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Schliessung des Silos weckt die Politik

Ende Jahr wird das Silo in Langenthal geschlossen. Acht Jahre war es Ort der Begegnung, Bildung und Beschäftigung für Flüchtlinge. Sie wollen für den Erhalt des Angebots kämpfen – mit ihnen zwei Politikerinnen.

Geben noch nicht auf: Silo-Leiter Rolf Geiser (links) und sein Mitarbeiter Gasim Nasirov (hinten, stehend) besprechen mit den Flüchtlingen die geplante Strassenaktion.
Geben noch nicht auf: Silo-Leiter Rolf Geiser (links) und sein Mitarbeiter Gasim Nasirov (hinten, stehend) besprechen mit den Flüchtlingen die geplante Strassenaktion.
Thomas Peter

Deutschkurse für Flüchtlinge gibt es gewiss nicht nur im Silo Langenthal. Was das Zentrum für Begegnung, Bildung und Beschäftigung für Asylsuchende von anderen Angeboten unterscheidet: Flüchtlinge sind hier nicht einfach unter sich. Mal putzen sie mit dem Zivilschutz Wälder; mal arbeiten sie bei Vereinsfesten mit; mal besichtigen sie einen Polizeiposten.

Doch nun ist Schluss: Nach acht Betriebsjahren muss das Programm des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks Bern Ende Jahr schliessen (s. Kasten). Oder vielleicht doch nicht ganz? Vertreter der Oberaargauer Politik wollen nicht tatenlos hinnehmen, dass das Silo zugeht. Jedenfalls nicht, ohne ein Teilangebot aufrechterhalten zu können.

Treffen am runden Tisch

Die Initiative ergreifen die Langenthalerinnen Nadine Masshardt (Grossrätin und Stadträtin SP) und Luzia Bosshard (Stadträtin Grüne). An einem runden Tisch Anfang Dezember wollen sie besprechen, welche Angebote im Oberaargau erhalten bleiben sollen und wie diese gerettet werden können. Dazu eingeladen haben sie auf der einen Seite Politiker, Kirchenvertreter und im Migrationsbereich engagierte Privatpersonen, auf der anderen Seite Vertreter von Fachstellen, darunter auch vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk selber. «Wir möchten zumindest das Silo als Gefäss erhalten», erklärt Silo-Leiter Rolf Geiser – auch wenn es von der Liste des Arbeiterhilfswerks gestrichen werde.

Der 62-Jährige denkt dabei etwa an den Miteinbezug dritter Organisationen, damit die Räume im Silo weiter gemietet werden könnten. «Denn unsere Leute verlieren sonst einen Ort, an den sie ihre Integration festbinden konnten.»

Mehr als nur Arbeitsort

Auch für Imad El-Din Adam Muhamed ist das Silo weit mehr als nur Arbeits- und Bildungsort – obwohl er im Silo auch viel gelernt habe. «Hier haben wir Kontakte», sagt der 33-jährige Sudanese. Durch Arbeitseinsätze, die das Silo koordiniert, hat er Schweizer kennen gelernt. Auch auf die Malgruppe in Huttwil, der er seit einiger Zeit angehört, ist er durch das Silo gestossen.

«Wenn das Silo zugeht», sagt Imad El-Din Adam Muhamed, «wissen wir nicht, was wir tun sollen.» Dass nun zwei Politikerinnen aktiv werden, um ein Teilangebot zu retten, freut ihn deshalb umso mehr. Und mit ihm die anderen gut 30 Teilnehmer im Beschäftigungsprogramm und rund 25 Teilnehmer der Deutschkurse.

Rolf Geiser erklärt: «Das Silo ist für diese Leute, die immer wieder auf Zurückhaltung und Ablehnung stossen, Ausdruck jener schweizerischen Welt, die ihnen helfen will.»

Das Silo auf der Strasse

In der blossen Opferrolle will Geiser seine Schützlinge aber nicht sehen. Sie sollen lernen, «in kleinen Schritten ihre Möglichkeiten auszuschöpfen». Und das tun sie dieser Tage mit grossem Eifer: Im Silo bereiten sie sich auf eine Strassenaktion am 14.November vor. Kein Protest solle es werden, betont Geiser. Vielmehr verlegen die Flüchtlinge dann das Silo auf die Marktgasse und zeigen dort auf, was sie im Silo tun und lernen: Werkarbeiten werden präsentiert, Deutschkurse improvisiert, Integration gelebt – und dadurch das Selbstbewusstsein gestärkt.

Die Strassenaktion sei geradezu ein ideales Feld für Integration, freut sich Rolf Geiser schon heute. Für Integration «als die Erfahrung, sich einzubringen».

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