Nur Sumiswald hat Platz für Jenische

Sumiswald

Sumiswald ist die einzige der 42 Emmentaler Gemeinden, die bereit ist, den Schweizer Fahrenden einen Durchgangsplatz zur Verfügung zu stellen. Weitere Provisorien werden gesucht.

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Susanne Graf

«Es ist eine Schande, dass ein ganzes Volk eine Demo durchführen musste, bis Bund und Kanton realisierten, dass wir fast keinen Platz mehr hatten.» Das sagte Claude Gerzner, der Pressesprecher der Schweizer Jenischen, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Sumiswald. Ins Emmental gereist waren er und Christoph Neuhaus als Justizdirektor des Kantons Bern, weil Sumiswald zu jenen wenigen Gemeinden gehört, die dem Problem der Schweizer Fahrenden Abhilfe schaffen wollen.

Vier neue Durchgangsplätze

Der Gemeinderat von Sumiswald hat beschlossen, den gemeindeeigenen Eisplatz in Grünen bis vorerst am 30.Oktober 2017 zur Verfügung zu stellen (wir berichteten). Dort hat es Platz für 5 Wohnwagen. Zusammen mit der Pneu Bösiger AG bietet auch die Gemeinde Rohrbach auf dem Areal Alte Sagi Platz für 20 Wohnwagen an. Der Kanton wurde zudem in Interlaken unter dem Goldswilviadukt fündig, wo 5 Stellplätze möglich werden.

Weitere 15 Wohnwagen können die Schweizer Fahrenden künftig im Froumholz in der Gemeinde Muri-Gümligen abstellen. Noch muss die Gemeinde als Landeigentümerin die Frage eines Wegrechts klären. Der Kanton stattet die Plätze für insgesamt rund 70'000 Franken mit Wasser- und Stromanschlüssen, sanitären Anlagen und Umzäunungen aus.

Nur provisorisch

Ausser jenem in Sumiswald stehen die neuen Plätze vorerst nur bis November 2014 zur Verfügung. Auch die nach dem Protestcamp vom Frühling gefundenen Plätze in Bern und Biel sind lediglich Provisorien. Das ist der Grund, warum Gerzner gestern zwar Dank äusserte für die Bemühungen von Kanton und Gemeinden, gleichzeitig aber die bange Frage stellte: «Was ist danach?» «Wir sind in der Pflicht, den Schweizer Fahrenden Plätze zur Verfügung zu stellen», hielt Justizdirektor Christoph Neuhaus (SVP) fest.

Er beeilte sich festzuhalten, dass der Kanton nicht untätig gewesen sei, sondern «jahrelang» an der Suche nach Plätzen gearbeitet, jedoch stets Absagen erhalten habe. «Aber wir wollen den heutigen Schwung mitnehmen und weiterfahren», sagte er. Die Gemeinderäte von Bern und Biel hätten signalisiert, weiterhin Hand bieten zu wollen, mit weiteren Gemeinden sei der Kanton im Gespräch. Bis definite Durchgangs- und Standplätze zur Verfügung stünden, sei wegen der Planungsverfahren mit zwei bis drei Jahren zu rechnen. Bisherige Stand- und Durchgangsplätze stehen in Bern, Belp, Biel, Ins, Thun und Brienz weiterhin offen. «Sie werden uns bereichern»

«Entscheidend für die Zukunft wird die Zusammenarbeit mit Bund, Kanton, Gemeinden und den Fahrenden sein», sagte der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher. «Ich wünsche mir, dass die Schweizer Fahrenden in unserer Gesellschaft den Platz erhalten, den sie verdienen», fügte er hinzu. Sumiswalds Gemeindepräsident Christian Waber zeigte sich überzeugt: «Der Kontakt mit den Jenischen wird uns bereichern.» Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern gab ihm recht und betonte, die Gemeinde habe mit den Jenischen auf dem kurzfristig eröffneten Durchgangsplatz nur positive Erfahrungen gemacht.

Für ausländische Fahrende kann der Kanton noch keine Lösung bieten. In Zusammenarbeit mit dem Bund sollen Transitplätze entlang der A1 und A5 geschaffen werden. Sollten ausländische Fahrende in Sumiswald halt machen wollen, «wird der Platz von der Polizei geräumt», versicherte Gemeindepräsident Waber.

Berner Zeitung

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