir können, dann bin ich zufrieden mit unseren Leistungen.»

Die 15 jungen Frauen und Dario Nocera, die bei den Wettkämpfen an den Schweizer Meisterschaften und dem jüngsten Schaulaufen mitliefen, werden in Neuenburg auf dem Eis stehen. Trainerin Lundman schliesst nicht aus, dass eine der vier Ersatzläuferinnen zum Einsatz kommt, weil jemand erkrankt und nicht ganz fit ist.

Dass der einzige Mann im Team der Captain ist, verdanke er nicht seinem Geschlecht, sondern seiner Erfahrung und seinem Können, erklärt die Trainerin.

Mit Medaillen zu rechnen, wäre mehr Illusion denn Traum. Unter anderem weil Amerika, Kanada, Finnland, Russland und Schweden in den vergangenen Jahren so erfolgreich waren, dass sie mit zwei Teams antreten dürfen. Diese bestehen aus Spitzensportlern, für die Synchronized Skating mehr ein sehr aufwendiges Hobby ist, wie beim Schweizer Team.

Zwischen 10 und 15 Stunden trainierten die Läuferinnen und Läufer im Emmental wöchentlich auf und neben dem Eis. «Eine Heim-WM ist sehr speziell, und unser Team hat während der ganzen Saison eine grosse Unterstützung vonseiten Swiss Ice Skating erfahren», erklärt Dario Nocera. Der Schweizer Eislaufverband habe die Emmentaler unter anderem mit Mentalcoaching und zusätzlichen Eiseinheiten unterstützt. Denn gerade die Trainings auf Eis sind relativ teuer.

Barbara Rascher, Vizepräsidentin des ECB: «Je nach Tageszeit kostet eine Stunde, in der ungestört auf dem Eis trainiert werden kann, bis zu 240 Franken.» Am beliebtesten und somit am teuersten seien die Stunden zwischen 17.30 und 20.30 Uhr – gleich nach Feierabend und Schulschluss. Vor rund drei Jahren machte der ECB auf diese relativ hohen Kosten aufmerksam, die es den Clubmitgliedern erschwerten, weiterhin erfolgreich zu sein.

In Zürich und Basel koste eine Stunde Eis deutlich weniger als in Burgdorf, und diese Ausgabe sei der grösste Budgetposten eines Eislaufclubs. Der ECB klärte gemäss Barbara Rascher ab, ob die Trainings in benachbarten Eishallen wie Huttwil oder Hasle-Rüegsau günstiger wären.

«Aber da wären die Reisekosten und die Reisezeit dazugekommen, deshalb trainieren wir meistens in Burgdorf.» Der ECB erhalte von vielen Seiten wie etwa der Stadt Burgdorf oder Swiss Ice Skating finanzielle Unterstützung und könne dank diesen Hilfen überleben.

«Viele junge Erwachsene sind nicht mehr gewillt, den grossen Trainingsaufwand sowie die jährlichen Kosten von rund 6000 Franken zu leisten.»Barbara Rascher, ECB-Vizepräsidentin

«Und wir haben kein Seniorenteam der Synchronized Skater mehr», sagt Barbara Rascher. Das sei aber keine geplante Sparmassnahme gewesen. Viele junge Erwachsene seien nicht mehr gewillt, den grossen Trainingsaufwand sowie die jährlichen Kosten von rund 6000 Franken pro Sportler auf sich zu nehmen, die bisher meistens die Eltern bezahlten.

Dario Nocera muss nicht lange überlegen, warum er diese Sportart ausübt: «Ich habe parallel zum Synchroneislaufen auch noch Einzellauf gemacht. Ich entschied mich für das Synchroneislaufen, weil mir der Teamsport mehr Spass bereitet, die Konkurrenz nicht so gross ist und somit die Erfolgsaussichten besser sind.» Glücksbringer oder Maskottchen habe sein Team keine im Gepäck: «Wir sind unseres eigenen Glückes Schmied.»

Barbara Rascher freut sich nicht nur als Vizepräsidentin, dass das Team Cool Dreams des ECB an der Junioren-WM antritt. Ihre Tochter läuft mit. «Ja, sicher bin ich da stolz», sagt sie. Wie die Trainerin schätzt auch sie die Chancen von Cool Dreams auf eine Medaille als gering ein. «Ein Platz unter den besten zehn wäre sensationell und würde Clubgeschichte schreiben», sagt Rascher.

Natürlich sei der Rang wichtig. Aber: «Es ist eine Heim-WM. Somit reisen nicht nur wir begeisterten Mamis und Papis an, um Cool Dreams anzufeuern. Auch Gotti, Götti, Grosi, Freunde, Nachbarn können dabei sein, weil Neuenburg fast vor unserer Haustür liegt, das wird einfach gewaltig für uns!»

Berner Zeitung

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