Abtauchen in eine andere Welt

Still und schön sind die Korallen, aber ­anspruchsvoll und teuer in der Haltung. Christine Messerli hat bei sich zu Hause ein Meerwasseraquarium. Sie ­erklärt, was es an Technik und Wissen dazu braucht, die Tiere am Leben zu erhalten.

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Draussen gackern Hühner, Enten schnattern, Meerschweinchen und Kaninchen springen im Gehege umher. Drinnen wird man vom Gezwitscher der Wellensittiche und vom Gekrächze der Papageien begrüsst. Eine Katze streicht um die Beine, eine andere faulenzt auf dem Tisch. Unwillkürlich wird aber der Blick angezogen von dem grossen beleuchteten Aquarium in der Stube.

Die Geräusche treten in den Hintergrund. Ruhe und Stille umfangen einen. Die Lautlosigkeit einer tropischen Unterwasserwelt. Da schwebt ein bunter Picasso-Drückerfisch, ein Kaiserfisch versteckt sich geschwind hinter einem Stein. Da taucht Dorie auf, der blau gezeichnete Paletten-Doktorfisch mit der gelben Flosse aus dem berühmten ­Disneyanimationsfilm. Und Nemo, der orange-weiss gestreifte Clownfisch, schmiegt sich an eine Anemone. Korallen auf den Riffsteinen bewegen sich im Rhythmus der Strömung sanft hin und her.

Das Schimmern

Im Haushalt von Christine Mes­serli in Zielebach leben viele Tiere. Die farbenprächtigsten unter ihnen sind im 850 Liter fassenden Meerwasseraquarium zu Hause. Gemeint sind dabei nicht nur die exotischen Fische, sondern auch die Korallen. Still, aber nicht unscheinbar, sind diese festsitzenden, koloniebildenden Nesseltiere. Sie schimmern weisslich bis zartrosa, an manchen Stellen fast violett. Wie Blumen wachsen sie auf den Steinen, zählen aber doch zu den Tieren.

Die Ruhe und der Frieden seien es, die sie an den Korallen fasziniere, meint Christine Messerli. Sie beobachte sie gerne, es sei wie Fernsehen ohne Ton. Dann weist sie sogleich darauf hin, dass diese Tiere trotz ihrer stillen Anmut keineswegs anspruchslos seien. Die Haltung von Korallen sei ein aufwendiges und zeitintensives Hobby, das viel Platz sowie Know-how benötige und viel Geld koste. «Ein Meerwasseraquarium ist teuer in der Anschaffung und teuer im Unterhalt. Ich denke nur schon an die Menge von Technik und die Stromkosten.»

Der Aufwand

Christine Messerli hat vor 25 Jahren mit der Haltung von Süsswasserfischen begonnen. Doch sei sie bald dem Reiz der tropischen Unterwasserwelt erlegen, die sie vom Tauchen her kannte. Sie beschloss, solche Fische und Korallen anzuschaffen, und informierte sich. Schnell war klar, dass es teuer wird: Mit 5000 bis 10 000 Franken müsse man rechnen, so Messerli. Die Leidenschaft war so gross, dass sie bereit war, zu investieren. Sie habe ihr erstes Becken designt. Um längerfristig Lebensbedingungen für Korallen zu schaffen, brauche es «echte, lebendige Steine. Nicht dieses Kunststoffzeugs».

«Um längerfristig Lebensbedingungen für Korallen zu schaffen, braucht es echte, lebendige Steine. Nicht dieses Kunststoffzeugs.»Christine Messerli

«Die zwei Hauptprobleme bei der Meerwasseraquaristik sind die Licht- und die Wasserqualität», erklärt Messerli weiter. Die Leuchten müssen mit speziellen LED ausgerüstet sein, handelsübliche Haushalts-LEDs reichten nicht aus. Eine Zeitschaltuhr steuert Tag- und Nachteinstellungen. Um die richtige Wasserqualität zu gewährleisten, müsse ein Technikbecken eingerichtet werden. Christine Messerli sagts und öffnet die Türen des Schranks, auf dem das Aquarium steht. Zum Vorschein kommt eine grosse Ausrüstung: vom Abschäumer, der die Schadstoffe quasi aus dem Wasser herausschäumt, über einen Biofilter und ein weiteres Becken mit Osmosewasser bis hin zu den Strömungspumpen, die die Wellenbewegung des Meeres simulieren. Heizstäbe halten das Wasser bei rund 26 Grad – im Sommer muss es gekühlt werden. Zu viel Wärme tötet Korallen ab.

