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Katzenaktion erhitzt die Gemüter

Die geplante Einfangaktion von herrenlosen Katzen spaltet das Dorf: Das zeigte der Infoanlass. Dennoch soll die Aktion Anfang Dezember beginnen.

Schwerer Stand: Lara Röthlisberger (links) vom Tierschutzverein Oberaargau informiert die vielen Interessierten über die vorgesehene Katzenaktion. Rechts eine der umstrittenen Katzenfallen, die demnächst in Gondiswil aufgestellt werden.
Schwerer Stand: Lara Röthlisberger (links) vom Tierschutzverein Oberaargau informiert die vielen Interessierten über die vorgesehene Katzenaktion. Rechts eine der umstrittenen Katzenfallen, die demnächst in Gondiswil aufgestellt werden.

Es mögen gut 100 Leute gewesen sein, die am Donnerstagabend den Mehrzweckraum des Gemeindehauses füllten. Das ist mehr als meist an den Gemeindeversammlungen des 740-Seelen-Dorfes. Nicht verwunderlich, traktandiert war ein emotionales Geschäft: die Katzenaktion der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein Oberaargau.

Denn Gondiswil hat ein Katzenproblem. In der kleinen Gemeinde streunen rund 40 verwilderte Katzen herum. Gemeindevizepräsident Fritz Nyfeler spricht bereits von einer «Plage». Das birgt Gefahren. Solche Katzen sind nicht geimpft und können Krankheiten übertragen. Deshalb sollen sie jetzt mit Fallen eingefangen, medizinisch gecheckt, kastriert und in die Obhut des Tierschutzvereins kommen. Bereits kranke Katzen würden eingeschläfert.

«Minimaler Stress»

Damit gesunde Katzen, die jemandem gehören, nicht irrtümlich von der Aktion erfasst werden, wird ein «Katzendossier» angelegt. An der Information am Donnerstag erklärte Lara Röthlisberger, Katzenverantwortliche beim Tierschutzverein, wie diese Dossiers funktionieren. Dort können Katzenbesitzer die besonderen Merkmale ihrer Tiere eintragen und ein Foto beilegen. Tappt einmal eine Hauskatze in die Falle, könnte sie mittels Dossier identifiziert und ihrem Besitzer übergeben werden.

Gerade diese Katzenfallen stossen bei vielen Gondiswilern auf Skepsis, wie sich am Infoanlass zeigte. Doch Lara Röthlisberger beschwichtigte: Das Einfangen mit dieser Methode sei mit «minimalem Stress» für die Tiere verbunden. Und es gebe schlicht keine Alternative, um des Problems Herr zu werden. Die streunenden Katzen sehen aber offenbar viele Gondiswiler nicht als Problem. Die Situation werde dramatisiert, kritisierte ein älterer Mann.

Gondiswil sei schliesslich ein Bauerndorf, wo es normal sei, dass Katzen frei herumlaufen und da und dort etwas zum Fressen bekommen. Und einer meinte: «Wir haben keine Katzenplage, wir haben eine Mäuseplage.» Anders die Argumentation eines weiteren Kritikers: Er stellte die rechtliche Legitimation der Aktion infrage. Vizegemeindepräsident Fritz Nyfeler war da anderer Meinung. «Es geht ums Gemeinwohl – und da muss man halt manchmal unpopuläre Entscheide treffen.»

Grosse Resonanz

Es gibt allerdings auch zahlreiche Befürworter der Aktion. Ein Mann berichtete, wie seine Tochter von einer wilden Katze gebissen wurde und zum Arzt musste. Wer vom Problem wirklich betroffen sei, sagte er, der müsse für die Aktion sein. Auch Antje Persiche, die selbst fünf Katzen hat, begrüsst das geplante Vorgehen mit den Katzenfallen – «aus Tierliebe», wie sie betont.

Nach der emotionalen Diskussion gestand Lara Röthlisberger vom Tierschutzverein, die schon in mehreren Oberaargauer Gemeinden solche Aktionen durchführte, «dass es noch nie so heftig zu- und herging». Dennoch spricht sie von einer «sehr hohen Bereitschaft», an der Aktion mitzumachen. Rund 80 Leute, fast ausschliesslich Direktbetroffene, haben laut Röthlisberger ein Dossier angelegt. Ab Anfang Dezember sollen dann während zweier bis dreier Wochen die Fallen gestellt werden.

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