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Tückische Langete bereitet vermehrt Sorgen

Immer wieder und immer öfter führt die Langete zwischen Madiswil und Langenthal Hochwasser – trotz Entlastungsstollen. Der Hochwasserschutzverband sieht sich zunehmend in Alarmbereitschaft versetzt.

Ein seltenes Bild: Am 21.Juni 2007 floss die Langete letztmals durch den Ortskern von Langenthal. Kommt es künftig vermehrt dazu?
Ein seltenes Bild: Am 21.Juni 2007 floss die Langete letztmals durch den Ortskern von Langenthal. Kommt es künftig vermehrt dazu?
Ruedi Bärtschi

Besonders schlimm ist es, wenn im Gebiet zwischen Madiswil und Langenthal innert kurzer Zeit enorme Regenmengen niedergehen. Dann verwandelt sich die beschauliche Langete jeweils in einen reissenden Fluss. Eigentlich weiss man das. Und eigentlich ist der Hochwasserschutzverband unteres Langetental darauf vorbereitet: «45 Minuten brauchen wir, dann ist alles aufgebaut», erklärte Sekretär Beat Schöni an der Delegiertenversammlung das Sicherheitsdispositiv. Dieses kommt zum Tragen, wenn die Langete durchs Stadtzentrum von Langenthal abgelassen werden muss.

Die Frage ist nur: Reichen diese 45 Minuten noch aus, damit drohenden Verwüstungen vorgebeugt werden kann? Denn immer wieder und immer öfter kommt es im betroffenen Flussabschnitt zu prekären Pegelständen. Und das, obschon der Hochwasserentlastungsstollen bei Madiswil in Betrieb ist. Denn dort vermag das Einlaufwerk nur zu schlucken, was an Wassermassen oberhalb von Madiswil daherkommt.

Neue Ideen für Alarmierung

Der Hochwasserschutzverband beobachtet diese Entwicklung zunehmend mit Sorge. Die Verantwortlichen überlegen sich, wie die Alarmierung im Notfall optimiert werden kann. Beat Schöni nennt als mögliche Massnahme eine zusätzliche Messstation in der Langete. Denn derzeit verlässt sich der Verband hauptsächlich auf eine Messstelle in Lotzwil. Dort wurde am 29.Juli diesen Jahres eine Fliessmenge von 7,5 Kubikmetern pro Sekunde gemessen. «Ab 9 Kubikmetern wirds prekär. Dann wird alarmiert», sagte Schöni. Es habe nicht mehr viel gefehlt, und die Langete hätte durch den Langenthaler Stadtkern abgeleitet werden müssen. Auch die schützenden Holzabsperrungen wären dann zum Einsatz gekommen. So, wie letztmals im Juni 2007.

«Der Klimawandel ist schuld»

Beat Schöni präsentierte weitere Messkurven des laufenden Jahres mit zum Teil besorgniserregenden Ausschlägen. Als Ursache für die extremen Niederschlagsmengen im Messgebiet nennt der Verbandssekretär die Klimaveränderung. Ihr und den daraus resultierenden Unwettern sei es zuzuschreiben, dass auch in der Region künftig vermehrt mit Hochwasser zu rechnen sei.

Allerdings führt die Langete auch heute schon ab und an enorme Wassermassen. Das zeigt sich am Hochwasserentlastungsstollen bei Madiswil, der heuer bereits 16-mal in Betrieb genommen wurde – gegenüber 4-mal im letzten Jahr, wie Schöni ergänzte. Die Fliessmengen hielten sich zwar jeweils noch in Grenzen: Der Spitzenwert im laufenden Jahr sei an ebendiesem 29.Juli mit 8,3 Kubikmetern pro Sekunde erreicht worden. Zum Vergleich: Im Dezember 1995 wurden auch schon 40 Kubikmeter pro Sekunde durch den Stollen abgeleitet.

Notar soll Klarheit schaffen

Zu reden gab an der Delegiertenversammlung wiederum der Entlastungskanal an der Langenthaler Bahnhofstrasse, durch den die Wassermassen – werden sie denn durchs Stadtzentrum abgeleitet – abfliessen sollen. Der Kanal als Teil des alten Hochwasserschutzsystems, das vom Choufhüsi bis in den Hardwald führt, müsste unbedingt saniert werden. Doch die Instandstellung wurde aufgeschoben, weil rechtlich nicht geklärt ist, wer für den Kanal verantwortlich ist – die Stadt Langenthal oder der Hochwasserschutzverband.

Seit eineinhalb Jahren wird das Problem schon vertagt. Und das wird vorderhand auch so bleiben, denn noch immer ist unklar, wer für den Kanal zuständig ist und wer in welcher Form für die Sanierungskosten von rund 800'000 Franken aufkommen soll. Seitens der Stadt habe man bis Ende Sommer keine Antwort erhalten, sagte Schöni. Darum wird jetzt ein unabhängiges Berner Notariatsbüro eingeschaltet, das die rechtliche Situation bis zur nächsten Delegiertenversammlung im Frühjahr 2014 klären soll. Frühester Baubeginn für die Sanierung ist 2015.

Zum Schmunzeln Anlass gab die Anfrage eines Militäroffiziers an den Hochwasserschutzverband, der mit seinen Aspiranten im Rahmen einer Schlussübung durch den Hochwasserentlastungsstollen hätte waten wollen. Von Madiswil bis Bannwil – ganze 7,5 Kilometer. «Geht nicht», antwortete ihm der Verband, der seinen Stollen nicht zweckentfremden lässt.

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