Eine Osmoseanlage im Keller dient im Weiteren zur Auf­bereitung von Meerwasser. Monatlich führt Messerli einen Teilwasserwechsel durch und reinigt Boden und Scheiben des Aquariums.

Die Verantwortung

Anfänger sollten unbedingt mit Süsswasseraquarien beginnen, betont Christine Messerli. «Meerwasser ist wegen der technischen Voraussetzungen etwas für Fortgeschrittene.» Wegen des Disneyfilms hätten unüberlegte und nicht artgerechte Privathaltungen von Clownfischen, Korallen und Co. zugenommen, weiss sie. Leider seien zeitweise «diese Würfel» in Mode gekommen, die aber über kein Technikbecken verfügten und oftmals mit Tieren überfüllt seien. «Die Fische und Korallen gehen ein, dann werden einfach alle paar Wochen neue gekauft. Das ist unverantwortlich, zumal es sich sehr oft um Wildfänge handelt.»

Aber auch Messerli hat am Anfang Fehler gemacht. Ihr Wasser weise noch heute zu viel Phosphat auf, das habe sich in den Steinen abgesetzt und verunmögliche ihr nun die Haltung von Steinkorallen. Diese stellen noch höhere Ansprüche an die Wasserqualität als die Weichkorallen oder die einjährige Gorgonie, die Messerli besitzt. «Die Tiere fühlen sich bei mir grundsätzlich wohl», sagt sie. Sie würden sich auch vermehren, indem sich Ableger bilden. Einmal im Monat setzt Messerli Mischungen mit Spurenelementen dem Wasser zu, hauptsächlich ernähren sich Korallen aber via Licht (siehe Kasten).

Wenn die Korallen die Farbe wechseln oder die Polypen einziehen, sei dies kein gutes Zeichen. «Dann weiss ich, etwas ist nicht in Ordnung.» Ungefähr alle 14 Tage führt Christine Messerli einen Wassertest durch, «aber im Grunde sagen mir die Korallen, wenn es Zeit ist, nachzumessen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 08:38 Uhr

Serie

Nicht nur Menschen wandern ein, auch ursprünglich fremde Tiere sind – mehr oder weniger freiwillig – in der Region unterwegs. In einer Serie stellen wir tierische Einwanderer vor, erklären, wie sie gehalten werden, wo sie herkommen und was ihre Besitzer dazu gebracht hat, sie ins Emmental zu bringen. Darunter sind exotische Gesellen wie Korallen, Nasenbären oder eine Raubkatze. Aber auch Tiere, die zum Emmentaler Alltag gehören, sind irgendwann eingewandert: Schottische Hochlandrinder etwa, Zwergziegen oder Laufenten.

Die sesshaften Meeresbewohner

Als Korallen werden als festsitzende, koloniebildende Nesseltiere bezeichnet. Am bekanntesten sind die Steinkorallen, die durch Einlagerung von Kalk Skelette bilden. Ein Korallenriff entsteht, weil totes Skelettmaterial von lebendigem Gewebe überwuchert wird. Eine weitere artenreiche Gruppe sind die Oktokorallen, zu denen die Weich-, Leder- und Röhrenkorallen sowie die Gorgonien gehören.
Korallen kommen nur im Meer vor, vor allem in warmen tropischen Gewässern. Gemäss Wikipedia ernähren sie sich durch das Herausfiltern von Mikroplankton, Nährstoffen und Spurenelementen aus dem strömungsreichen Meerwasser. Viele der Korallen, die in Nähe der Wasseroberfläche leben, ernähren sich jedoch auch (oder sogar zum grösseren Teil) durch Endosymbionten, das heisst durch in die Polypenzellen eingelagerte Symbiosealgen, sogenannte Zooxanthellen, welche auch die intensiven Farben der Koralle verursachen. Diese einzelligen Algen sind mit ihrem Fotosynthese-Stoffwechsel in den Nährstoffhaushalt der Koralle eingebunden. Die Algen sind sehr temperaturempfindlich. Erwärmt sich das Wasser zu stark, beginnen sie, Giftstoffe zu produzieren. Die Korallen stossen die Algen ab und bleichen aus, daher der Begriff Korallenbleiche. Durch die globale Erwärmung kommt es häufiger und länger andauernd zum «Überhitzen» des Meerwassers. Dadurch verläuft eine Korallenbleiche schwerer und führt schliesslich zum Absterben der Tiere.
Korallen vermehren sich auf zwei Arten: zum einen geschlechtlich über Samen- und Eizellen und zum anderen vegetativ durch Zellteilung beziehungsweise Knospung.nnh

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