Burgdorf/Tromsø

Baden mit Killerwalen

Burgdorf/TromsøFreitaucherin Fiona Wüthrich hat sich zu Orcas ins Wasser gewagt – zur Winterzeit im norwegischen Nordpolarmeer.

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Sie werden bis zu 9 Meter lang und 6 Tonnen schwer: Killerwale gelten als die grössten Raubtiere der Erde. Im Winter locken riesige Heringsschwärme die majestätischen Jäger an die nordnorwegische Küste. Dies wiederum zieht Touristen an. Whale­watching erlebt in Orten wie Tromsø einen wahren Boom.Zur Beobachtung von Walen ist auch Fiona Wüthrich hergeflogen.

«Natürlich beobachte ich auch vom Schiff aus.» Doch die junge Burgdorferin will mehr. Sie will den schwarz-weissen Riesen in ihrem Element begegnen, will zu den Schwertwalen, wie sie wegen ihrer markanten Rückenflosse auch genannt werden, ins Wasser. Ins Nordpolarmeer – und das zu einer Jahreszeit, da die Sonne hier nicht über den Horizont steigt.

Ein wahnwitziges Abenteuer

Tatsächlich ist das Tauchen mit wilden Walen in Norwegen legal. Einige wenige Unternehmen bieten das Abenteuer seit über zehn Jahren an. Per Zufall lernte auch die 27-jährige Burgdorferin jemanden kennen, der dies in Nordnorwegen anbietet. «Die Chance, mir diesen Traum zu erfüllen, wollte ich mir nicht entgehen lassen», sagt sie. Geplant, gespart, gewagt. Eine Reise in Etappen.

Am 12. November steigt die 27-jährige in Tromsø aus dem Flugzeug. Es ist kaum kälter in der grössten Stadt in Norwegens Norden, weit nördlich des Polarkreises, als in Burgdorf. Bis hier erwärmt der Golfstrom das küstennahe Meer so weit, dass es auch im Winter nie zufriert.

«Wale in Sicht!»

Gleich nach der Ankunft wird Fiona Wüthrich vom tanzenden Lichterspiel des Nordlichts überrascht – und von der Nachricht, die Orcas befänden sich weit nördlich von Tromsø. Entsprechend länger dauert die Schifffahrt an Bord des Katamarans mit fünf Gästen.

«Wale in Sicht!», heisst es tags darauf. Der Ruf des Skippers lässt die Gäste in ihre wärmste Kleidung springen. Auf Deck bietet sich ein unwirkliches Bild: der Fjord, wie ein Schweizer See von verschneitem Gebirge gesäumt, aber menschenleer.

Darüber ein Himmel, dessen Pastell nicht verrät, ob es Morgen- oder Abendröte ist. Und im Wasser – die Wale! Eine stattliche Zahl. Rückenflossen gleissen. Schwanzflossen tauchen ab. Wie im Bilderbuch.

Besonders verblüffend ein Phänomen, das sich nur vor Nordnorwegen beobachten lässt: Seite an Seite jagen neben den Orcas auch Buckelwale den begehrten Hering.

Unter Wasser

Wasser ruhig am 14. November. Wieder Orcas in Sicht. Heute ist es so weit. Mithilfe von warmem Seifenwasser ist Fiona Wüthrich in ihren 7 Millimeter dicken Neoprenanzug geschlüpft. Er wird auch im arktischen Meer lange warmhalten.

Dann gibt der Teamleiter das Zeichen: Die Taucher können ins Wasser. In die Welt der Wale. Als Freitaucherin und Mitglied des Vereins Free­dive Bern bleibt Fiona Wüthrich nicht bloss an der Oberfläche. Sie taucht ab – mit und zu den Orcas. Fast 10 Meter tief.

«Ehe man sie sieht, hört man ihre faszinierenden Pfeif- und Klicklaute. Diese Geräusche werde ich nicht mehr vergessen», sagt die im juristischen Bereich tätige Tierfreundin rückblickend noch immer sichtlich berührt. «Dann sind sie plötzlich da!» Die Neugier und das Interesse der Tiere sind unbeschreiblich faszinierend und atemberaubend.»

Eines sei für sie klar, den Namen verdienten sie nicht. «Killerwale» seien sie nicht! Sie verhalten sich den ungewohnten Gästen gegenüber absolut friedlich. «In freier Wildbahn ist kein einziger Zwischenfall bekannt, wo Menschen durch Schwertwale zu Schaden kamen», erklärt Wüthrich.

«Nur in Delfinarien wie etwa Seaworld, wo die geplagten Tiere durch die Gefangenschaft Verhaltensstörungen entwickeln, kam es schon zu tödlichen Unfällen.»

Auge in Auge

Sechs Tage später fährt die Tierfreundin zurück an den Ausgangspunkt. Plötzlich begleitet eine ganze Orcaschule den Katamaran. Bewegt sitzt Wüthrich vorne am linken Bug. Aus purer Freude begleiten die anmutigen Meeressäuger das Schiff, spielen in der Bugwelle. Sogar ein ganz junges, rosafarbenes Baby ist dabei. Die Tiere zeigen Neugier an der Frau am Bug. Man betrachtet sich gegenseitig. Auge in Auge.

Fiona Wüthrich weint Tränen der Freude. Ihr bleibt die Erinnerung an Begegnungen mit einer magischen, anderen Welt. «Und die Vorfreude auf den nächsten Winter», sagt sie und lächelt verschmitzt. «Ich habe bereits wieder gebucht!» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 13:33 Uhr

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