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Von der Remise zur Museumsbahn

Die Freunde der Eisenbahn haben Grosses vor. Zwei Vereine, die sich um historische Loks und Wagen kümmern, haben in Langnau eine alte Remise gekauft – und denken bereits laut über eine Emmentaler Museumsbahn nach.

Das nächste Projekt: Alte Züge sollen, wie schon regelmässig am Slow-up (Bild), die stillgelegten Linien im Raum Sumiswald beleben.
Das nächste Projekt: Alte Züge sollen, wie schon regelmässig am Slow-up (Bild), die stillgelegten Linien im Raum Sumiswald beleben.
Daniel Fuchs

Auf den ersten Blick sieht der dunkle stattliche Bau aus wie ein gewöhnlicher Holzschuppen. Erst bei genauerem Hinschauen fallen ein paar überraschende Details auf. Die unscheinbaren Verzierungen über den Fenstern etwa oder die in viele kleine Scheiben unterteilten Fenster selber, dazu die kräftigen Profile an den Balken unter dem Dach oder das wuchtige Dach selber – nicht ohne Grund stuft die Denkmalpflege die alte Lokremise beim Bahnhof Langnau als erhaltenswert ein.

Wertvolles Ensemble

Deshalb hatte sie gar keine Freude, als die SBB mit dem Gedanken eines Abbruchs spielte, als sie vor ein paar Jahren ihre Linie ins Emmental modernisierte. Zumal die Remise ihren Wert auch als Teil der historischen Bahnhofanlage hat und in dieser Art kaum mehr zu finden ist.

So erzählt es Markus Barth – und gibt gleich Entwarnung. Denn mittlerweile hat das Gebäude die Besitzer gewechselt. Bereits vor gut einem Jahr ist es an die Vereine «Club Salon Bleu» und «Historische Eisenbahn Emmental» übergegangen. Diese hegen und pflegen alte Fahrzeuge, beim «Club Salon Bleu» sind die elektrischen Züge das Thema, beim Verein «Historische Eisenbahn Emmental» die Dampfloks – Barth ist hier wie dort dabei und amtet in der gemeinsamen Remise nun als Betriebsleiter und Bauchef.

Alles an zwei Orte

Alles in allem kommen die beiden Vereine heute auf einen Park von mehr als zwanzig Fahrzeugen, abgestellt sind diese an einem halben Dutzend Orten im Emmental, in der Region Bern und im Berner Oberland. Dank der eigenen Liegenschaft wird dies schon in den kommenden Wochen einfacher: Alle Elektro- und Dampfloks mitsamt den dazugehörigen Personen- und Güterwagen stehen dann neu in Langnau sowie weiterhin auch in Huttwil.

Dort ist der Verein «Historische Eisenbahn Emmental» im alten Depot der ehemaligen Vereinigten Huttwil-Bahnen (VHB) schon seit Jahren daheim. Trotz des Projekts in Langnau wird er dies auch in Zukunft bleiben.

Lehrlinge bauten Gleis

«Das Dach ist tipptopp», sagt Barth mit einem Blick zum Giebel der Remise, und erklärt damit, warum die Züglete derart rasch über die Bühne gehen kann. Eine wichtige Vorarbeit ist zudem in den letzten vier Wochen erledigt worden: Gleisbaulehrlinge haben das Gebäude wieder ans Schienennetz angeschlossen. Die SBB hatte diese Verbindung im Zuge der Modernisierungsarbeiten gekappt.

Äusserst günstig sei dies zu stehen gekommen, blickt Barth zurück. In ähnlicher Art hofft er nun, fortfahren zu können. So müssen in der Remise unter anderem noch der Boden betoniert, die grossen Holztore von Grund auf in Stand gesetzt und die kaputten Fenster ersetzt werden. «Eine aufwändige und entsprechend teure Arbeit», seufzt er und zeigt auf die unzähligen kleinen Scheiben.

Wie sich die zwei Vereine so etwas leisten können? Wo Barth die Kosten doch je nach Ausbaustandard auf 300000 bis 500000 Franken schätzt und diese möglichst ohne teures Geld der Banken decken will?

Geld aus den Fahrten

«Wir hoffen stets auf Sponsoren, Gönner und zinslose Darlehen.» Weiter erledigten die Vereinsmitglieder vieles gratis und franko selber, zudem fielen in Zukunft die Mieten für die heutigen Unterkünfte weg. Und: Wichtig für die Einnahmen seien die Aktivitäten rund um die historischen Fahrzeuge.

Kein Wunder, immerhin sind genau sie der Grund für die Existenz der zwei Vereine, «wir wollen mit unseren Zügen fahren». Konkret bieten der «Club Salon Bleu» wie der Verein «Historische Eisenbahn Emmental» ihr Rollmaterial für besondere Anlässe an, organisieren für Firmen, Vereine und Private Extrafahrten, die weit über die Region hinausgehen können. Möglich sind diese nicht zuletzt dank der Lokführer, die sich zu diesem Zweck ebenfalls gratis zur Verfügung halten – «pro Mal springen so unter dem Strich rasch einmal ein paar 100o Franken heraus». Bei rund 30 Fahrten im Jahr kommt da eine hübsche Summe zusammen.

Am Schluss das Depot?

Vor diesem Hintergrund denkt Barth bereits weiter. Spricht davon, dass die Eisenbahnfreunde die ab Dezember für den regulären Verkehr definitiv stillgelegten Linien von Sumiswald nach Huttwil und in den Wasen von der BLS übernehmen und dann eine Museumsbahn aufziehen möchten. Das Emmental biete dafür ideale Voraussetzungen, schwärmt er (siehe Kasten) – auch, weil viele der alten Fahrzeuge einst der hier beheimateten RM-Bahn und deren Vorgängerinnen gehört hätten.

Wer weiss, vielleicht gelingt irgendwann auch noch der Kauf des alten VHB-Depots in Huttwil. Laut Barth zögert die BLS – weil sie noch nicht weiss, wie sie den dortigen Bahnhof modernisieren will und wie viel Land sie dafür braucht.

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