Burgdorf

Angeklagter taucht ab und auf

BurgdorfMit mehrstündiger Verspätung erschien ein mutmasslicher Mehrfachbetrüger vor dem Regionalgericht in Burgdorf. Das Urteil wird Mitte Februar eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 31-jährigen Freiburger vor, Geld für Smartphones, Playstations oder Lederstiefel kassiert zu haben, die er auf Onlineplattformen anpries. Das Bestellte habe er jedoch nie geliefert.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 31-jährigen Freiburger vor, Geld für Smartphones, Playstations oder Lederstiefel kassiert zu haben, die er auf Onlineplattformen anpries. Das Bestellte habe er jedoch nie geliefert. Bild: Keystone

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Auf der endlos grossen Wiese des Onlinehandels grast eine stetig wachsende Herde von weissen und schwarzen Schafen. Eines von letzteren hätte am Mittwochmorgen vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau antraben müssen.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 31-jährigen Freiburger vor, Geld für Smartphones, Playstations oder Lederstiefel kassiert zu haben, die er auf Onlineplattformen anpries. Das Bestellte habe er jedoch nie geliefert. Mit falschen Namen, wechselnden Adressen und verschiedenen Bankkonti habe der mehrfach einschlägig Vorbestrafte Leute aus der ganzen Schweiz hinters Licht geführt, schreibt die Anklagebehörde. Die Deliktsumme beläuft sich auf gut 8000 Franken. Die Staatsanwaltschaft erachtet eine unbedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten für angemessen.

Versichert

Zur Verhandlung erschien der Mann zunächst nicht. Das Gericht zeigte sich darob nur mässig erstaunt. Zwei Tage vor dem Prozess hatte Gerichtssekretär Richard Suter der Privatklägerschaft mitgeteilt, dass der Beschuldigte abgetaucht sei. Die Geschädigten verzichteten in der Folge darauf, nach Burgdorf zu reisen.

Der Pflichtverteidiger des Angeklagten teilte Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser mit, sein Klient habe sich am Vorabend telefonisch bei ihm gemeldet und ihm versichert, der Verhandlung beizuwohnen. Fankhauser brach den Prozess ab und vertagte ihn auf Februar. Gleichzeitig liess sie den Beschuldigten zur Verhaftung ausschreiben.

Verspätet

Sie konnte nicht ahnen, dass der Angeklagte in jenem Moment vor dem Gerichtsgebäude stand und sich wegen der Verspätung, wie er selber sagte, «nicht dafür hielt», einzutreten. Im Laufe des Nachmittags meldeten der Mann und sein Anwalt sich erneut am Empfang. Fankhauser und Suter zeigten sich flexibel und setzte den Prozess spontan neu an. Der Angeklagte sagte, er bestreite die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht. Die krummen Deals habe er abgewickelt, weil er «ums nackte Überleben» gekämpft habe. Bei seiner Mutter habe er nach Streitigkeiten ums Geld nicht mehr wohnen dürfen. Seither lebe er «mal hier und mal dort». Arbeiten würde er gerne, versicherte er.

Vorschlag

Ohne dem eigentlichen Urteil, das sie am 14. Februar eröffnen wird, vorgreifen zu wollen, erkundigte sich die Gerichtspräsidentin beim Beschuldigten, ob er sich vorstellen könnte, seine Strafe vorzeitig anzutreten. Nachdem er sämtliche Taten gestanden habe, erscheine es ihr als «nicht unwahrscheinlich», dass er die nächsten Monate hinter Gittern verbringen werde. Mit diesem Vorschlag erklärte sich der Mann einverstanden. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 06.12.2017, 18:34 Uhr

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