Zu viel Blech trübt die Freude an den Blumen

Eggiwil

Die Krokusse auf Rämisgummen sind verblüht – und die Landwirte in dem Gebiet atmen auf. Denn während sich die einen an der Blütenpracht ergötzen, leiden die andern unter der immer grösser werdenden Blechlawine.

Auto um Auto drängt an schönen Sonntagen, wenn die Krokusse blühen, auf die Rämisgummen-Alp – nicht zur Freude der Wanderer.

Auto um Auto drängt an schönen Sonntagen, wenn die Krokusse blühen, auf die Rämisgummen-Alp – nicht zur Freude der Wanderer.

(Bild: Hans Wüthrich)

Susanne Graf

Ein Reiseunternehmen aus Thun schreibt auf seiner Website eine geführte Wanderung zu den blühenden Krokussen auf der Alp Rämisgummen aus. Am 7. Mai soll sie stattfinden. Die Teilnehmer werden enttäuscht sein: Die Blumen sind verblüht. – «Gott sei Dank», ist Lydia Zürcher geneigt zu sagen. Sie wohnt an dem Strässchen, das zur Alp führt.

Es ist ein Gütersträsschen, das eigentlich mit einem Fahrverbot mit Zubringerdienst belegt wäre. Hier dürfte nur durchfahren, wer entweder in einem der Häuser hinter dem Hof Hinter-Blapbach wohnt oder das Restaurant Erika auf der Alp Geisshalden besuchen will. Aber an schönen Frühlingstagen, vor allem an Sonntagen, wenn die Krokusse auf Rämisgummen in voller Blüte stehen, kriecht viel Blech den Weg hinauf.

«Es ist mehr als mühsam», sagt Lydia Zürcher. Damit meint sie weniger das eigentlich verbotene Befahren ihres Gütersträsschens als die Tatsache, «dass die Leute die Autos abstellen, wie und wo es sich gerade ergibt». Und das werde von Jahr zu Jahr schlimmer. Es wird beobachtet, wie die Besucher der Blumenpracht ihre Autos kreuz und quer in den Matten abstellen, sich gegenseitig beim Wegfahren hindern und darob noch untereinander in Streit geraten.

Würde ein Kässeli helfen?

Auch für Nadja Aeschimann Willi hat die Blütenpracht auf Rämisgummen eine Kehrseite: «Die Leute parkieren auf unserer Wiese, auf der wir nachher Kühe weiden und heuen wollen. Das ist nicht nett.» Denn niemand entschädige die Bauern, die an der Zubringerstrasse wohnen, für den angerichteten Landschaden. Wenn die Pächterfamilie auf Rämisgummen im Herbst jeweils ihren Käseteilet durchführe, würden sie gefragt und für die zur Verfügung gestellten Parkflächen entschädigt. «Doch während der Krokuszeit kommen die Leute und machen, was sie wollen.»

Die Anzahl der Autos nähme stetig zu, beobachtet die Bäuerin, die schon über 25 Autos auf ihrem Land gezählt hat. Die Situation werde immer krasser. «Langsam kommt die Frage auf, ob wir das weiterhin so tolerieren wollen», sagt Nadja Aeschimann. Laut denkt sie darüber nach, ob den Besuchern mit dem Aufstellen eines Kässelis oder einem Schild bewusst gemacht werden könnte, dass ihr Verhalten «einfach nicht in Ordnung und rücksichtslos» sei.

Keine Ruhe

Eine, die sich mit der Parkiererei abgefunden hat, ist Helene Hofmann. «Sonst machen wir uns selber kaputt», sagt sie. Denn im Frühling und im Herbst hätte sie fast jeden Tag Grund, einen Touristen zurechtzuweisen. Um ihren Bauernbetrieb werden während der Wandersaison stets Autos parkiert. Denn er liegt auf Hinter Blapbach, an der Kreuzung, wo das Schild steht, das darauf hinweist, dass ab hier nur noch Zubringerdienst gestattet ist.

Doch womit sich Helene Hofmann bei aller Toleranz schlecht arrangieren kann, ist «dieser Verkehr während der Krokuszeit». – Dieses ständige Hinauf- und Hinunterfahren. Helene Hofmann hatte keine Freude, als diese Zeitung im März ein Bild vom ersten blühenden Krokus auf Rämisgummen zeigte. Denn kurz darauf ging es wieder los. «Mir tun die Leute leid, die auf dieser Strecke gerne wandern würden», sagen Helene Hofmann und Lydia Zürcher.

Die Pächterfamilie, die diese viel besuchte Alp seit dreizehn Jahren bewirtschaftet, will sich, auf die Verkehrssituation angesprochen, in dieser Zeitung nicht zitieren lassen. Die Rämmisgummen-Alp zählt immer noch zur Herrschaft Rümligen, einst gehörte sie der legendären Madame de Meuron.

(Zu) viel Werbung

Für dieses Jahr hat sich das Problem mit dem Verblühen der Krokusse erledigt. Bleibt abzuwarten, ob sich bis nächsten Frühling Massnahmen gegen die Blechlawine finden lassen. Bisher wurden weder der Präsident der betroffenen Weggenossenschaft Hindten noch die Gemeinde Eggiwil offiziell auf die Problematik hingewiesen.

Auch Christian Billau, dem Leiter von Emmental Tourismus, ist die Klage der Anwohner bisher nicht zu Ohren gekommen. Deshalb wirbt er auf seiner Website nach wie vor mit prächtig blühenden Krokussen für die schöne Emmentaler Landschaft – während anderen wohler wäre, wenn dieses Bild nie den Weg ins weltweite Netz gefunden hätte.

Berner Zeitung

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