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14 Millionen für eine kleine Station

Die BLS bringt den Bahnhof Grünenmatt auf Vordermann – gezwungenermassen. Sie muss die Haltestelle zwischen Ramsei und Sumiswald behindertengerecht machen und nutzt die Gelegenheit für ein Facelift.

Nach dem Umbau gibt es am Bahnhof Grünenmatt nur noch zwei Gleise. Das Bahnhofgebäude bleibt bestehen, der Güterschopf kommt weg.
Nach dem Umbau gibt es am Bahnhof Grünenmatt nur noch zwei Gleise. Das Bahnhofgebäude bleibt bestehen, der Güterschopf kommt weg.
Thomas Peter

Es ist nicht grad ein Plätzchen im Grünen, der Bahnhof Grünenmatt, eine Haltestelle zwischen Ramsei und Sumiswald. Aber fast. Grünenmatt ist ein Weiler der Gemeinde Lützelflüh und hat ungefähr 800 Einwohner. So genau können das die Behörden nicht beziffern.

Jedenfalls genug, um einen eigenen Bahnhof zu haben, und auch gross genug dafür, dass die BLS 14 Millionen Franken in die Haltestelle investiert. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Denn vor allem ein Grund veranlasst das Bahnunternehmen dazu, so tief in die Tasche zu greifen: das Behindertengleichstellungsgesetz, kurz: BehiG.

Es verlangt, dass alle Bahnen bis 2023 ihre Infrastruktur so anpassen, dass ein «diskriminierungsfreier» Zugang zum öffentlichen Verkehr möglich ist. Im Emmental kostet das die BLS bis 2019 nicht weniger als 180 Millionen Franken (siehe Infobox).

220 Passagiere pro Tag

In Grünenmatt verkehren pro Tag 74 Züge, und etwa 220 Passagiere steigen an dem kleinen Bahnhof im Herzen der Gemeinde Lützelflüh ein und aus. In den kommenden Jahren rechnet das Bahnunternehmen mit einer Zunahme auf ungefähr 300 Passagiere.

Zudem nutzt das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) eines der Gleise für Rangierfahrten zum Tankdepot des Logistikcenters Thun, das hinter dem Bahnhof am Waldrand liegt.

Um dem BehiG gerecht zu werden, muss die BLS die Perrons ­erhöhen und verlängern, sodass die Reisenden ebenerdig ein- oder vom Zug aus- und allenfalls in den Bus umsteigen können.

Der Güterschopf kommt weg

Der Bahnhof wird allerdings nicht nur «diskriminierungsfrei» gemacht, sondern bekommt auch gleich eine Art Lifting. Wie die BLS auf Anfrage mitteilt, bleibt zwar das Bahnhofgebäude mitsamt der Wohnung bestehen. Der Güterschopf und die Rampe kommen aber weg. Neben dem Bahnhofgebäude entsteht ein Perrondach mit Beleuchtung und einem neuen Warteunterstand.

Zudem verbessert sich der Zugang zu den Zügen, weil die Fahrgäste beim Einsteigen nicht mehr das unbenutzte Gleis 1 überqueren müssen, wie dies heute der Fall ist. Neu halten die Züge direkt vor dem Bahnhofgebäude. Derzeit verfügt der Bahnhof über drei Gleise, nach der Modernisierung werden es noch zwei sein.

Für den Güterverkehr der Armasuisse bleibt die Situation aber gleich: Er kann weiterhin unabhängig des Personenverkehrs auf dem zweiten Gleis rangiert werden. Neben all dem werden auch gleich die Gleis-, die Fahrleitungs- und die Sicherungsanlagen am Bahnhof ersetzt.

Die Handweiche kommt weg

Nicht nur moderner wird der alte Bahnhof, sondern auch sicherer, schreibt die BLS weiter. Grünenmatt wird als einer der wenigen Bahnhöfe auf dem BLS-Streckennetz noch über eine Handweiche gesteuert.

Das heisst, dass bei angekündigtem Güterverkehr immer jemand des Fahrdienstpersonals von Ramsei nach Grünenmatt kommen muss, um die Weichen zu stellen. Künftig werden die Sicherungsanlagen von der Betriebszentrale in Spiez aus ferngesteuert. So werde nicht nur der Bahnbetrieb sicherer, betont die BLS, auch werde der Arbeitsaufwand kleiner.

Das Plangenehmigungsverfahren ist vor einer Woche abgelaufen. Gegen das Projekt sind drei Einsprachen eingegangen. Ob die BLS wie geplant im Frühling 2018 mit den Arbeiten starten kann, bleibt daher offen.

Das Bundesamt für Verkehr, die zuständige Behörde, macht keine Angaben zum Inhalt der Einsprachen, und die BLS selber hat sich ihrer noch nicht angenommen. Somit ist auch nicht klar, ob der auf Vordermann gebrachte Bahnhof, wie vorgesehen, im Dezember 2018 in Betrieb genommen werden kann.

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